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Hello, Dolly!

Broadway in Niederösterreich

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Operette & Musical Langenlois
von
Jerry Herman (Musik und Liedtexte)
Michael Stewart (Buch)
Robert Gilbert (Deutsche Fassung)
Josef E. Köpplinger und Christoph Wagner-Trenkwitz (Spielfassung)
Regie
Florian Hurler
UraufführunG
1964

„Hello, Dolly!“ beweist, dass Langenlois nicht nur Operette kann

Es könnte kaum ein passenderes Stück für den Auftakt einer neuen Ära geben: Mit dem Klassiker „Hello, Dolly!“ aus dem Jahr 1964 zeigt die niederösterreichische Stadt Langenlois nach 30 Jahren sommerlicher Operette erstmals ein Musical – künftig alle zwei Jahre im Wechsel.

Florian Hurler belässt seine Inszenierung in der damaligen Zeit, ohne dass sie altbacken wirkt, und setzt behutsam Akzente, etwa mit dem „Tanzschein“ (der ESC-Beitrag Österreichs) oder einem „We can do it“-Plakat im „Rosie the Riveter“-Stil. Hervorragend gelungen ist die Mischung aus deutschen und englischen Liedtexten. Hurler ist auch für die temporeichen und äußerst kreativen Choreografien verantwortlich, die das Ensemble kaum stillstehen lassen. Neben Walzern, Steppeinlagen und Hebefiguren gibt es Schirm-Choreos, Lokomotiven-Imitationen und Kicklines. Man kann sich gar nicht genug daran sattsehen, auch dank der Präzision, Tanz- und Ausdrucksfreude, mit der das Ensemble abliefert!

Bei den Kostümen von Anna-Sophie Lienbacher kommen zeitlos elegant vor allem gedeckte Farben zum Einsatz: Lila, Violett, Olivgrün, Grau, Braun, Beige, Lachs – gebrochen von grellen Akzenten zum Unterstreichen einiger Charaktere. Da gibt es stilvolle Tüllröcke und -schürzen, verspielte Hüte, Kappen und Kopfschmuck sowie Corsagen, zur Parade schrillere USA-Kostüme und für Dolly ein hinreißendes rotes Paillettenkleid im zweiten Akt.

Das Bühnenbild von Hanni Görg und Anna-Maria Grillmaier fokussiert sich auf die traumhafte, natürliche Kulisse Schloss Haindorf. Dessen Balustrade ist mit Lichterketten geschmückt, auf der Bühne ergänzt um zwei große, trapezförmige Elemente, die je nach Seite Backsteinfassade des Futtermittelladens oder Bahnsteig sein können. Links steht auf einem niedrigen Podest ein kleiner Hutladen mit überdimensionierter Hutbox, im zweiten Akt ein Restauranttisch. Wie auch pointierter Minimalismus eindrucksvoll die Fantasie beflügeln kann, zeigen mit Stoffbahnen bespannte Rahmen, die mit seitlichen Leuchtstreifen zur Skyline von New York werden.

Ebenfalls Broadway-like: Lorenz C. Aichner führt das fantastische Orchester temporeich, präzise und ausgewogen durch die zahlreichen Ohrwürmer – mit einer verspielten Leichtigkeit, gefühlvollen Ritardandi und einer perfekten Abstimmung zwischen Orchester und Bühne.

Cornelia Horak gibt Tausendsasserin Dolly, die sich als Heiratsvermittlerin in einen ihrer miesepetrigen Auftraggeber verliebt – darstellerisch eine Wucht, resolut, frech, aber auch verlegen und zart, stimmlich leider mitunter schrill. Intendant Christoph Wagner-Trenkwitz spielt liebevoll-bösartig, mit Gespür für Komik den Futtermittelladen-Betreiber Horace Vandergelder, der nicht charmant sein will, aber genau das ist und am Ende sein Herz für Dolly öffnet – stimmlich wohlig-weich. Als seine beiden Gehilfen Barnaby und Cornelius überzeugen lebhaft-witzig Jakob Riegler und Paul Valentin Clementi, dessen Stimme dahinschmelzen lässt. Apropos Dahinschmelzen: Sopranistin Loes Cools verzaubert mit Präzision, stimmigem Vibrato und quirliger Darstellung als Hutmacherin Irene Molloy, wie auch Victoria Sedlacek als ihre Angestellte Minnie Fay. Ein herrliches Duo sind der witzig aufgeweckte Julian Weninger als Künstler Ambrose und dessen Angebetete Ermengarde, wunderbar aufgeregt gespielt von Zoé Herscovici, die ständig am Heulen ist. Und dann sind da noch die großartige Kerstin Grotrian, die sich als Miss Money herrlich derb mit schriller Lache und vergnüglicher Präsenz an Vandergelder ranschmeißt, sowie Erwin Belakowitsch, der den anspruchsvollen Oberkellner Rudi treffend komisch mimt und mit sonorem Schmelz „Hello, Dolly!“ anstimmt.

Insgesamt geht die gewagte Mischung aus klassischen und Musicalstimmen wundervoll auf und spielt all ihre Vorzüge in einem phänomenalen „It Only Takes A Moment“ aus. Der Broadway hat in Langenlois Einzug gehalten – und macht jetzt schon Lust auf 2028!


Musikalische Leitung: Lorenz C. Aichner • Regie und Choreografie: Florian Hurler • Bühne: Hanni Görg und Anna-Maria Grillmaier • Kostüme: Anna-Sophie Lienbacher • Maske: Zarah Bugnar und Lisa Werner • Licht: Christoph Rosenberg • Sounddesign: Bernhard Hitzenhammer • Chorleitung:  Matthias Schoberwalter • Mit: Cornelia Horak (Dolly Gallagher Levi), Christoph Wagner-Trenkwitz (Horace Vandergelder), Paul Valentin Clementi (Cornelius Hackl), Jakob Riegler (Barnaby Tucker), Loes Cools (Irene Molloy), Victoria Sedlacek (Minnie Fay), Julian Weninger (Ambrose Kemper), Zoé Herscovici (Ermengarde), Kerstin Grotrian (Ernestina Money), Erwin Belakowitsch (Rudolph Reisenweber), Alexander Karger (Wachtmeister) u.a. • Chorus Alea • Strauss Festival Orchester Wien

Aufmacherfoto: Barbara Pálffy

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