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Dennis Hupka Clara Mills Karzel 2 copy Werner Kmetitsch Oper Graz | MUSICAL TODAY

On the Town

80 – und so jung wie nie

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Oper Graz
von
Leonard Bernstein (Musik)
Betty Comden und Adolph Green (Buch und Liedtexte)
Jens Luckwaldt (Deutsche Dialoge)
Regie
Felix Seiler
Uraufführung
1944

Bernsteins Genreklassiker „On The Town“ gerät zum Triumph

Nachdem die Volksoper Wien und Baden sich immer mehr vom klassischen Musical abkehren, ist die Oper Graz (vielleicht noch neben Klagenfurt) die letzte österreichische Bühne, die sich älteren Stücken widmet. „On The Town“ erfreute sich im deutschen Sprachraum über Jahre doch einer gewissen Beliebtheit, machte dann aber neueren Shows Platz; in Wien ging es an der Volksoper überhaupt ganz vorbei. Auch die TV-Ausstrahlungen der Filmversion von 1949 – mit einem abgeänderten Songkatalog – sind rar geworden.

Daher ist es Graz hoch anzurechnen, diese 80 Jahre alte Show wiederzubeleben, noch dazu, wo es das Erstlingswerk von vier Giganten des Genres war: Komponist Leonard Bernstein („Wonderful Town“, „West Side Story“), dem Buch- und Liedtext-Duo Betty Comden und Adolph Green („Wonderful Town“, „Bells are Ringing“ bzw. „Singin´ in the Rain“ und „The Band Wagon“) sowie Choreograf Jerome Robbins („West Side Story“, „Fiddler on the Roof“). Das Ganze unter der Führung des routinierten Regisseurs George Abbott, der einige der abgehobeneren Ideen von Comden und Green eindämmte.

Bernsteins Musik war damals wie heute von einer unglaublichen Vielseitigkeit: Die Eröffnungsnummer „New York, New York“ wurde schnell zu einem Schlager (und überlebte auch den Transfer in den Film), dazu kamen Balladen wie „Lucky To Be Me“ und „Lonely Town“, „Ya Got Me“ als damals typische südamerikanische Nummer, „I Can Cook Too“ als Boogie-Woogie-Comedy-Element oder „Carried Away“ als vor allem von Green immer eingebaute Opernparodie. Dazu noch einige symphonische Momente, die vor allem die unzähligen Tanzszenen (fast 30 Minuten) untermalten. Highbrow- und Lowbrow-Nummern wechseln sich nicht nur in der Musik, sondern auch in den Buchszenen ab und sorgen für eine nicht nur damals einmalige Mischung.

Wie wird die Oper Graz diesen Anforderungen gerecht? Vollumfänglich. Das beginnt schon mit der Ausstattung von Darko Petrovic, die das New York der 40er Jahre wunderbar darstellt, wobei die zahlreichen Szenenwechsel das irrwitzige Tempo des Abends keineswegs verlangsamen. Gemeinsam mit den gedämpften Farben der Kostüme von Sarah Rolke (mit einigen pinken Aufhellungen), der Beleuchtung von Michael Grundner sowie Einspielungen von Herwig Baumgartner ist das Gesamtbild eindrücklich, aber nie zu grell oder dem Selbstzweck verhaftet.

Dankenswert auch, dass Regisseur Felix Seiler dem Stück vertraut, die Handlung in der damaligen Zeit belässt und keine Anachronismen oder billige Lacher einbaut. Klar, einige Figuren oder Szenen würden heute so nicht mehr kreiert werden, doch Comden und Green umzuschreiben wäre vermessen. Graz verfügt mit den Philharmonikern unter Stefan Birnhuber, dem Chor und Ballett auch über Rahmenbedingungen, die einer Broadway-Aufführung vor 80 Jahren entsprechen können.

Die Darstellenden sind ziemlich jung gehalten und durchgehend liebenswert – vor allem können sie die Choreografie von Danny Costello, die sich wahrscheinlich erst nach zwei oder drei Besuchen voll erschließen würde, tänzerisch über die Bühne bringen. Von den Männerrollen überzeugt vielleicht Dennis Hupka als naiver Chip noch am meisten, doch an Simon Stockingers nachdenklichem Gabey und an dem den Girls nachjagenden Ozzie von Fabian Kaiser ist ebenfalls nichts auszusetzen.

Vielleicht noch etwas eindrücklicher besetzt sind die Frauenrollen mit Clara Mills-Karzel als liebenshungriger Taxifahrerin Hildy Esterhazy (auch sie nie zu überdreht) und Veronika Hörmann als stets im Moment lebender Claire De Loone, die mit Ozzie eine eintägige Zweckbeziehung eingeht. Maria Joachimstaller als von Gabey angebetete „Miss Turnstiles“ hat hier die passivste Rolle, gibt das Poster Girl aber ebenfalls überzeugend. Als Mann in einer Frauenrolle besetzt und mit dem größten Applaus des Abends bedacht: Ivan Oreščanin als Gesangslehrerin Madame Dilly.

Egal ob im Detail oder im Gesamteindruck: Die Grazer Aufführung von „On The Town“ kann von anderen Bühnen, die diesen Genreklassiker ins Auge fassen, als Messlatte herangezogen werden.


Musikalische Leitung: Stefan Birnhuber • Regie: Felix Seiler • Choreografie: Danny Costello • Bühne: Darko Petrovic • Kostüme: Sarah Rolke • Licht: Michael Grundner • Sounddesign: Felix Wagner • Video: Herwig Baumgartner • Choreinstudierung: Johannes Köhler • Mit: Simon Stockinger (Gabey), Dennis Hupka (Chip), Fabian Kaiser (Ozzie), Veronika Hörmann (Claire De Loone), Clara Mills-Karzel (Hildy Esterhazy), Maria Joachimstaller (Ivy Smith), Ivan Oreščanin (Madame Dilly), Dominika Blažek (Lucy Schmeeler), Wilfried Zelinka (Richter Pitkin) u.a. • Ballett Graz • Chor und Statisterie der Oper Graz • Grazer Philharmoniker

Aufmacherfoto: Werner Kmetitsch/Oper Graz

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