NO WAY TO TREAT A LADY GoeklueJubeliusSoyka FOTO Kreft DSC07266 | MUSICAL TODAY

No Way to Treat a Lady

Mordsspaß

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Venue
Theater Paderborn
by
Douglas J. Cohen (Musik, Buch und Liedtexte)
Holger Hauer (Deutsche Fassung)
Direction
Eric Rentmeister
World premiere
1987

Schwarzer Humor und darstellerische Schwerstarbeit für „No Way to Treat a Lady“

Zuerst einmal wundert man sich, dass das von Douglas J. Cohen geschriebene und komponierte Musical „No Way to Treat a Lady“, das 1987 am Off-Broadway seine Premiere feierte, nach der deutschen Erstaufführung 2000 in Saarbrücken hierzulande völlig in Vergessenheit geriet. Denn das nach dem gleichnamigen Roman des preisgekrönten Hollywood-Drehbuchautoren William Goldman entstandene Kammermusical eignet sich nicht nur für kleine Spielstätten, sondern kann durchaus auch auf großen Bühnen seine Reize entfalten. Vorausgesetzt, es fällt in künstlerisch innovative Hände, wie jetzt am Theater Paderborn in die des Regisseurs und Choreografen Eric Rentmeister und seines Ausstatters Stephan Prattes.

Die beiden schicken ihre vier Protagonisten in knallbunten, pastellfarbenen Kostümen auf eine durch einen halbrunden, weißen Vorhang eingegrenzte, leere Spielfläche. Darauf fährt die Drehbühne dann immer wieder wie aus einem Kinder-Bilderbuch ausgestanzt wirkende, zweidimensionale Requisiten: mal ein Bett, eine Tür, einen Schrank oder eine Couch. Im ersten Moment wirken sie nur wie hübsch anzusehendes Dekor, doch dann werden sie ab und zu durch dreidimensionale Überraschungs-Effekte zu Gebrauchsgegenständen.

So werden die Augen ständig verwöhnt, während sie dem bizarren Spiel folgen. Irgendwo im New York der 60er Jahre leben zwei Stadtneurotiker, der Detektiv Morris Brummel (Florian Soyka) und der arbeitslose Schauspieler Christopher „Kit“ Gill (Fehmi Göklü). Beide haben eins gemeinsam: Sie leiden unter ihrer Mutter-Beziehung. Kit wird noch aus dem Jenseits von seiner verstorbenen Mama Alexandra, einer einst gefeierten Schauspielerin, als Versager abgestempelt. Der Mittdreißiger Morris lebt dagegen bei seiner verwitweten Mutter Flora (Claudia Dilay Hauf), die ihm ständig seinen ungleich erfolgreicheren Bruder vorhält. Und beide träumen davon, auf der Titelseite der „New York Times“ zu stehen: Kit als Serienmörder, der immer wieder in andere Rollen vom Pfarrer bis zum Tanzlehrer schlüpft, um sein schauspielerisches Talent zu beweisen – und Morris als der, der ihn zur Strecke gebracht hat. Warum also nicht gemeinsame Sache machen, denkt sich Kit und bezieht Morris durch Telefonate und Psychospielchen immer mehr in seine Morde ein. Als Morris dann während seiner Ermittlungen die Galeristin Sarah (Marlene Jubelius) kennen und lieben lernt, gerät die ins Visier von Kit …

Das Musical-Allroundtalent Eric Rentmeister (Regisseur, Choreograf, Schauspieler) führt sein vierköpfiges Ensemble – in dem Claudia Dilay Hauf auch in die Rolle von Kits Mutter und die seiner Opfer schlüpft – mit sicherer Hand durch die schwarzhumorige Geschichte, die manchmal, trotz aller schrill-bunten Kostüme, an Hollywoods Film noir erinnert. Besonders wenn Florian Soyka überzeugend den biederen Cop und ungelenken Verliebten gibt, denkt man unweigerlich an all die Trenchcoat-Detektive der 40er Jahre. Marlene Jubelius lässt ihre Liebe dagegen mit natürlichem Charme erblühen. Auch Claudia Dilay Hauf und Fehmi Göklü meistern ihre darstellerische Schwerstarbeit – müssen sie doch mehrere Figuren zum Leben erwecken – mit Bravour. Dem Mörder alias Fehmi Göklü gönnt Rentmeister dazu noch ein kleines, aber feines Tänzchen im Bob-Fosse-Stil. 

Geadelt wird dieser überaus unterhaltsame Abend von den witzigen Dialogen, pointierten Songtexten und den eingängigen, zwischen Jazz, Balladen und Walzer angesiedelten Melodien von Douglas J. Cohen; sie verleugnen ihre klassischen Vorbilder von Gershwin über Porter bis hin zu Sondheim nicht, kopieren sie aber nie. Den guten Ton dazu liefern Peter Andreas Stolle und seine Combo mit Keyboards, Saxophonen, Bass und Schlagzeug. Der extra zur Premiere aus den USA angereiste Komponist ist voll des Lobes über diese kongeniale Inszenierung, dem begeisterten Publikum der „Zugabe“-Schrei förmlich von den Lippen abzulesen.


Musikalische Leitung: Peter Andreas Stolle • Regie und Choreografie: Eric Rentmeister • Ausstattung: Stephan Prattes • Licht: Marcus Krömer • Sounddesign und Video: Till Herrlich-Petry und Lars Henrik Meyer • Mit: Fehmi Göklü (Christopher „Kit“ Gill), Florian Soyka (Morris Brummel), Marlene Jubelius (Sarah Stone), Claudia Dilay Hauf (Flora Brummel/Alexandra Gill/Mrs. Alice Sullivan/Carmella Tocci/Sadie Bellows)

Aufmacherfoto: Tobias Kreft

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