Zauberflöte – Das Musical

Ausbaufähig

oRT
Deutsches Theater München
von
Benjamin Sahler (Buch)
Frank Nimsgern (Musik)
Regie
Benjamin Sahler
Uraufführung
2024

Die Uraufführung von „Zauberflöte – Das Musical“ überzeugt musikalisch, enttäuscht jedoch mit einer durchwachsenen Inszenierung

Ob es ein Sakrileg ist, Mozarts Meisterwerk als Basis für ein neues Musical zu verwenden? Diese Frage schwingt möglicherweise in den Köpfen der Premierenbesucher mit, die sich zur Uraufführung von „Zauberflöte – Das Musical“ im Deutschen Theater München – in Kooperation mit dem Festspielhaus Neuschwanstein Füssen – einfinden.

Schon bei der Ouvertüre ist unüberhörbar, dass das Musical nicht nur an Mozarts „Zauberflöte“ angelehnt ist, sondern die Musik eindeutig aus der Feder von Frank Nimsgern stammt. Die ersten Takte der Oper und weitere musikalische Mozart-Zitate wurden von ihm neu arrangiert. Aber mehr noch als Mozart zitiert Nimsgern sich selbst: Wem sein Œuvre vertraut ist, erkennt in einigen Songs bereits veröffentlichte Melodien wie beispielsweise „Can You See The Light“ aus „Elements“ oder „Mein Herz brennt“ aus „Phantasma“ wieder. Und selbst wer mit keinem der beiden Komponisten firm ist, wird musikalisch Bekanntes zu hören bekommen: Ob „Stille Nacht“ oder das Shanty „Wellerman“ – es ließen sich zahlreiche Musikzitate aus den unterschiedlichen Musikgenres aufzählen. Die entsprechenden Liedtexte von Aino Laos sind mal mehr, mal weniger eingängig und elegant.

Die Handlung selbst orientiert sich stark an der Opernvorlage: Tamino rettet Pamina, Papageno plappert und findet am Ende Papagena, die Königin der Nacht sinnt auf Rache an Sarastro, Monostatos sehnt sich nach Respekt und die Drei Damen nach Romantik. Statt der Drei Knaben werden neue Figuren eingeführt: ein Sidekick-Kakadu (Mario Mariano) und ein durch das Stück führendes Orakel (Anna Maria Kaufmann). Um die Vorlage zu modernisieren (Buch und Regie: Benjamin Sahler), entfernt man sich von der klaren Zuschreibung von Gut und Böse, Licht und Dunkel. Ziel ist eine ausgewogene Balance, mehr „Graustufen“ statt nur Schwarz und Weiß. Doch gerade daran scheitert das Stück, bleibt vage, kratzt nur an der Oberfläche und weiß nicht so recht, worauf es hinausmöchte: viele etwas peinliche Flachwitze, wenig Subtext. Dazu passt, dass die Prüfungen von Sarastro weniger ein aufklärerischer Initiationsritus als vielmehr ein böswilliger Versuch sind, die Helden scheitern zu sehen – „Brot und Spiele“ für das Volk eben. Die Kostüme sind bunt, aber größtenteils stereotyp, ähnlich wie die leicht bekleideten Tänzerinnen, Riesenfächer und glitzernden Zylinderhüte – diverse Musicalshows der 1920er Jahre lassen grüßen –, ergänzt von kurzen Akrobatikeinlagen.

Einen Wiedererkennungswert besitzt die Besetzung, der man bei diesem Kreativteam häufig begegnet. Zurecht! Chris Murray (Monostatos) begeistert nicht nur mit seinem pointierten Spiel, sondern auch mit einigen Rocknummern. Katja Berg als Königin der Nacht steht ihm in nichts nach, bei ihrer Rachearie möchte man fast begeistert „headbangen“. Als machthungriger Sarastro entlockt Christian Schöne seiner Stimme passgenau-brachiale Töne. Auch das übrige Ensemble performt bestens: ob Misha Kovar als durchsetzungsstarke Pamina, Tim Wilhelm als Sympathieträger Papageno, Stefanie Gröning in der Rolle der Papagena oder Patrick Stanke als Möchtegern-Held Tamino. Leider kann man die gebotene Stimmgewalt kaum genießen, da sowohl die Musik vom Band als auch die Mikrofone in ohrenbetäubender Lautstärke in den Zuschauerraum dröhnen.

Grundsätzlich wartet „Zauberflöte – Das Musical“ mit einer facettenreichen Komposition auf, die dank ihrer musikalischen Zitate und Anlehnungen ein Gefühl des Wieder-Erkennens auslösen. Gute Voraussetzungen, um – wie das geschätzte Vorbild – zu einem populären Klassiker zu werden. Ohne erneute Überarbeitung droht trotzdem ein Scheitern. Man wünscht sich weniger Klamauk, mehr Intention sowie eine progressivere Inszenierung. Die Sakrileg-Frage wäre allerdings geklärt: „Die Zauberflöte“ als Musical ist per se nicht ausgeschlossen – an der Umsetzung hapert es allerdings noch.


Choreografie: Stefanie Gröning, Anna Martens und Alina Groder • Mit: Misha Kovar (Pamina), Patrick Stanke (Tamino), Katja Berg (Königin der Nacht), Christian Schöne (Sarastro), Anna Maria Kaufmann (Das Orakel), Tim Wilhelm (Papageno), Stefanie Gröning (Papagena), Mario Mariano (Kakadu), Chris Murray (Monostatos), Martin Mulders (Sklave/Tukan), Luzia Sahler (Dame 1), Madeleine Haipt (Dame 2), Elisa Rehlinger (Dame 3) u.a.

Aufmacherfoto: Michael Böhmländer

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