02 | MUSICAL TODAY

Monty Python’s Spamalot

Mit allem außer Pferden

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Theater der Altmark (Hafenbühne Tangermünde)
von
John Du Prez und Eric Idle (Musik)
Eric Idle (Buch und Liedtexte)
Daniel Große Boymann (Deutsche Fassung)
Regie
Dorotty Szalma
Uraufführung
2005

„Spamalot“ auf der neu errichteten Hafenbühne

Tangermünde ist – nach dreijähriger Vorbereitungszeit – DER neue Hotspot des Sommertheaters. Bespielt vom Stendaler „Theater der Altmark“, eröffnet „Spamalot“ die neue Hafenbühne: Mit Blick auf die historischen Stadtmauern und mit dem Rücken zur Elbe erfreuen sich 510 Menschen am verrücktesten Ritterspektakel der Musicalhistorie.

Artus ist der König der Briten (überzeugend und mit großer Spielfreude: Marcel Kaiser). Woran man erkennt, dass er König ist? Er hat „extrem wenig Kacke an seiner Kleidung“. Und wie er das geworden sei? Vielleicht ja durch die „Ausbeutung der Arbeiterklasse“? Schallendes Gelächter, dass der Greifvogel aus dem Gemäuer zum kurzen Rundflug aufbricht und den wohl besten Blick auf das Geschehen hat. Tatsächlich aber wird Artus gekrönt durch Verleihung eines (schwer zu zückenden) Schwerts von der „Fee aus dem See“ (Barbara Weiß), die mit übergroßem Einhorn-Schwimmring ihren ersten Auftritt hat.

Artus macht sich mit seinen „Rittern der Tafelrunde“ auf die Suche nach dem Heiligen Gral – Gott gab den Auftrag. Ob er den Becher nun „versemmelt hat“ oder er zu zerstreut war, vielleicht nur einen einzigen besitzt oder er sich nicht einfach einen neuen kaufen mag? Man weiß es nicht. Das alles ohne Pferd natürlich, dafür mit dem berühmten Geklapper der Kokosnussschalen seines Knechts Patsy (Tilo Werner). Es gilt zahlreiche Prüfungen zu bestehen, es fliegen Kühe durch die Luft, ein monsterartiges Kaninchen gilt es mit der magischen Handgranate zu zähmen, rotzfreche Franzosen mit dem hölzernen Hasen zu überlisten und natürlich den schwarzen Ritter zu besiegen, der am Ende ohne Beine und Arme („besser Arm ab als arm dran“ / „spendet an Arme“) seine Niederlage nicht eingestehen mag: „Einigen wir uns auf ein Unentschieden.“ Der Gral wird schließlich gefunden, er versteckte sich die ganze Zeit unter dem Sitz in Reihe 1, Platz 1. Und auch das menschliche Happy End ist garantiert: So finden sich Artus und die Fee (und schmachten gemeinsam „Das Lied mit dem Kuss am Schluss“), wie auch Lancelot (Matthias Hinz) seinen Prinz Herbert (herrlich queer dargestellt von Markus Störk). Es ist Pride Month.

Die Spielfreude zieht sich hinein bis zur Statisterie, die u.a. sehr überzeugend den „sehr, sehr teuren Wald“ darstellt (mit Plastikzweigen in der Hand) und später einen CanCan meistert (Choreografie: Viktória Kőhalmi). Auch der Chor verströmt gute Laune, wippt er doch schon vor dem ersten Einsatz zum Takt. Mit motivierenden Schildern wie „Rettet irgendwas“, „Ruhm to go“ oder „Mut statt Ahnung“ feuert er zusätzlich an.

Regisseurin und Intendantin Dorotty Szalma gelingt mit ihrem grandiosen Ensemble (und lediglich einem Gast) eine extrem professionelle und witzige Inszenierung. Woher die Kokosnuss stamme? Edeka! „Trinkpausen“ werden befohlen, die Fußball-WM lässt grüßen. Und nachdem es eine der Aufgaben ist, ein Musical aufzuführen – wobei Artus bald merkt, dass er ja schon mittendrin ist – klappt das natürlich nur in einem Theater, „das subventioniert wird, und wenn der Gesetzgeber das will“. Frenetischer Szenenapplaus. Auffallend ist die gute Akustik (Ton: Enrico Stephan), die musikalische Leitung liegt bei Niclas Ramdohr und die farbenfrohe Ausstattung bei Mark Späth und Esther Dandani.

“Always look on the Bright Side of Life“ – „Nimm das Leben beschwingt, hab einfach Spaß“. Monty Python hätte es gefallen. Mit lediglich 12 Zugminuten von Stendal entfernt ist Tangermünde auch jenseits des Theatersommers einen Besuch wert.


Musikalische Leitung: Niclas Ramdohr • Regie: Dorotty Szalma • Choreografie: Viktória Kőhalmi • Regie der Statisterie: Razan Naser Eddin • Ausstattung: Mark Späth und Esther Dandani • Dramaturgie: Roman Kupisch • Mit: Lukas Franke (Sir Robin/Bruder Maynard u.a.), Matthias Hinz (Sir Lancelot/Der Ritterfürst vom Ni/Tim der Zauberer u.a.), Marcel Kaiser (König Artus), Markus Störk (Historiker/Der Noch-Nicht-Tote Fred/Herbert u.a.), Kerstin Slawek (Sir Bedevere u.a.), Claudia Tost (Hase u.a.), Barbara Weiß (Die Fee aus dem See), Tilo Werner (Patsy u.a.), Fynn Zinapold (Sir Galahad/Der Schwarze Ritter u.a.) u.a.

Aufmacherfoto: Nilz Böhme

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