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Come From Away

Die Welt zu Gast in Gander

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Venue
Stageink (Stagies Berlin e.V.)
by
Irene Sankoff und David Hein (Musik, Buch und Liedtexte)
Sabine Ruflair (Deutsche Fassung)
Direction
Matthias Busch
World premiere
2015

„Come From Away“ erinnert an ein außergewöhnliches Kapitel der jüngeren Zeitgeschichte

Zu den Anschlägen vom 11. September 2001 scheint 25 Jahre später alles gesagt – kaum ein Ereignis hat dieses Jahrhundert so nachhaltig geprägt. Insbesondere die Aufnahmen von Ground Zero und dem zerstörten Pentagon haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Doch gibt es auch in dieser Katastrophe weniger erzählte, hoffnungsmachende Ereignisse, die hinter jenen Schreckensbildern oft zurückbleiben. Im 2015 in Kalifornien uraufgeführten und später an den Broadway transferierten Musical „Come From Away“ von Irene Sankoff und David Hein werden eben jene Geschehnisse und Geschichten gewürdigt, die im Zeichen des Desasters von Menschlichkeit und Vertrauen künden. Sein globaler Erfolg hat das Stück nun vom Hudson an die Spree gespült, wo es vom Verband Stagies Berlin e.V. in der deutschen Fassung von Sabine Ruflair für kurze Zeit am Centre Français de Berlin in einer beachtenswerten Inszenierung von Regisseur Matthias Busch zu sehen ist.

In Gander, einer Kleinstadt an der zivilisatorischen Peripherie auf Neufundland, herrscht am Morgen des 11. September 2001 zunächst Alltagsbetrieb: Die Schulen nehmen nach den Ferien wieder Betrieb auf, währenddessen beginnen die Busfahrer einen Streik und der lokale Polizist ahndet eifrig Geschwindigkeitsverstöße. Noch wissen die Inselbewohner nicht von den Anschlägen im über 1.000 Meilen entfernten New York und dass nach der Schließung des US-amerikanischen Luftraums bereits mehr als drei Dutzend Flugzeuge Kurs auf ihren Inselzipfel im nördlichen Atlantik genommen haben, um außerplanmäßig notzulanden. Kurz darauf sind die Kleinstädter mit der Herausforderung konfrontiert, tausende gestrandete Touristinnen und Touristen aus aller Welt für einige Tage zu versorgen. Während des globalen Ausnahmezustandes gelingt den Menschen von Gander Bemerkenswertes: Mit entschiedener Selbstverständlichkeit umsorgen sie die Ankömmlinge und bieten ihnen in verunsichernden Zeiten ein sicheres Heim.

In der Berliner Inszenierung gelingen dem Kreativteam unter Leitung von Matthias Busch, der auch selbst auf der Bühne steht, gleich mehrere Dinge hervorragend: Der Plot wird packend, in schnellen Schnitten erzählt, ohne überhastet daherzukommen, und die insgesamt 14 Darstellerinnen und Darsteller füllen den Bühnenraum des Centre Français mühelos aus. Sie entwickeln damit jene kollektive Energie, von der das Musical, in dem das Ensemble gleichsam der Protagonist ist, lebt. Dass bei all dem keine professionelle, sondern eine Amateurproduktion am Werk ist, gerät über weite Strecken beinahe in Vergessenheit. Sowohl gesanglich (Leitung: Hannah Savory), tänzerisch (Choreografie: Kate Greer) als auch schauspielerisch können die Mitwirkenden ab dem ersten Song, „Welcome to the Rock“, durchaus überzeugen. Die Band, unter dem Dirigat von Fabian Menzel, findet zwischen rockigen Rhythmen, irisch-neufundländischer Folklore und emotionalen Balladen dabei stets den richtigen Ton. Ein smarter Requisiteneinsatz erlaubt, wie auch in der Broadway-Vorlage, schnelle Szenenwechsel, wobei einige Videoeinblendungen auf der Bühnenrückseite weitere narrative Ebenen hinzufügen können (Requisite: Christine Milo / Bühne: Sven Edthofer, Matthias Busch und Lukas Bosse). Die Kostüme von Lukas Bosse fangen sowohl das neufundländische Lokalkolorit als auch Eigenheiten des internationalen Besuchs passend ein. In einer Gegenwart, die weiterhin von Angst, Polarisierung und Debatten über Zugehörigkeit geprägt ist, wirkt der Plot von „Come From Away“ auch heute aktuell. Das Musical verschweigt nicht erste Reflexe des Misstrauens, der Ausgrenzung und rassifizierten Diskriminierung. Und doch ruft es eindrücklich ins Gedächtnis, dass es alternative Handlungsmöglichkeiten zu Angst und Abschottung gibt. Die Berliner Inszenierung vermag das authentisch zu unterstreichen. Stagies Berlin e.V. gelingt damit ein Achtungserfolg.


Musikalische Leitung Band: Fabian Menzel • Musikalische Leitung Gesang: Hannah Savory • Regie: Matthias Busch • Choreografie: Kate Greer • Bühne: Sven Edthofer, Matthias Busch und Lukas Bosse • Kostüme: Lukas Bosse • Maske: Josephine Lichel • Mit: Sven Edthofer (Claude u.a.), Sophia Blume (Bonnie u.a.), Francesca Valetta (Beulah u.a.), Fidias Curiel (Oz u.a.), Daniel Wollförster (Doug u.a.), Josephine Lichel (Janice u.a.), Kae Fox (Annette u.a.), Chris Zieroth (Garth u.a.), Yasmina Giebeler (Diane u.a.), Felix Möbius (Nick), Matthias Busch (Kevin T. u.a.), Joël-Edmond Kenfack Nguetsop (Bob u.a.), Christine Milo (Hannah u.a.), Fitim Qenaj (Dwight u.a.)

Aufmacherfoto: Maurizio Pesce

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