
„Falco meets Amadeus“ – zwei unvergessene Superstars
Wenn zwei österreichische Musikgenies aufeinandertreffen, die sich im echten Leben um gut zwei Jahrhunderte verpasst haben, darf es ruhig ein bisschen krachen. Mozart, der Wunderkind-Überflieger mit weißer Perücke, trifft Falco, den Pop‑Philosophen mit Hang zur Selbstinszenierung und Sonnenbrille. Da lässt sich’s ordentlich rocken – schließlich feierte Falcos Songklassiker „Rock Me Amadeus“ gerade seinen 40. Geburtstag. Für die spannende Zusammenführung ist die Salzburgarena der passende Ort – eine Uraufführung, mit der die Produzenten von COFO Entertainment und das bewährte Team hinter „Falco – Das Musical“ ihr Publikum förmlich elektrisieren, fast als wollten sie die österreichischen Musikgenies aus ihren Wiener Ruhestätten zupfen. Und irgendwie ist es auch so: Beide liebten den großen Auftritt, beide hatten ein Talent für Skandale, und beide wären vermutlich entzückt, wie viel Lärm man bis heute um sie macht.
Die Inszenierung setzt auf große visuelle Gesten, um Falcos Leben dramaturgisch nachzuerzählen: Projektionen, Lichtflächen mit barocken Elementen und Videoclip‑Ästhetik – dazu, in Echtzeit vor den kunstvollen Videoeinspielungen, frech-frivole Tanzeinlagen in stets auf die einzelnen Szenen und Songs zugeschnittenen Kostümen von Nicole Dannecker. So verwandelt sich die gesamte Bühne in ein lebendiges Musikvideo. Mal glitzert es wie in der 80er‑Jahre‑Disco, mal raschelt es wie im Prunksaal der Hofburg – und manchmal treffen sich beide Welten in einem Outfit, das sich Falco vermutlich sofort für ein eigenes Musikvideo geborgt hätte. Die Choreografien von Amy Share-Kissiov spielen gekonnt mit Übertreibung und Extravaganz, Erotik und einer guten Portion Selbstparodie, ohne je ins Geschmacklose zu rutschen.
Die Falco-Fans fühlen sich in die prägnanten Ereignisse entlang seiner Lebens- und Erfolgsgeschichte hineingebeamt, die sich auf der Bühne wie ein Flashback unter Drogen entrollt: Aufstieg und Fall, seine exzessiven Ausschweifungen mit Alkohol und Drogen, sein gestörtes Verhältnis zu Frauen, sein ewiger Kampf mit sich selbst und sein Ringen um Anerkennung und Liebe – sowohl als Künstler wie auch als Mensch.
Eine fünfköpfige Liveband huldigt Falcos Vermächtnis und liefert einen druckvollen, gut ausbalancierten Sound – Rückenwind für die bekannten Hits, die von Alexander Kerbst dermaßen gut gesungen und performt werden, dass man glauben könnte, Falco sei wiederauferstanden. Optisch wie aus der Reber-Mozartkugel-Schachtel entstiegen, feuert Michael Konicek als Amadeus kindisch, manisch, manchmal frivol und ordinär die Szenerie an. Da gibt es viel zu lachen: Zwischen Genie und Wahnsinn sind die beiden Brüder im Geiste – kompromisslos, selbstzerstörerisch, unvergesslich und zum Gernhaben verrückt. Das bringt den völlig entnervten Manager Falcos schier um den Verstand: Sebastian Achilles tritt sowohl als kommentierender Erzähler als auch im direkten Spiel mit Falco auf. Herausragend, gesanglich wie tänzerisch, sind als fiktive Frauenfiguren in Falcos Leben Stefanie Kock als Ana Conda – Falcos weibliches Verderben, einnehmend wie eine Giftschlange mit tödlichem Biss – und Anna-Sophie Weidinger als Jeanny; sie steht für das reine, brave und zuverlässig Liebende und scheitert krachend in ihrem Versuch, den Geliebten vor sich selbst zu schützen.
„Falco meets Amadeus“ – das rockt ohne Ende: ein wunderbares Wiedersehen mit einem durch sein Lebenswerk unsterblich Gewordenen und eine energie- und kunstvolle Wiederbelebung seiner Hits.
Musikalische Leitung: Thomas Rabitsch • Bandleader: Max Tschida • Regie: Stefan Warmuth • Choreografie: Amy Share-Kissiov • Kostüme: Nicole Dannecker • Mit: Alexander Kerbst (Falco), Stefanie Kock (Ana Conda), Anna-Sophie Weidinger (Jeanny), Sebastian Achilles (Manager), Michael Konicek (Amadeus)
Aufmacherfoto: Karin Haselsteiner




