Divertissementchen 2026 Szenenfoto 8 Stefanie Althoff | MUSICAL TODAY

E Levve för Kölle

Jläser huh un Kölle Alaaf!

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Bühnenspielgemeinschaft Cäcilia Wolkenburg im Kölner Männer-Gesang-Verein (Oper Köln)
von
Thomas Guthoff (Musik und Arrangements)
Jürgen Nimptsch (Buch)
Johannes Fromm, Jürgen Nimptsch und Manfred Schreier (Liedtexte)
Regie
Lajos Wenzel
Uraufführung
2026

Das „Divertissementchen“ feiert den 150. Geburtstag Konrad Adenauers

Dass im StaatenHaus, dem Ausweichquartier der Kölner Oper, einen Monat lang keine Opern gespielt werden, liegt einmal nicht am schon sprichwörtlich gewordenen „Bau-Desaster“ der städtischen Bühnen, sondern an einer Traditionsveranstaltung, die seit über 150 Jahren die Seele (nicht nur) der Kölnerinnen und Kölner verzückt: das „Divertissementchen“ – oder wie man in Köln zärtlich sagt, das „Zillchen“ der Bühnenspielgemeinschaft Cäcilia Wolkenburg im schon 1842 gegründeten Kölner Männer-Gesang-Verein. Da kommt es den sangesfreudigen Herren gerade recht, dass sich 2026 der Geburtstag des ehemaligen Kölner Oberbürgermeisters und späteren Bundeskanzlers Konrad Adenauer zum 150. Mal jährt, dem sie zusammen mit den Bergischen Symphonikern und der Westwood Slickers Band ein Geburtstagsständchen bringen: „Oh, wie is dat schön“, schallt es aus 111 wohlklingenden Männerkehlen in den enthusiastisch mitklatschenden und mitsingenden Zuschauerraum.

Und so fühlt man sich gleich wie im Kölner (Karnevals-)Himmel, der dann auch Schauplatz der Adenauer-Revue „E Levve för Kölle“ ist. Denn dort, über den Wolken, braut sich für das Geburtstagskind Unheil zusammen: Konrad Adenauer (Jürgen Nimptsch) soll nach 50 Jahren sein Kanzler-Himmelsbüro für seinen Nachfolger auf Erden, Ludwig Erhard (Stefan Bröcher), räumen. Seine Assistenz-Engel Jona (Simon Wendring), Luca (Manuel Anastasi) und Urbania (Volker Bader) sowie seine Büroleiterin Anneliese Poppinga (Wolfgang Semrau) versuchen, ihm die Anordnung von „oben“ schonend beizubringen. Aber eigentlich möchte er sein Büro behalten, nimmt er doch noch rege Anteil an der Kölner Kommunalpolitik, für die er gerade eine Software entwickelt: „WibOf“ – „Wie baue ich ein Opernhaus fertig“!

Das Einzige, was den lieben Gott vielleicht umstimmen könnte, sind die Verdienste Adenauers für die Domstadt: Gründung der Messe, Schaffung des Grüngürtels, Bau der 1.-FC-Köln-Sportanlagen und der Mülheimer Hängebrücke. So eilen auch Konrads Ehefrauen Emma (Christopher Wallraff) und Gussie (Marc Beyel) herbei, um ihn bei seinem Herzenswunsch zu unterstützen. Das karnevaleske Jukebox-Musical startet nun einen gesanglichen, tänzerischen und musikalischen Parforce-Ritt durch Adenauers Privat- und Politiker-Leben, der immer wieder durch illustre Geburtstags-Gäste aufgepeppt wird: Da gratulieren ihm Queen Elizabeth (Peter Wallraff), Prinz Philip (Ralf Kaiser), Willy Brandt (Harald Butscheid), Marilyn Monroe (Sven Patschkowski), Aristoteles Onassis (Mario Jacobs) und Jackie Kennedy (Sina Demir). Zu der Melodie „Ganz Paris träumt von der Liebe“ singen ihm die prominenten Besucher ein zeitloses Geburtstags-Ständchen: „Ganz Paris träumt nur von Frieden“. Nikita Chruschtschow (Knut-Ivar Østlyngen) steuert zu „Kalinka“ ein Wodka-Trinklied bei und mit Charles de Gaulle (Stefan F. Robert) erinnert sich Adenauer zu der Melodie „Champs Elysées“ an den legendären Elyseé-Vertrag.

Regisseur Lajos Wenzel – im Hauptjob Intendant am Theater Trier – ist seit 2016 Leiter des „Divertissementchens“. Wie immer führt er sein Laien-Ensemble traumwandlerisch sicher durch den Abend, stolz und ohne jegliche alberne Attitüde tragen die Männer ihre von Judith Peter fantasievoll entworfenen Frauen-Kostüme. Gleiches gilt auch für das Ballett-Ensemble, das, ob als Gartenzwerge oder beim Tutu-Spitzentanz, die einfallsreichen Choreografien von Katrin Bachmann und Jens Hermes leichtfüßig aufs Parkett bringt. So surft man mit einer wilden, musikalischen Mischung aus Oper, Musical, Pop, Karneval und Klassik durch einen äußerst unterhaltsamen Abend, der auch durch einen besonderen inszenatorischen Einfall im Gedächtnis bleibt: Die Rolle des Geburtstagskindes hat der ehemalige Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch übernommen, der auch für das facettenreiche Buch verantwortlich zeichnet. Da kann man nur sagen: „Jläser huh un Kölle Alaaf!“


Gesamtleitung: Simon Wendring • Musikalische Leitung: Philip van Buren • Regie: Lajos Wenzel • Choreografie: Katrin Bachmann und Jens Hermes • Bühne: Tom Grasshof • Kostüme: Judith Peter • Licht: Andreas Grüter • Sounddesign: Thomas Wegner • Musikalische Einstudierung: Philip van Buren, Thomas Guthoff, Steffen Müller-Gabriel, Benedict Nagel und Bernhard Steiner • Mit: Jürgen Nimptsch (Konrad Adenauer im Kanzler-Himmelszimmer über den Wolken), Dirk Pütz (Konrad Adenauer in der Erinnerung auf der Erde), Markus Becher (Emma Adenauer über den Wolken), Christopher Wallraff (Emma Adenauer auf der Erde), Rainer Wittig (Auguste „Gussie“ Adenauer über den Wolken), Marc Beyel (Auguste „Gussie“ Adenauer auf der Erde), Jens Hanzlik (Konrad), Frank Walterscheidt (Max), Michael Friedrich (Ria), Marco Doblys (Paul), Gero Schlesinger (Libet), Bernd Corsten (Lotte), Hans Klein (Georg), Wolfgang Semrau (Anneliese Poppinga), Volker Bader (Urbania), Manuel Anastasi (Luca), Simon Wendring (Jona), Joachim Sommerfeld (Rudolf Augstein), Mario Jacobs (Aristoteles Onassis), Sina Demir (Jackie Kennedy), Sven Patschkowski (Marilyn Monroe), Harald Butscheid (Willy Brandt), Walter Körner (Norbert Burger), Peter Wallraff (Queen Elizabeth II), Ralf Kaiser (Prinz Philip), Knut-Ivar Østlyngen (Nikita Chruschtschow), Stefan F. Robert (Charles de Gaulle), Thomas Kreckel (Alcide de Gaspari), Christian Franssen (Franz-Josef Strauß), Stefan Bröcher (Ludwig Erhard) u.a. • Chor und Ballett-Ensemble der Spielgemeinschaft „Cäcilia Wolkenburg“ im Kölner Männer-Gesang-Verein • Westwood Slickers • Bergische Symphoniker

Aufmacherfoto: Stefanie Althoff

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