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Jesus Christ Superstar

Judas Ischariot Superstar

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Venue
Theater Pforzheim
by
Andrew Lloyd Webber (Musik)
Tom O’Horgan (Buch)
Tim Rice (Liedtexte)
Direction
Markus Hertel
UraufführunG
1971

Wieder einmal wird „Jesus Christ Superstar“ von Judas dominiert

Als im Oktober 1970 das Konzeptalbum „Jesus Christ Superstar“ auf dem Markt erschien, machte es seinen Komponisten, den damals zweiundzwanzigjährigen Andrew Lloyd Webber, über Nacht berühmt. Und trotz heftigsten Gegenwinds – vonseiten der Kirche ebenso wie von Seiten der akademischen Musikwissenschaft – fand bereits ein Jahr später die szenische Uraufführung statt und heute ist die Rockoper von den Bühnen der Welt nicht mehr wegzudenken. Auch in Pforzheim steht sie nach der Erstaufführung 2009 bereits zum zweiten Mal auf dem Spielplan.

Intendant Markus Hertel hat selbst die Regie übernommen und vertraut in erster Linie auf die Ausstrahlung der beiden Gegenspieler Jesus und Judas. Die schlichte Ausstattung von Steven Koop ermöglichte eindrucksvolle Tableaus mit einem bedrohlichen wirkenden Kreuz im Finale. Dass Jesus vom Publikum abgewendet gekreuzigt ist, nimmt der Szene jedoch einen Teil ihrer Wirkung. Ansonsten gibt es nur noch einen zweigeteilten Tisch als Auslage der Händler im Tempel und für das Abendmahl. Bei den Kostümen überwiegen bei den Jüngern und den Bewohnern Jerusalems weiße und beige Töne, Schwarz steht für Pilatus und die Priester, einen farbigen Kontrapunkt setzt nur das rotes Glitzerjackett von Herodes.

Das Ensemble, das völlig ohne Gäste auskommt, wird von Lilian Huynen als Judas angeführt. Die Besetzung des Judas mit einer Sängerin rief im Vorfeld einige Skepsis hervor, doch gerade dies erweist sich als genialer Einfall der Regie. Judas ist der Zweifler unter den Jüngern, im Gegensatz zu den anderen bewundert er Jesus nicht nur, sondern er hat auch ganz konkrete Erwartungen an den Nazarener. Die Regie zeigt ihn als androgynen Albino, der fast immer abseits der anderen Jünger steht und zudem mit Maria Magdalena um den Einfluss auf Jesus zu konkurrieren scheint. Lilian Huynen spielt diesen totalen Außenseiter grandios und fasziniert mit stimmlichem und körperlichem Totaleinsatz.

Und wieder einmal zeigt sich, wie schwierig es ist, einem überragenden Judas einen ebenso überzeugenden Jesus gegenüberzustellen. Zu vielschichtig ist die Rolle des innerlich zerrissenen Verräters, Jesus kann da allenfalls gesanglich Paroli bieten. In den intimeren Momenten, etwa in „Gethsemane“, gelingt dies Santiago Bürgi auch gut. Weniger überzeugen kann die nicht immer perfekte Verblendung zwischen Brust und Kopfstimme sowie der eher aufgesagt wirkende Dialog. Besonders das Finale mit „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist“ und „Es ist vollbracht“ geht viel zu wenig unter die Haut. Auch seine Doppelfunktion als Anführer einer „Hippie-Clique“ und als sendungsbewusster Gottessohn wirkt etwas zu undifferenziert.

Elisandra Melián ist eine überzeugende Maria Magdalena, Felipe Rojas Velozo gefällt als Pontius Pilatus und Philipp Werner macht aus Herodes’ Song das gewohnte Kabinettstückchen. Markus Wessiack (Kajaphas) und Dirk Konnerth (Hannas) sind zwei sonore Hohepriester und Ingo Wagner singt einen hinreißenden Simon Zelotes.

Ein besonderes Lob geht an den Dirigenten Philipp Haag, der nicht nur die Rockinstrumente und die klassischen Instrumente zu einem faszinierenden Gesamtklang verschmilzt, sondern auch die Lautstärke in angemessenen Grenzen hält. Warum anstelle der bekannteren und singbareren Übersetzung von Anja Hauptmann die neue Fassung von Timothy Roller gewählt wurde, bleibt indes offen. Zudem darf das Werk als so bekannt gelten, dass man sich durchaus auch für den englischen Originaltext hätte entscheiden können. Lange anhaltender Beifall des begeisterten Publikums.


Musikalische Leitung: Philipp Haag • Regie: Markus Hertel • Choreografie: Mar Rodríguez Valverde • Bühne und Kostüme: Steven Koop • Licht: Michael Borowski • Chorleitung: Johannes Berndt • Mit: Santiago Bürgi (Jesus von Nazareth), Elisandra Melián (Maria Magdalena), Lilian Huynen (Judas Ischariot), Felipe Rojas Velozo (Pontius Pilatus), Markus Wessiack (Kajaphas), Dirk Konnerth (Hannas), Philipp Werner (Herodes), Bernhard Meindl (Petrus), Ingo Wagner (Simon Zelotes), Steffen Fichtner, Karel Pajer, Lukas Schmid-Wedekind (Priester), Jon Geoffrey Goldsworthy (Jakobus der Ältere), Franziska Fait, Sophia Klemisch, Dorothee Böhnisch (Soulgirls)• Chor und Statisterie des Theaters Pforzheim • Tanztheater Pforzheim • Badische Philharmonie Pforzheim

Aufmacherfoto: Jochen Klenk

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