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Roald Dahl’s Matilda – Das Musical

Kinder an die Macht!

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Landestheater Linz
von
Tim Minchin (Musik und Liedtexte)
Dennis Kelly (Buch)
Sabine Ruflair (Deutsche Fassung)
Regie
Melissa King
Uraufführung
2010

Anarchie und Fantasie mit „Matilda“

„Das ist so ungerecht!“ Wütend stampft das kleine Mädchen mit dem Fuß auf, und das nicht nur einmal. Ungerechtigkeiten erlebt Matilda mehr als genug. Die Hochbegabte wird von ihren Eltern – Vater Wurmwald ist ein zwielichtiger Autoverkäufer und seine Ehefrau interessiert sich für Gesichtstücher, aber sicher nicht für Geschichtsbücher – wegen ihrer Liebe zu Büchern und ihres Gerechtigkeitssinns ständig gehänselt. Doch Matilda lässt sich nicht unterkriegen, auch nicht, als sie in eine Schule gebracht wird, die von der ehemaligen Hammerwerferin Agathe Knüppelkuh mit strengem Regiment und ohne jede Empathie geleitet wird. Mit Unterstützung der liebevollen Lehrerin Fräulein Honig gelingt es den Kindern, die gerne als „nutzlose Maden“ bezeichnet werden, sich zu wehren. Die Gerechtigkeit siegt: Frau Knüppelkuh muss gehen und Matilda darf bei Fräulein Honig bleiben, weil ihre Eltern vor der bulgarischen Automafia nach Spanien flüchten.

Roald Dahl (1916-1990) war ein Meister des schwarzen Humors. Der Autor vieler böser und respektloser Satiren – sein bekanntestes Werk ist wohl „Charlie und die Schokoladenfabrik“ – erzählte in seinen Büchern immer wieder von unterdrückten, aber mutigen Kindern sowie heuchlerischen Erwachsenen. Dafür konnte er auch aus seiner eigenen Biografie schöpfen: Durch den frühen Tod seines Vaters kam Dahl ins Internat, die Zeit war von körperlichen Strafen und Mobbing geprägt. So erfolgreich Dahls Kinderbücher auch wurden, immer häufiger taucht auch Kritik an rassistischen und sexistischen Stereotypen in seinen Werken auf.

Das Spätwerk „Matilda“ ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil nicht nur ein von seinen Eltern unterschätztes und vernachlässigtes Mädchen im Mittelpunkt steht, sondern Matilda ihren Mut und Gerechtigkeitssinn aus Büchern schöpft. Bereits 2003 begann die Royal Shakespeare Company mit Überlegungen für eine Musicalversion, sieben Jahre später fand die Uraufführung in Stratford-upon-Avon statt. Der australisch-britische Schauspieler, Komiker und Musiker Tim Minchin verfasste Musik und Liedtexte. Die Gesangseinlagen kommen flott daher und gehen ins Ohr; es lohnt, den Text mitzulesen, in dem viel Wahres und Trauriges und genau so viel Komik steckt.

Auf der Bühne im Linzer Musiktheater dominieren riesige Bücher geradezu bedrohlich die Szenerie. Das schrille Zuhause der Wurmwalds und die gemütliche Bibliothek von Frau Schilf werden bei Bedarf rechts und links aus dem Unterboden gefahren. Melissa King ist eine der erfahrensten Choreografinnen der deutschsprachigen Musicalszene und ihre Personenführung sorgt für viel Schwung und Tempo.

Langeweile kann sowieso nicht aufkommen, denn die Stars des Abends sind die Kinder, die das Geschehen bestimmen. Die Talente wurden in Zusammenarbeit mit dem Oberösterreichischen Landesmusikschulwerk gefunden, von einigen wird man ganz sicher noch hören. Dass Valerie Kloiber (Matilda) mit ihren elf Jahren bereits Bühnenerfahrung gesammelt hat, merkt man. Erzählt sie die Geschichte der kinderlosen Trapezkünstlerin und des Akrobaten – scheinbar ein Nebenschauplatz, der sich später überraschend in die Handlung einwebt –, dann möchte auch das erwachsene Publikum kein Wort versäumen und spendet der selbstbewussten Jungschauspielerin heftigen Applaus. Kloiber überzeugt auch gesanglich, genau wie all ihre jugendlichen Kollegen.

Gernot Romic verkörpert eine großartige, sadistische Schuldirektorin, die ihre Zöglinge in Angst und Schrecken versetzt, während das sanfte Fräulein Honig (Patrizia Unger) das Idealbild einer verständnisvollen Lehrerin ist. Die Wurmwalds sind einfach nur urkomisch:  David Rodriguez-Yanez spielt sehr gelungen den schlitzohrigen Autoverkäufer, Astrid Nowak steht ihm als schrille Ehefrau in nichts nach. Aus dem Orchestergraben kommen von der Band „Die Röchler“ unter der dynamischen Leitung von Raban Brunner nur beste Musicaltöne. Ein gelungener Saisonstart, der mit Standing Ovations gefeiert wird.


Musikalische Leitung: Raban Brunner • Regie und Choreografie: Melissa King • Bühne: Stephan Prattes • Kostüme: Judith Peter • Licht: Michael Grundner • Dramaturgie: Arne Beeker • Mit: Valerie Kloiber (Matilda), Patrizia Unger (Fräulein Honig), Gernot Romic (Agathe Knüppelkuh), David Rodriguez-Yanez (Herr Wurmwald), Astrid Nowak (Frau Wurmwald), Lukas Sandmann (Michael Wurmwald), Sarah Schütz (Frau Schilf), Fabian Koller (Rudolpho), Christian Fröhlich (Entfesselungskünstler), Anneke Brunekreeft (Akrobatin), Karsten Kenzel (Gynäkologe), Max Niemeyer (Animateur), Jonathan Wirleitner (Bruce), Eva Winkelhofer (Lavendel), Barin Khalil (Amanda), Samuel Sieder (Nils), Muriel Nova (Alice), Konstantin Sommer (Eric), Luisa Rudinger (Hortensia), Dominik Ehlers (Tommy) u.a. • Band „Die Röchler“

Aufmacherfoto: Barbara Pálffy

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