PB ArtusSG260304213 StephanGlagla | MUSICAL TODAY

Artus – Excalibur

Licht und Schatten

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Ort
Theater Osnabrück
VON
Frank Wildhorn (Musik)
Ivan Menchell (Buch)
Robin Lerner (Liedtexte)
Nina Schneider (Deutsche Fassung)
Direction
Oliver Klöter
World premiere
2014

Wildhorns „Artus“ überzeugt nur teilweise

Bühne und Kostüme von Darko Petrovic sind dunkelgrau, in Oliver Klöters Inszenierung erleuchtet oft nur ein weißer Scheinwerfer die Darstellerinnen und Darsteller. Einige Bühnenteile, die vermutlich das zerstörte Schloss Camelot andeuten, sind meistens in weißes Licht getaucht. Lediglich Morgana erscheint in dunkelrotem Samt. Leider lässt sich der gesamte Abend so schildern: eine Reihe von Highlights und doch zu viele verschenkte Momente …

Kennt man die Original-Inszenierung von 2014 aus St. Gallen oder beispielsweise die Tecklenburger Produktion zwei Jahre darauf, erinnert man sich in „Artus – Excalibur“ gerne an die Frank-Wildhorn-typischen Bombast-Balladen und großen Chorszenen, getragen von einem großen Orchester mit „vollem Besteck“. In Osnabrück scheint die Tonanlage an ihre Grenzen zu kommen – Ensembleszenen ertrinken im Orchester, das wiederum zu oft die volle Wucht vermissen lässt. Seong-Bin Oh, der musikalische Leiter, legt bei einigen Stücken ein viel zu hohes Tempo vor, sodass die Menschen auf der Bühne kaum nachkommen, ihre Silben unterzubringen. Auf die typischen Tempi-Wechsel in den großen Balladen wird mehrheitlich verzichtet. So verhallt die Showstopper-Nummer „Morgen triffst du den Tod“ im zweiten Akt und wird nur mit kurzem, freundlichen Applaus bedacht, während „Begehren“, das entscheidende Duett von Merlin und Morgana, mit einzelnen peinlichen Klatschern aus dem Publikum das Low-Light des Abends ist.

Das Highlight dagegen sind die Studierenden der Hochschule Osnabrück: Diesen neun jungen Leuten sieht man ihre Spielfreude und Energie geradezu an. Allen voran sind Anton Pallaske als Lot von Orkney und Valentin Thunig als Sir Gareth zu nennen. Die beiden wird man sicherlich bald auf anderen Bühnen in größeren Rollen sehen.

Ansonsten setzt sich das Ensemble aus Opernsängern des Hauses und Gästen aus dem Musical-Bereich zusammen. Angeführt wird die Cast vom Gast Jannik Harneit, der sich als Artus im Laufe des Abends frei spielt. Wenn es auf das düstere und in Ansätzen hoffnungsvolle Ende zugeht, ist man ganz bei ihm und spürt, warum er Guinevere verzeiht. Diese wird vom Ensemblemitglied Susanna Edelmann verkörpert und harmoniert sehr gut mit Harneit. Edelmann beweist im Laufe des Abends, was für eine nuancierte Darstellerin sie ist. Ihre klassische Stimme passt hervorragend zur Rolle, am Ende bekommt sie den meisten Applaus.

Die andere weibliche Hauptrolle liegt in den Händen von Daniela Tweesmann: Morgana kämpft um ihr Recht, Königin zu sein, und dabei sind ihr alle Mittel recht – sie macht weniger Entwicklungen durch. Gerade die Höhen, die mit voller Kraft gebeltet werden müssen, liegen ihr nicht so gut, auch hier vermisst man die volle Wucht der Wildhorn-Balladen. Das bereits erwähnte „Begehren“ singt sie gemeinsam mit Merlin-Darsteller Jan Friedrich Eggers. Man muss sich zugegebenermaßen erst an seinen klassischen Bariton gewöhnen, wenn man die bekannten Musical-Darsteller im Ohr hat, doch meistert er seinen Part ansonsten wunderbar. Lediglich das Duett mit Tweesmann misslingt, zumal die beiden es im hinteren Teil der Bühne aufeinander liegend singen müssen – das ist szenisch und musikalisch leider verschenkt. Ein Treffer auf ganzer Linie ist dafür Lanzelot-Darsteller Vikrant Subramanian. Mit hoher Präsenz gestaltet er überzeugend die unbedingte Freundschaft zu Artus, die zunächst unerfüllte Liebe zu Guinevere und seine daraus resultierende innere Zerrissenheit. So wird auch sein Song „Nur sie allein“ zu einem herausragenden Moment des Abends.

Lohnt sich nun ein Besuch oder nicht? Es ist schön, das zu selten gespielte Stück wiederzusehen, jedoch werden nicht alle Erwartungen erfüllt. Licht und Schatten eben, wie an König Artus’ Hof.


Musikalische Leitung: Seong-Bin Oh • Regie: Oliver Klöter • Fecht- und Kampfchoreografie: Jean-Loup Fourure • Choreografie: Sabrina Stein • Ausstattung: Darko Petrovic • Licht: Ingo Jooß • Sounddesign: Jan van Triest • Choreinstudierung: Sierd Quarré • Dramaturgie: Juliane Piontek • Mit: Jannik Harneit (Artus), Susanna Edelmann (Guinevere), Vikrant Subramanian (Lanzelot), Jan Friedrich Eggers (Merlin), Daniela Tweesmann (Morgana), Mark Hamman (Ector), Anton Pallaske (Lot von Orkney), Valentin Thunig (Sir Gareth/Dorfbewohner), Vincent Debusch (Priester), Fee Michelle Stosch (Mutter Oberin/Dorfbewohnerin), Anton von Mansberg (Lucan/Ritter), Hendrik Krah (Tristan), John Janzen (Bedwyr/Uther Pendragon), Frida Flohr (Kay/Igraine/Dorfbewohnerin), Daniel Bölte (Lamorac) u.a. • Opernchor und Statisterie des Theater Osnabrück • Osnabrücker Symphonieorchester

Aufmacherfoto: Stephan Glagla

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