
„Beaches“ – die Geschichte einer lebenslangen Freundschaft
Trotz seines Titels verweilt „Beaches“ nur wenige Augenblicke am Meeresstrand. Dort beginnt und endet dieses neue Musical, der Rest der Handlung aber spielt größtenteils in Clubs und auf Bühnen. Erzählt wird die Geschichte zweier Frauen, die sich als kleine Mädchen kennenlernen und deren Freundschaft so lange währt, bis eine von ihnen stirbt.
Das altmodische, zurückhaltende und tränenreiche Musical basiert auf dem gleichnamigen Roman von Iris Rainer Dart aus dem Jahr 1985 (sie verfasste auch das Musicalbuch zusammen mit Thom Thomas) und auf dem 1988 erschienenen Film. Es gewinnt vor allem durch einige schöne Melodien, die Mike Stoller eigens dafür komponierte – so etwa „Wish I Could Be Like You“, „Show the World Who You Are“, „The Words I Should Have Said“ und „A Day at the Beach“. Stoller ist durch die Songs bekannt, die er in den 1950er Jahren gemeinsam mit Jerry Leiber schrieb, dazu gehören mit „Hound Dog“, „Love Me“ und „Jailhouse Rock“ ein paar Riesenhits von Elvis Presley.
Die Geschichte handelt von den beiden jungen Mädchen Cee Cee Bloom, einem temperamentvollen, ausgelassenen Wirbelwind, und der schüchternen, introvertierten Bertie White. Sie begegnen sich eines Tages am Strand und entwickeln eine Freundschaft, die durch sämtliche Schwierigkeiten ihres Lebens andauern wird. Cee Cee gelingt es, eine gewiefte Karriere als Sängerin zu machen, zuerst in Nachtclubs und dann in besseren Kreisen, bis sie schließlich eine bekannte und bewunderte Schauspielerin wird. Währenddessen führt Bertie unter der Fuchtel ihrer Mutter Rose ein Mauerblümchen-Dasein und wird Anwältin. Beide bleiben stets in Kontakt. Schließlich heiraten sie: Cee Cee findet John, der sie nach einer Weile verlässt, um sein Leben alleine zu leben, und Bertie nimmt Michael, der aber eine Affäre mit Cee Cee anfängt, als Bertie gerade schwanger ist. Das führt zu ihrer Scheidung und zum Bruch zwischen den beiden Freundinnen. Letztendlich versöhnen sie sich nach einer Weile wieder und führen ihre Freundschaft fort, bis Bertie am Ende stirbt.
Obwohl sich die Handlung über zwei Akte erstreckt und dabei viele Szenen – vor allem durch Cee Cees explosives Temperament – für sehr lustige Momente sorgen, steht Berties Tod als trauriger Kontrapunkt zu allem, was zuvor geschah; das bewegende Ende nimmt das Publikum emotional stark mit.
Angesichts der relativ geringen Spannung der tatsächlichen Handlung muss man sich als Zuschauer an den anderen Stärken der Show erfreuen, vor allem an den schauspielerischen Leistungen. Weit vor dem Rest des Ensembles erfüllen die beiden Hauptdarstellerinnen sämtliche Erwartungen: Jessica Vosk als Cee Cee spielt ihre erste Hauptrolle in mitreißendem Stakkato und mit einer großartigen Leistung. Kelli Barrett nimmt es, trotz ihrer zurückgenommenen Rolle, als verführerische Bertie durchweg mit der überbordenden Präsenz von Vosk auf. Neben ihnen glänzt als ein weiteres Juwel der Produktion die brillante und selbstbewusste Interpretation der kleinen Samantha Schwartz als junge Cee Cee. Besten Eindruck hinterlassen ebenfalls Ben Jacoby als Michael, Brent Thiessen als John sowie Zurin Villanueva in den Rollen von Sandy und Janice.
Die von James Noone entworfenen Bühnenbilder, die Kostüme von Tracy Christensen und die Beleuchtung von Ken Billington verleihen dem Zusammenwirken des Ganzen eine eigene Note und sorgen für visuelle Details, die die Aufführung bereichern. Mit der Choreografie von Jennifer Rias und der Regie von Lonny Price und Matt Cowart mag dieser Abend rein physisch vielleicht nicht so mitreißend sein wie andere aktuelle Broadway-Produktionen, aber er bringt ein nicht unerhebliches Flair von Natürlichkeit und eine solide erzählte Geschichte mit.
(Übersetzung: Angela Reinhardt)Music Supervision: Joseph Thalken • Musikalische Leitung: Paul Staroba • Regie: Lonny Price • Co-Regie: Matt Cowart • Choreografie: Jennifer Rias • Bühne: James Noone • Kostüme: Tracy Christensen • Perücken-, Haar- und Make-up-Design: J. Jared Janas • Projektionsdesign: David Bengali • Licht: Ken Billington • Sounddesign: Kai Harada • Mit: Jessica Vosk (Cee Cee Bloom), Kelli Barrett (Bertie White), Sarah Bockel (Leona u.a.), Harper Burns (Nina u.a.), Zeya Grace (Little Bertie), Ben Jacoby (Michael u.a.), Lael Van Keuren (Rose u.a.), Emma Ogea (Teen Bertie u.a.), Bailey Ryon (Teen Cee Cee u.a.), Samantha Schwartz (Little Cee Cee), Brent Thiessen (John u.a.), Zurin Villanueva (Janice u.a.)
Aufmacherfoto: Marc J. Franklin




