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Something Rotten!

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The English Theatre Frankfurt
von
Wayne Kirkpatrick und Karey Kirkpatrick (Musik, Liedtexte und Konzeption)
Karey Kirkpatrick und John O’Farrell (Buch)
Regie
Ewan Jones
Uraufführung
2015

Das größte englischsprachige Theater Kontinentaleuropas feiert mit „Something Rotten!“ seine Wiedereröffnung

Wer war William Shakespeare? Gab es ihn wirklich? Oder war er ein Adeliger, der sich für seine Ausflüge in die Niederungen des Theaters ein Pseudonym zulegen musste? Womöglich gar eine Frau? Oder war der Name nur eine Marke, die aus PR-Gründen von einem schreibenden Kollektiv verwendet wurde? Über diese und andere Theorien wurde über die Jahrhunderte immer wieder eifrig spekuliert. Doch auf der Bühne des English Theatre in Frankfurt gibt es ihn definitiv. Im Musical „Something Rotten!“ ist der Barde aus Stratford-upon-Avon ein hoffnungsloser Egomane, der keine Probleme damit hat, anderen Schreiberlingen auch mal ihre Ideen zu klauen. Ein eitler Pfau, der sich von seinen Fans wie ein Popstar feiern lässt – was Benjamin Stratton mit viel Selbstironie auszukosten weiß.

Die Lacher mag er so zwar auf seiner Seite haben, aber die Sympathien liegen am Ende dieses höchst spaßigen Abends dann doch eindeutig bei den beiden Bottom-Brüdern Nick und Nigel, die für ihre Theatertruppe dringend einen Hit suchen, der finanziell die Schäfchen ins Trockene bringt. Rettung verspricht da ein Hellseher namens Nostradamus. Wohlgemerkt nicht „der“ Nostradamus, es ist vielmehr sein bislang wenig dokumentierter konfuser Neffe Thomas Nostradamus. Und der ahnt die wachsende Begeisterung fürs Musiktheater ebenso voraus wie die Pläne für Shakespeares nächstes Stück. Auch, wenn er sich beim Titel leider ein wenig vertut, weshalb die Bottoms statt „Hamlet“ ein Musical namens „Omelette“ einstudieren.

Und ja, das Ergebnis ist genauso absurd, wie man es sich nach dieser kurzen Beschreibung vorstellt. Das hatte man in Frankfurt bereits 2023 lernen können, ehe das English Theatre aufgrund von Bauarbeiten gezwungen wurde, sein Stammhaus zu verlassen und die Erfolgsproduktion auf Eis zu legen. Nach zwei Jahren unfreiwilliger Wanderschaft ist man nun aber wieder daheim und schickt „Something Rotten!“ endlich in die ersehnte Bonus-Runde.

Für die glanzvolle Wiederaufnahme hat Regisseur Ewan Jones natürlich nochmal ein wenig nachpoliert und seine Inszenierung auf die neu hinzugekommenen Cast-Mitglieder zugeschnitten. In die Herzen des Publikums spielt sich nun u.a. Charlie Smart, der gemeinsam mit Reuben Browne ein ungleiches Brüderpaar bildet, dessen unterschiedliche Temperamente sich ideal ergänzen: der eine als sensibler Träumer, der andere als leicht durchgeknallte Rampensau, beide mit perfektem komödiantischem Timing. Darüber verfügt zum Glück auch Beth Bradley, die als Nicks patente Ehefrau für ihre feministischen Ideale auf die Barrikaden geht – schließlich lebt man in den 90ern! Genauer gesagt in den 1590ern, aber gerade mit solchen Wortspielen schlagen die Autoren immer wieder auf humorvolle Art eine Brücke zwischen den Epochen. Was natürlich vor allem aufs Konto des kurzsichtigen Propheten geht. Tom Watson darf u.a. mit dem Showstopper „A Musical“ einen historisch verkleideten Crashkurs über das Genre der Zukunft geben, der kein Klischee auslässt, Twerking und Jazz-Hands inklusive.

„Something Rotten!“ ist ein Stück, das auf vielen Ebenen funktioniert. Einmal für Shakespeare-Kenner, die bei den zahlreichen Originalzitaten immer wieder wissend schmunzeln. Aber vor allem natürlich für Musicalfans, für die bei der Premiere von „Omelette“ ein lustiges Zitate-Raten von Rodgers & Hammerstein bis Jonathan Larson beginnt. Ein rasant getaktetes „Best of Broadway“, für das sich auch die Choreografien von Ewan Jones clever bei Legenden wie Bob Fosse, Michael Bennett, Gillian Lynne und Co. bedienen. Wahrscheinlich muss man diese mit viel Liebe inszenierte und mit noch mehr Leidenschaft gespielte Produktion mehrfach sehen, um alle Anspielungen würdigen zu können. Aber mindestens einmal ist absolut Pflicht!  


Musikalische Leitung: Mal Hall • Regie und Choreografie: Ewan Jones • Ausstattung: Stewart J. Charlesworth • Licht: Jamie Platt • Sounddesign: Anna Short • Mit: Bradley Adams (Brother Jeremiah), Lauren Arney (Viola), Josh Belward (Tom Snout), Beth Bradley (Bea), Luke Joseph Breathnach (Lord Clapham), Reuben Browne (Nick Bottom), Liam Huband (Robin Starveling), Francesca Jasmine (Rosalind), Charlie Smart (Nigel Bottom), Briana Kelly (Portia), Jonathan Norman (Shylock), Benjamin Stratton (Shakespeare), Myles Waby (Peter Quince), Tom Watson (Nostradamus)

Aufmacherfoto: Martin Kaufhold

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