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JCS Sam Ryder David Thaxton Credit Johan Persson 05107 e1787694832261 | MUSICAL TODAY

Jesus Christ Superstar

Silberner Verrat und goldener Schmerz

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oRT
The London Palladium
von
Andrew Lloyd Webber (Musik)
Tim Rice (Liedtexte)
Regie
Tim Sheader
Uraufführung
1971

„Jesus Christ Superstar“ als Rockkonzert mit Glitzer-Wucht

Nach der phänomenalen „Evita“-Produktion im letzten Jahr und ihrem großen wirtschaftlichen Erfolg verwundert es nicht, dass auch in diesem Jahr ein Andrew-Lloyd-Webber-Klassiker als Sommermusical im Londoner Palladium Theater gegeben wird. Auch „Jesus Christ Superstar“ hat sich zu einem großen Hit entwickelt, so dass man inzwischen mit Fug und Recht von einer regelrechten Webber-Renaissance sprechen kann. Während in „Evita“ Rachel Zegler als Publikumsmagnet fungierte, ist es nun Sam Ryder, der als Starbesetzung der Titelrolle für einen enormen Hype und exzellenten Ticketabsatz sorgt. Die preisgekrönte Produktion des Stückes erlebte 2016 beim Regent’s Park Open Air Theatre ihre Premiere und wird in London bereits zum vierten Mal aufgeführt.

Das Kreativ-Team der Regent’s-Park-Produktion hat sich für diese Neuinszenierung erneut zusammengefunden. Regisseur Tim Sheader inszeniert das Stück als energetisches Rockkonzert, bei dem kabelgebundene Mikrofone und Mikrofonständer zentrale Requisiten darstellen. Die Mikrofone dienen als Instrumente der Macht – wer sie in seinen Händen hält, besitzt die Kontrolle über das Geschehen. Die Mikrofonständer werden sowohl als Lanzen wie auch als Zepter eingesetzt. Die Hohepriester um Kaiphas und Annas agieren damit sogar wie eine Boyband und schwingen sie choreografisch perfekt zum Takt.

Ein weiteres unverkennbares Merkmal dieser Produktion ist der massive Einsatz von Glitzer, womit bedeutende oder grausame Szenen visuell extrem kraftvoll aufgeladen werden. Judas etwa befleckt seine Hände im Moment des Verrats mit silbernem Glitzer, wenn er in die von den Hohepriestern dargebotene Kiste greift, um sein Blutgeld herauszuholen. Bis zu seinem Tod wird er die nun silberfarbenen Hände behalten. Bei „Superstar“ schließlich ist er in ein silbernes Ganzkörper-Glitzerkostüm im Stil eines Glam-Rock-Stars gekleidet – eine weitere Anspielung auf die Entstehungszeit des Musicals. Bei „39 Lashes“ wiederum wird Jesus nicht mit Peitschenhieben gegeißelt, sondern das Ensemble bewirft ihn aus nächster Nähe und mit hoher Aggressivität mit goldfarbenem Glitzer, so dass sein Körper am Ende vollends damit bedeckt ist. Im Zusammenspiel mit dem sich hierin brechenden Licht zeichnet dies in eindrücklicher Weise die Spuren der Gewalt nach.

Die energiegeladene und kraftvolle Choreografie von Drew McOnie zeigt sehr ausdrucksstark, wie die Stimmung der Bevölkerung in Jerusalem gegenüber Jesus von enthusiastischem Jubel in radikale Abkehr umschlägt. Das reduzierte Bühnenbild von Tom Scutt besteht aus einer mehrstöckigen Gerüstbaukonstruktion und einem großen, auf dem Bühnenboden liegenden Kreuz, das als Laufsteg und zentraler Spielort dient. Der große Erfolg der Show basiert nicht zuletzt auf der großartigen Leistung des 19-köpfigen Orchesters unter der musikalischen Leitung von Tom Deering.

Sam Ryders schauspielerische Fertigkeiten werden leider seiner bemerkenswerten Stimme nicht gerecht, so dass sein Jesus allzu oft im Vagen verbleibt. Für seine „Gethsemane“-Interpretation indes erhält er Standing Ovations, was nicht zuletzt auf sein beeindruckend sicheres Falsett zurückzuführen ist. Der „Superstar“ der Show ist allerdings Tyrone Huntley, der als Judas mit vielschichtigem Spiel und eindringlich-virtuoser Stimme eine gequälte und zutiefst desillusionierte Persönlichkeit auf die Bühne bringt, die ruhelos ihrem Schicksal entgegenschlingert. Die Stimme von Desmonda Cathabel ist schlichtweg atemberaubend, was die Solonummern von Maria Magdalena zu einem Ereignis macht. Mit enormer Präsenz gibt David Thaxton den Pontius Pilatus, während Richard Armitage (Thorin Eichenschild in Peter Jacksons „Der Hobbit“-Filmtrilogie) als eine von mehreren Herodes-Besetzungen dieser Produktion eine eher dunkle Seite des größenwahnsinnigen Herrschers zeigt.

Die Show zieht im Herbst ins Theatre Royal Drury Lane um, bevor sie im nächsten Jahr auf Tournee durch Großbritannien geht.


Music Supervision und Musikalische Leitung: Andrew Resnick • Regie: David Cromer • Choreografie: Lynne Page • Bühne: Scott Pask • Kostüme: Jonathan Lipman • Licht: Heather Gilbert • Sounddesign: Paul Groothius • Mit: Ben Platt (Trevor Copeland), Gregor Milne (Arthur Brightman), Barry James (Alter Trevor)

Aufmacherfoto: Johan Persson

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