Pressebild Himmel und Koelle Credit ThomasBrill 02 | MUSICAL TODAY

Himmel und Kölle

Drink doch ene mit!

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Venue
apiro Entertainment (Volksbühne am Rudolfplatz)
by
Andreas Schnermann (Musik)
Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob (Buch)
Direction
Gil Mehmert
World premiere
2020

Es heißt wieder „Himmel und Kölle“

Eigentlich war „Himmel und Kölle“ schon vor fünf Jahren angetreten, um den Musical-Standort Köln aus seinem Dornröschenschlaf zu befreien. Selbst der einst mit innovativen Produktionen gestartete Musical Dome begnügt sich in der selbsternannten Medienmetropole am Rhein mittlerweile mit zwar aufwendig inszenierten, aber letztlich belanglosen Jukebox-Musicals à la „Moulin Rouge“.

Vier Vorstellungen nach der Uraufführung von „Himmel und Kölle“ im Oktober 2020 schlug Corona gnadenlos zu: Die Kölner Volksbühne musste erstmal ihre Pforten schließen. Nun kommt das Musical – mit teilweise neuer Besetzung – bereits zum zweiten Mal zurück an das ehemalige Millowitsch-Theater. Das vom Autoren-Erfolgsduo Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob (u.a „Stromberg“ und die gerade verfilmte Theater-Komödie „Extrawurst“) geschriebene Stück wurde durch die Kompositionen des Jazzmusikers Andreas Schnermann zum Musical „aufgefrischt“: mit Songs, die zwar nicht gerade Ohrwurm-Qualität erreichen, aber der schlichten Geschichte einen adäquaten, durchaus unterhaltsamen Rahmen geben.

Und so begleiten wir den jungen Priester Elmar (Markus Schneider) aus der schwäbischen Provinz in die brodelnde Rhein-Metropole, in die ihn sein Vorgesetzter („Wir schicken immer unsere Besten nach Köln“) entsandt hat. Mit diesem Verweis auf den „unfehlbaren“, aktuellen Bischof Woelki hat man das Publikum sofort um den Finger gewickelt. Das soll sich während des Abends noch steigern, wenn der ganze Saal das „Kölner Echo“ gibt und inbrünstig „Drink doch ene mit“ anstimmt oder sich für die Hymne des 1. FC Köln von seinen Sitzen erhebt. Doch bis dahin gibt es noch einige Problemknoten zu lösen: Gerade angekommen, trifft Elmar Kathy (Nadine Kühn), die ihren Junggesellinnenabschied feiert und festgestellt hat, dass sie von einem Seitensprung schwanger ist. Wie soll sie das ihrem Verlobten Mattes (Raphael Grosch) erklären? Elmar bietet sich als Seelentröster an – und gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem zukünftigen Ehemann, um ihm den Fehltritt zu beichten.

Auf ihrem nächtlichen Streifzug zu Köln lernt Elmar sein neues Arbeitsumfeld kennen: die Eisenbahnbrücke mit ihren Liebesschlössern, eine Shisha-Bar mit ihren (allzu klischeehaft geratenen) türkischen Gästen, den umstrittenen Party-Hotspot Brüsseler Platz und die Kultkneipe „Hallmackenreuther“, in der Elmar sein erstes Kölsch („Sie wollen kein Bier? Kein Problem, wir haben auch Peters Kölsch“) trinkt. Wir begegnen einem sächselnden Taxifahrer (Malte Fuhrer), der schier an Köln verzweifelt, weil man hier nicht links abbiegen kann, der jecken Pfarrhaushälterin Moni (Janina Keppel), die alle Probleme mit einem Karnevalsschlager löst („Dat ruckelt sich zurecht“), sowie Mattes’ Freund „Schwaadlappe“ (Florian Sigmund), der sein eigenes, gar nicht kumpelhaftes Süppchen kocht. Dass bei dieser kölsch-katholischen Melange ein ganz besonderes Happy End herauskommt, versteht sich von selbst!

Obwohl man mit Gil Mehmert einen der profiliertesten Musical-Regisseure im deutschsprachigen Raum für die Inszenierung gewinnen konnte, kann er die inhaltliche wie musikalische Zweitklassigkeit des Stücks nur mit seiner präzisen Darstellerführung etwas abfangen – sie erlaubt seinem spielfreudigen Ensemble ein genaues Pointen-Timing. Die zwischen Pop, Karnevalsschlagern, Balladen und Uptempo-Nummern angesiedelten Songs können sich trotz der gesanglichen Qualitäten der Beteiligten oft nicht so richtig entfalten, weil die allzu schmale Bühne einfach ungeeignet für Tänze ist und Choreografin Yara Hassan auch kein Gegenmittel dafür gefunden hat. Lediglich ihr Kollege Bernd Paffrath bringt mit seiner hinreißenden „Skelett“-Steppnummer wenigstens einen Hauch von Broadway nach Köln.


Music Supervision: Jürgen Grimm • Musikalische Leitung: HC Petzoldt • Regie: Gil Mehmert • Choreografie: Yara Hassan • Stepptanzchoreografie: Bernd Paffrath • Bühne: Gil Mehmert und Julie Wiesen • Kostüme: Judith Peter • Videodesign: Delil Aziz • Licht: Michael Grundner • Sounddesign: Stehan Mauel • Mit: Markus Schneider (Elmar), Nadine Kühn (Kathy), Janina Keppel (Moni), Raphael Grosch (Mattes), Florian Sigmund (Schwaadlappe), Malte Fuhrer (Taxifahrer), Sharon Isabelle Rupa (Jenny), Jana Luisa Band (Meike), Kalle Pohl (Köbes)

Aufmacherfoto: Thomas Brill

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