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mrsdoubtfire foto 06 credit joshua a hoffmann | MUSICAL TODAY

Mrs. Doubtfire

Mit Herz, Humor und Hohler

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Venue
ATG Entertainment (Capitol Theater Düsseldorf)
by
Wayne Kirkpatrick und Karey Kirkpatrick (Musik und Liedtexte)
John O’Farrell und Karey Kirkpatrick (Buch)
Ruth Deny, Johannes Deny und Kevin Schroeder (Deutsche Fassung)
Direction
Jerry Zaks
World premiere
2019

„Mrs. Doubtfire“ – eine starke Show mit facettenreich-pointiertem Unterhaltungswert

Die Musicaladaption des Kino-Hits „Mrs. Doubtfire“ mit Robin Williams in der Hauptrolle wurde 2019 in Seattle uraufgeführt und feierte bereits am Broadway (2021) und im West End (2023) große Erfolge. Für die Inszenierung der deutschen Erstaufführung im Düsseldorfer Capitol Theater zeichnet dasselbe Kreativteam verantwortlich, das bereits die Produktionen in London und New York auf die Bühne brachte.

In der Regie von Jerry Zaks verwandelt sich Thomas Hohler zunächst in den erfolglosen Schauspieler Daniel Hillard, dem nach der Scheidung das Sorgerecht für seine drei Kinder entzogen wird. Das wöchentliche Besuchsrecht ist ihm und auch Lydia (Alina Simon), Chris und Natalie zu wenig, wie er vor Gericht beteuert („Ich wär gern da“). Der verzweifelte Vater kämpft leidenschaftlich, um die Beziehung zu seinen Kindern nicht auch noch zu verlieren: Er bewirbt sich, getarnt als Euphegenia Doubtfire, als Kindermädchen bei seiner Exfrau Miranda (Jessica Kessler). Das kann natürlich nicht gutgehen.

Das Gelingen der Show liegt maßgeblich an der grandiosen Interpretation der Titelrolle, die nicht zufällig als eine der anspruchsvollsten Partien ihres Genres gilt. Thomas Hohler, der in die Haut der älteren Dame Mrs. Doubtfire schlüpft, spielt hier vielleicht die Rolle seines Lebens. Nahezu das komplette Stück über beherrscht er das Bühnengeschehen, selbst seine Kostüm- und Rollenwechsel finden oft im Rampenlicht statt. Dies bedeutet, neben dem Tausch der Kleidung, das An- und Ablegen der Halbmaske und des Fatsuits sowie das Auf- und Absetzen der Perücke. Oft wechselt er sogar während des Umkleidens mehrfach von einer Rolle zur anderen. Mit Bravour stellt Hohler, stimmlich und im Spiel, seine enorme Wandlungsfähigkeit unter Beweis. Bereits in der ersten Szene bietet er als Daniel dem Aufnahmeleiter eines Tonstudios zahlreiche Stimmfarben an – von Benjamin Blümchen über Otto Waalkes bis hin zu Marcel Reich-Ranicki. Hohler gefällt nicht nur in den humorigen Momenten, sondern mit ganz leisen, emotionalen Tönen, die manchmal plötzlich explosiv werden. Mit hoher Emotionalität trifft er ins Herz, ohne den Erzählstoff zu verkitschen, und regt die Lachmuskeln des Publikums an, ohne sich in Albernheit zu verlieren. Er meistert sämtliche drastischen Stimmungswechsel und schafft es außerdem, das Ensemble tänzerisch in den anspruchsvollen Choreografien von Lorin Latarro anzuführen, so zum Beispiel auch steppend während „Easy Peasy“.

Doch auch der stärkste Protagonist kann nur glänzen, wenn alle Zahnrädchen einer Produktion schlüssig ineinandergreifen, sowohl auf als auch hinter der Bühne. Jessica Kessler gibt eine vielschichtige Miranda. Gesanglich und schauspielerisch berührt sie, indem sie den Verlust ihrer Liebe betrauert („So ist Daniel“, „Lass los“) und glaubhaft den Bogen bis hin zu einer versöhnlichen Haltung nachzeichnet. Alina Simon beeindruckt in der Rolle von Lydia, der ältesten Tochter der Hillards, durch ihr feines Spiel („Einfach so tun“) und ihren emotionalen, kraftvollen Gesang („Was für’n Scheiß“). Ihre meisten Szenen spielt sie mit den beiden alternierenden Kinderdarstellern, ohne diese jedoch zu überstrahlen. Simon spielt rührend den Teenager mit Hang zur Parentifizierung, harmoniert wunderbar mit ihrer Bühnenfamilie und erscheint buchbedingt als diejenige, die die Familie zusammenhält. Das Ensemble ist bis in die kleinste Rolle hervorragend besetzt und gestaltet jede Szene mit viel Power und Spielfreude.

Bühnendesign (David Korins) und Kostüme (Catherine Zuber) sind das exakte Abbild der Londoner und New Yorker Produktionen. Die achtköpfige Band spielt die abwechslungsreiche Partitur aus der Feder von Wayne und Karey Kirkpatrick durchgehend stimmungsvoll aus dem Off ein. Es gibt nichts, was an dieser Inszenierung nicht geglückt wäre!


Music Supervision: Ethan Popp • Musikalische Leitung: Joe Schmitz • Regie: Jerry Zaks • Choreografie: Lorin Latarro • Bühne: David Korins • Kostüme: Catherine Zuber • Licht: Philip S. Rosenberg • Haardesign: David Brian Brown • Mit: Thomas Hohler (Mrs. Doubtfire/Daniel Hillard), Jessica Kessler (Miranda Hillard), Alina Simon (Lydia Hillard), Nicolas Tenerani (Frank Hillard), Malick Afocozi (Andre Mayem), Tamara Wörner (Wanda Sellner), Christian Funk (Stuart Dunmire), Mika (Christopher Hillard), Greta (Natalie Hillard) u.a.

Aufmacherfoto: Joshua A. Hoffmann

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