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Romeo & Julia

Klassiker goes Jukebox

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Venue
Das Da Theater (Open-Air-Bühne Burg Wilhelmstein)
by
Jukebox-Musical
Bühnenfassung von Maren Dupont nach der Tragödie von William Shakespeare
Direction
Maren Dupont
World premiere
2026

„Romeo & Julia“ rockt mit bekannten Songs

Im vergangenen Jahr hatte Intendant Tom Hirtz mit Frank Wedekinds „Frühlings Erwachen“ schon einmal die zeitlosen Qualitäten eines Theater-Klassikers erkannt und die Musicalfassung auf der idyllischen Freiluftbühne der Burg Wilhelmstein vor den Toren Aachens inszeniert. Diesmal entschied man sich für William Shakespeares „Romeo und Julia“. Das wohl berühmteste Liebespaar der Weltliteratur hat seit seiner Geburt im Jahr 1597 schon in vielen Künsten seine Spuren hinterlassen: in der Literatur bei Gottfried Keller („Romeo und Julia auf dem Dorfe“, 1856), in der klassischen Musik als Oper von Charles Gounod (1867) und Ballett von Sergej Prokofjew (1938). Der Film bediente sich dutzende Male des Stoffes, angefangen von den großen Stummfilmregisseuren Georges Méliès (1902) und Ernst Lubitsch (1920) bis hin zu den modernen Verfilmungen von Franco Zeffirelli (1968) oder Baz Luhrmann (1996). Da wollte das Musical nicht hintanstehen: Jerome Robbins und Leonard Bernstein schufen mit der „West Side Story“ (1957) eine zeitgemäße Interpretation des Originals – und erschlossen damit dem Genre, aber auch dem „Schwan von Stratford-upon-Avon“ neue, jugendliche Zuschauerschichten.

Wie also dem Stoff neue Reize abgewinnen, fragten sich Tom Hirtz und Regisseurin Maren Dupont – und entschieden sich für jenen „buckligen Verwandten“ des Genres, der immer mehr die Musicallandschaft untergräbt: das Jukebox-Musical. So verkommen Shakespeares Verse zum Stichwortgeber für die „Showauftritte“ der Darstellerinnen und Darsteller, die – mehr oder weniger passend zur Handlung – Songs von Eminem („Lose Yourself“), Dusty Springfield („Wishin’ and Hopin’“), Michael Jackson („The Way You Make Me Feel“), Queen („Bohemian Rhapsody“), den Rolling Stones („Paint It, Black“) und anderen Rock- und Pop-Stars mit beeindruckender Stimmgewalt zum Besten geben. Einfühlsam begleitet werden sie von der durch Christoph Eisenburger geleiteten vierköpfigen Live-Band.

Die empathische Performance sämtlicher Beteiligter lässt einen bisweilen vergessen, dass die Songs aufgesetzt wirken und nicht wie organisch in die Handlung integriert. Aus dem wie aus einem Guss spielenden, singenden und tanzenden Ensemble ragen Sarah Artley (Julia), Timo Aust (Romeo), Tobias Steffen (Ansager, Tybalt, Bruder Lorenzo) und Nicole Elisabeth Lehmann (Lady Capulet) zwar ein wenig heraus. Sie behalten aber immer – unterstützt von Maren Duponts feinfühliger Darsteller-Führung – das harmonische Zusammenspiel im Auge. Nur der Regie-Einfall, Jenny Friesecke mit angemaltem Bart in die Rolle von Romeos Freund Benvolio schlüpfen zu lassen, um das politisch korrekte Gender-Fähnchen hochzuhalten, wirkt da ein wenig peinlich.

Das dem elisabethanischen Globe Theatre nachempfundene Bühnenbild von Frank Rommerskirchen mit seinen im Halbrund aufgestellten, mehrstöckigen Stahlgerüsten fordert dem Ensemble geradezu artistische Leistungen ab und hält es immer in Bewegung, was der turbulenten Geschichte noch mehr Dynamik verleiht. Genau wie die flotten Choreografien von Eveline Gorter, die von der Regie im letzten Drittel des Stücks quasi in die Pause geschickt wird. So plätschert das Stück leider einem dramaturgisch nicht schlüssig erzählten Ende mit leichter Kitsch-Schieflage entgegen, das selbst auf den guten alten Shakespeare keine Rücksicht nimmt: Die Versöhnung der beiden Familien findet auf Burg Wilhelmstein nicht statt.


Musikalische Leitung: Christoph Eisenburger • Regie: Maren Dupont • Tanz-Choreografie: Eveline Gorter • Kampf-Choreografie: Mathias Kunzler • Bühne: Frank Rommerskirchen • Kostüme: Rebekka Rück und Nadine Dupont • Maske: Nadine Dupont • Licht: Marc Beckmann, Armin Pappert und Maren Dupont • Sounddesign: Jochen Baltes • Dramaturgie: Tom Hirtz • Mit: Sarah Artley (Julia), Timo Aust (Romeo), Tobias Steffen (Ansager/Tybalt/Bruder Lorenzo), Dennis Papst (Capulet/Mercutio), Nicole Elisabeth Lehmann (Lady Capulet), Anna van Grootel (Lady Montague/Zofe Capulets/Schwester Johanna), Nelly Bucholdt (Julias Amme/Simson), Jan Fritz Meier (Graf Paris/Diener Montagues), Jenny Friesecke (Benvolio), Anja Mathar (Fürstin)

Aufmacherfoto: Das Da Theater/Kris Borreck

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