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La Cage aux Folles

Musical ist mehr als Spiel …

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Seefestspiele Mörbisch
von
Jerry Herman (Musik und Liedtexte)
Harvey Fierstein (Buch)
Erika Gesell und Christian Severin (Deutsche Fassung)
Regie
Andreas Gergen
Uraufführung
1983

Beim „Käfig voller Narren“ gelingen Inszenierung und Schauspiel – musikalisch gelingt wenig

„La Cage aux Folles“ wird oft verkitscht oder zur Schenkelklopfer-Revue verunstaltet. Nicht so in Mörbisch! Geschickt erzählt Regisseur Andreas Gergen geradlinig die Story um den französischen Travestie-Künstler Albin/Zaza und stellt die politische Aussage – Liebe ist Liebe – in den Fokus, ohne dass die Inszenierung an Leichtigkeit und Beschwingtheit einbüßen müsste. Da wird über Taylor Swift gescherzt, da kommen Regenbogenplakate mit Aufschriften wie „Wir sind queer“ zum Einsatz, da gibt es zum Finale eine Wassershow und Leuchtbuchstaben, die „Ich bin, was ich bin“ auf Deutsch, Englisch, Ungarisch und Burgenlandkroatisch verkünden.

Das stilvolle Bühnenbild von Walter Vogelweider besticht in der Mitte mit einem großen goldenen Käfig mit Showtreppe auf der Rückseite, Leuchtbuchstaben, überdimensionierten violetten Perücken, griechisch-römischen Männerstatuen und vor allem Treppen, Treppen, Treppen, die in einem gigantischen Ausmaß die gesamte Bühne in Violett einnehmen – natürlich beleuchtet. Leider wird vor allem die Mitte bespielt, die Seiten bleiben die meiste Zeit leer, worüber auch Screens mit KI-anmutenden Grafiken nicht hinwegtäuschen können.

Für den nötigen Glitzer, Glamour, wohldosierten Plüsch, Lack und Leder und einen Hauch geschmackvollen Kitsch sorgen die überaus gelungenen Kostüme (Armella Müller von Blon). Da gibt es Zaza in roter Palette mit Federboa oder als Heiligenfigur mit schwarz-goldenem Kleid und Fasanenfedern, die Cagelles mit unzähligen Kostümwechseln in jeder Menge Glitzer und Tüll, abgerundet mit stimmigen Perücken, die mitunter sehr extravagant, aber nie geschmacklos ausfallen.

Schauspielerisch ist der Abend ein großer Spaß. Aliosha Jorge Ungur stiehlt als überdrehter Butler Jacob frech, verspielt, witzig und lasziv allen die Show. Großartig, wie er mit Leichtigkeit über die unzähligen Stufen hüpft, tanzt, springt oder stolpert und dabei ein Feuerwerk an Mimik zündet. Mark Seibert gibt fürsorglich den Georges, Timotheus Hollweg rebellisch und doch versöhnlich den Sohn Jean-Michel, Anna Rosa Döller verleiht dessen Verlobter Anne etwas Verspieltes und gleichzeitig Bestimmtes. Mathias Schlung macht den erzkonservativen Politiker Dindon herrlich grotesk zur Witzfigur, Ines Hengl-Pirker mimt devot seine Frau Marie, bevor sie zum Finale emanzipiert ausbricht. Ursula Pfitzner gibt charmant die Restaurantbesitzerin Jacqueline.

Showlegende Alfons Haider spielt die Rolle des Albin bzw. der Zaza wirklich rührend. Man merkt sofort, dass diese Partie ein Lebenstraum von ihm war – wenn da nur nicht der Gesang wäre. Haider bestreitet den Abend mit mehr Sprechgesang als Gesang und versucht konstant durch überschwängliche Gefühlsausbrüche die Höhen zu überspielen, trifft aber auch in den Mittellagen häufig die Töne nicht. Das führt in den Duetten zu unschönen Dissonanzen und lässt die emotionalen Momente Intensität einbüßen, besonders bei den Showstoppern „Ich bin, was ich bin“ oder „Die schönste Zeit ist heut“. Man hätte dem alternierenden Drew Sarich den Vortritt lassen müssen, anstatt sich als Generalintendant auch selbst zu besetzen.

Leider bleiben nicht nur bei Haider gesanglich viele Wünsche offen. Zwar liefern Seibert und Hollweg gewohnt solide ab, können alleine den Gesamteindruck aber auch nicht retten. Zudem fehlt dem an sich ausgewogenen Orchester unter Tom Bitterlich an vielen Stellen Tempo, weswegen der Abend selten richtig Fahrt aufnimmt. Reibung zwischen Bühne und Graben sowie eine unausgeglichene Tonmischung bei der Premiere tun ihr Übriges.

Die Choreografien von Faye Heather Anderson sind schön anzusehen, aber zu ambitioniert, was sich insbesondere bei Übergängen und der langen Kickline zeigt. Mit anderen Formationen hätten man das gut kaschieren können, das Ensemble ist nämlich durchaus tanzfreudig. So bleibt ein durchwachsener Abend, der verdeutlicht, dass beim Musical für den Zauber alle Komponenten stimmen müssen.


Musikalische Leitung: Tom Bitterlich • Regie: Andreas Gergen • Choreografie: Faye Heather Anderson • Bühne: Walter Vogelweider • Kostüme: Armella Müller von Blon • Studienleitung: Günter Fruhmann • Mit: Alfons Haider (Albin/Zaza), Mark Seibert (Georges), Aliosha Jorge Ungur (Jacob), Timotheus Hollweg (Jean-Michel), Anna Rosa Döller (Anne Dindon), Mathias Schlung (Edouard Dindon), Ines Hengl-Pirker (Marie Dindon), Ursula Pfitzner (Jacqueline), Samuel Türksoy (Francis) u.a.

Aufmacherfoto: www.kurtpinter.com

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