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Flashdance

Nerven aus Stahl

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oRT
Theater Hagen
von
Robbie Roth (Musik)
Tom Hedley und Robert Cary (Buch)
Robert Cary und Robbie Roth (Liedtexte)
Anja Hauptmann (Deutsche Fassung)
Regie
Florian Mahlberg
Uraufführung
2008

Einspringerin Katharina Wollmann rettet „Flashdance“

Selten dürfte ein Publikum im Finale von „Flashdance“ so sehr mitgefiebert haben wie hier am Theater Hagen. Denn die dritte Vorstellung dieser Neuinszenierung ist quasi noch einmal eine zweite Premiere, vor allem für Hauptdarstellerin Katharina Wollmann. Eigentlich in der Nebenrolle der Kiki besetzt, steht sie nach der krankheitsbedingten Absage ihrer gefeierten Kollegin Juliette Lapouthe nämlich auf einmal selbst als Cover zentral im Rampenlicht – ohne eine einzige Bühnenprobe!

Und so geht es bei der berühmten Audition-Szene nicht nur für die tanzbegeisterte Schweißerin Alex ums Ganze, sondern auch für ihre Darstellerin. Schließlich hat das Publikum den ganzen Abend gemeinsam mit ihr diesem Moment entgegengefiebert: der berühmten Tanzszene zu „What a Feeling“, mit der Wollmann am Ende nicht nur die Jury der Elite-Ballettschule überzeugt, sondern auch das Publikum aus den Sitzen reißt. Denn auch wenn der Weg zur Primaballerina für den Rohdiamanten Alex noch weit ist, die Leidenschaft dafür spricht bei ihr aus jeder Bewegung.

Dass Wollmann bei diesem unerwarteten Rollendebüt derart abliefern kann, verdient höchste Bewunderung. Es spricht aber auch für die Produktion selbst und die hier zusammengewachsene Theaterfamilie, die sich gegenseitig durch den Abend trägt. Denn hätte es nicht die Ansage vor dem Vorhang gegeben, wäre wohl kaum jemandem im Saal aufgefallen, dass noch in letzter Sekunde Kostüme angepasst und Choreografien leicht justiert werden mussten. Die Show läuft wie eine gut geölte Maschine: angefangen beim beinahe filmisch anmutenden Eröffnungsbild, in dem Alex auf dem Fahrrad mit ausgebreiteten Armen ihren Träumen nachhängt, bis hin zur ersten Fabrikszene, wo Regisseur Florian Mahlberg im wahrsten Sinne die Funken fliegen lässt.

Szenenfotos mit Juliette Lapouthe als Alex, Katharina Wollmann als Kiki und Clara Maria Determann im Ensemble

Damit ist das Stück gerade im Ruhrgebiet bestens aufgehoben. Und trotz einer großzügigen Portion Nostalgie, die bei dieser Bühnenadaption des Kinohits von 1983 natürlich ebenfalls bedient wird, wirkt die Geschichte keineswegs angestaubt, sondern auch heute noch ganz am Puls der Zeit. Mit einer taffen Protagonistin, die sich in einem traditionellen Männerberuf behauptet, die mit Herz und Faust für ihre Freundinnen einsteht, gleichzeitig aber auch ihren wahren Traum nie aus den Augen verliert.

Der Weg dorthin führt bekanntermaßen über einen ominösen Poledance-Club – inklusive der ikonischen Waterdrop-Szene, die schon das Plakat zum Film zierte und in keiner Produktion fehlen darf. Gelegenheit, um sich auszutoben, bleibt für Choreografin Nicole Eckenigk aber auch abseits solcher Zitate noch genug. Sie bietet bei den teilweise in bunte Fantasiewelten abdriftenden Shownummern einiges an Schauwerten. Unter anderem, wenn Alex’ Freundin Kiki als Lara-Croft-Verschnitt erscheint und die ebenfalls kurzfristig aus dem Ensemble nachgerückte Clara Maria Determann selbstbewusst die Pistolen schwingt.

Zusätzlich angefeuert wird sie von Dirigent Andreas Vogelsberger, der mit seiner sechsköpfigen Band im Graben ordentlich Stoff gibt. Sei es bei den Hits aus der Film-Playlist, wie „Maniac“, „Gloria“ und „I Love Rock’n’Roll“, oder bei den neu hinzukomponierten Songs. Die haben zwar etwas weniger Ohrwurm-Potenzial, erlauben uns aber auch mal, die verletzlichere Seite von Alex kennenzulernen.

Den Schutzschild ganz aufzubrechen gelingt da erst Nepo-Baby Nick, der im Gegenzug von ihr dazu inspiriert wird, ebenfalls mit den Erwartungen seiner wohlhabenden Familie zu brechen und seinen eigenen Weg zu suchen. Mit Marius Bingel hat man sich dafür einen weiteren Musical-Profi ans Haus geholt, der sich mit sympathischer Bühnenausstrahlung nicht nur ins Herz von Alex singt. Und egal, welche der beiden Damen man nun in der Hauptrolle erlebt, man darf sich bei beiden in sicheren Händen fühlen.


Musikalische Leitung: Andreas Vogelsberger • Regie: Florian Mahlberg • Choreografie: Nicole Eckenigk • Bühne: Norbert Bellen • Kostüme: Lisa-Jasmin Tomm • Licht und Video: Hans-Joachim Köster • Mit: Katharina Wollmann (Alex), Marius Bingel (Nick), Sarah Steinemer (Gloria), Clara Maria Determann (Kiki), Joyce Diedrich (Tess), Tim Stolberg (Jimmy), Nicoletta Luna Iparraguirre de las Casas (Louise/Mrs. Wilde), Richard van Gemert (C.C. ), Anja Frank-Engelhaupt (Hannah), Götz Vogelgesang (Harry), John Baldoz (Joe), Manuel Lopez (Andy) u.a. • Statisterie Theater Hagen • Flashdance-Band

Aufmacherfoto: Björn Hickmann

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