
Feuchtfröhliche Unterhaltung mit „Non(n)sens“
Sommer ist Open-Air-Festspielzeit und besonders lauschig ist es im Hof der Burg Brattenstein bei Käsewürfeln und einem Schoppen fränkischen Weins. Dazu bekommt man dieses Jahr die Musical-Comedy „Non(n)sens“ gereicht.
Seit nunmehr 40 Jahren unterhalten die fünf Nonnen mit ihrer „Theater im Theater“-Show das Publikum, um Spendengelder für die restlichen Bestattungen der Ordensschwestern zu sammeln, die einer verdorbenen „Bouilla-bäh-sse“ anheimgefallen sind. In der Inszenierung von Dietmar Horcicka wird, wie es das Stück vorsieht, die vierte Wand durchbrochen und das Publikum mit eingebunden. Beispielsweise in Form von vorgegebenen Jubel- und Klatschperformances, einer Abfrage der Gäste-Konfessionen oder einem Quiz, bei dem es Kleinigkeiten zu gewinnen gibt. Gleich zu Beginn des Stücks „entschuldigt“ sich die Mutter Oberin für das Bühnenbild (Stefan Mock), eine nächtliche Rankenszenerie mitsamt Sternenhimmelprospekt, die für die ebenfalls während der Festspiele laufende Operette „Frau Luna“ entworfen wurde. Mit kleinen Details wie einem Papst-Portrait, einem Kruzifix, einen beweglichen Altar, den man zur Bar umfunktionieren kann, und einer Jukebox nimmt die Show, die im Stück bewusst amateurhaft wirken soll, eine authentische Gestalt an. Dass die Mutter Oberin vor der Bestattung aller durch Lebensmittelvergiftung verstorbener Nonnen lieber in einen Beamer investiert hat, zahlt sich jedenfalls aus, wenn wir ein Kurzvideo einer lokalen Winzertour der Klosterschwestern präsentiert bekommen, inklusive Verweis auf die in der Stadt verteilten „Aperolgasse“-Straßenschilder.
Unter der musikalischen Leitung von Rudolf Hild spielt die kleine, aber feine Band hochmotiviert auf und sorgt für beschwingte Sommerlaune, während auf der Bühne zur Abwechslung mal ein reines Frauenensemble Raum einnehmen darf. Und diesen nehmen sich die fünf Hauptdarstellerinnen mit Verve. Als Mutter Oberin Maria Regina changiert Safak Pedük hervorragend zwischen strenger Ordensvorsteherin, Seiltänzerin im Herzen und entfesselter Frau im Drogenrausch. Souverän regiert sie das Bühnengeschehen und improvisiert auch gekonnt während des bei der besuchten Vorstellung plötzlich auftretenden Wolkenbruchs. Von der Regenunterbrechung kurz vor der Pause lässt sich auch Nina Basten in der Rolle der Schwester Maria Hubert nicht aus der Fassung bringen. Mit ihrem besonderen Stimmtimbre verleiht sie ihrer Rolle eine eigene Note und überzeugt besonders auch in den bluesigen Songs.
Sina Louise Dieterle als Schwester Robert Anne beklagt zurecht ihr Dasein als Zweitbesetzung, denn sie bereichert genauso wie ihre Mitschwestern den Abend mit ihrer Interpretation. Für die meisten Lacheinlagen ist Schwester Maria Amnesia, verkörpert durch Lasarah Sattler, verantwortlich. Hervorragend spielt sie die vergessliche und tollpatschige Schwester, die sich nicht an ihren Lottogewinn – den Deus ex Machina – erinnern kann. Man nimmt ihr die Rolle zu jeder Zeit ab; brillant ist auch, wie sie bei ihrer Puppenspiel-Einlage in Millisekunden von naiv-hoher Stimmstellung zu sonoren Ausbrüchen schamloser Flegeleien wechselt. Als Schwester Maria Leo haucht Marie-Sophie Weidinger dem Abend liebenswert Leben ein: Sie singt und tanzt sich bravourös in die Herzen des Publikums und ist auch am Bühnenrand bemerkenswert, reagiert sie doch mit Mimik und kleinen Gesten stets humoristisch auf das Geschehen.
Gewiss, man muss den speziellen Humor dieses Stücks mögen, schließlich ist das Werk auch nicht mehr das jüngste. Jedoch sind es vor allem die unterschiedlichen Stimmfarben der fünf Darstellerinnen, die sich hervorragend ergänzen und so durch den Abend und manche Längen tragen. Sie hauchen den Figuren den nötigen Charme ein, um über manch abgenutzten Flachwitz hinwegsehen und den lauen Sommerabend in herrlicher Kulisse bei Käse und Wein genießen zu können.
Musikalische Leitung: Rudolf Hild • Regie: Dietmar Horcicka • Choreografie: Sabine Barthelmess • Bühne: Stefan Mock • Kostüme: Sarah Grace Pöhlmann • Licht: Christoph Pöschko • Sounddesign: Anna Harandt • Mit: Safak Pedük (Schwester Maria Regina (Mutter Oberin)), Nina Basten (Schwester Maria Hubert), Sina Louise Dieterle (Schwester Robert Anne), Lasarah Sattler (Schwester Maria Amnesia), Marie-Sophie Weidinger (Schwester Maria Leo)
Aufmacherfoto: Kristin Dierolf




