
Die Musicalversion von Monty Python’s „Leben des Brian“ landet einen Publikumserfolg
Wie Sterne leuchten die Handy-Taschenlampen auf und tanzen durch das Salzburger Landestheater. Auf der Bühne zeigt man sich sichtlich überrascht, wie begeistert das Premierenpublikum reagiert. Das komische Oratorium „Not the Messiah“ von Eric Idle und John Du Prez basiert auf dem Kultfilm „Das Leben des Brian“ und sorgt in der österreichischen Erstaufführung für beste Laune. Vergessen sind die heftigen Debatten rund um den legendären Film der britischen Comedy-Gruppe Monty Python aus dem Jahr 1979: Blasphemie wurde dem erfolgreichen Kollektiv damals unterstellt. Nicht zu leugnen ist, dass den Komikern der Inhalt der Bibel nicht heilig ist. Bei näherer Betrachtung werden Jesus und der Glaube jedoch weniger verspottet als vielmehr hinterfragt, während vor allem der menschliche Verstand gehörig infrage gestellt wird.
Zum Inhalt: Brian Cohen, unehelicher Sohn einer Jüdin und eines Römers, kommt zeitgleich mit Jesus zur Welt und wird als junger Mann durch eine Verkettung aberwitziger Missverständnisse für den Messias gehalten – was bedauerlicherweise zu Brians Tod am Kreuz führt. 2007 wurde das Oratorium in Toronto uraufgeführt und vom Publikum begeistert aufgenommen. Die musikalische Mischung aus Oper, Musical und Pop-Parodie – von Idle selbst als „baroque ’n’ roll“ bezeichnet – bietet einen formidablen Wohlfühl-Klangteppich. Ein Augenzwinkern fehlt dabei nie. Auch in der deutschen Textfassung von Thomas Pigor wird nicht an hintergründigem und bisweilen auch vordergründigem Humor gespart.
Der Chor des Hauses nimmt ganz hinten auf der Bühne Aufstellung, das Mozarteumorchester Salzburg darf unter der umsichtigen Leitung von Tobias Meichsner sichtbar auf den Brettern, die die Welt bedeuten, Platz nehmen, während die vier Sängerinnen und Sänger sowie der Erzähler in Abendkleid und Frack an der Rampe stehen. Maximilian Schmiedl agiert als Erzähler und treibt als „Evangelist“ mit monoton-sonorer Priesterstimme die Handlung voran. Außerdem schlüpft er in diverse Rollen, hat sogar einen kleinen Auftritt als Rock’n’Roller und absolviert die einzige peinliche Szene des Abends, wenn er als Mitglied einer Wiener Wallfahrt nach Judäa reist.
Jana Kurucová überzeugt nicht nur mit ihrem Mezzo, sondern auch mit großer Komik als Mutter von Brian, die sich sehr um ihren nicht allzu smarten Sohn sorgt – insbesondere, sobald dessen Freundin Judith auftaucht. Diese Rolle wird von Sopranistin Laura Incko gesungen. Sie war bis vor drei Jahren Ensemblemitglied des Salzburger Landestheaters und kehrt nun erfolgreich an das Haus zurück. Bass Daniele Macciantelli, ebenfalls Ensemblemitglied, spielt mit Gelassenheit und stimmlicher Stärke die Rolle des Schwanzus Longus. Den Brian meistert Luke Sinclair mühelos. Wieder einmal stellt der Tenor unter Beweis, wie breit sein Repertoire gefächert ist. Zauberhaft komisch gerät die erste Liebesszene mit Judith, in der er sich gemeinsam mit seiner Angebeteten in einem an Mozart anlehnten Papageno/Papagena-Duett einen erotischen Kampf mit dem Mikrofonständer liefert.
Das höchst spielfreudige Quartett, das sichtlich Spaß an seiner „Arbeit“ hat, wird durch Marco Dott ergänzt. Der Schauspieler lispelt sich durch die Rolle des Julius Cäsar und sorgt auch als Hirte für Gelächter. Auch der Chor hat seine Aufgaben: Mit Schafsohren auf dem Kopf formiert er sich zu einer braven Herde, zudem beweisen die Damen und Herren viel Schwung in der Hüfte. Nicht fehlen darf während der Kreuzigungsszene der Song „Always Look on the Bright Side of Life“. Wieder leuchten die Handy-Lampen, und das Publikum summt und pfeift gemeinsam mit den Protagonisten den berühmten Song. Intendant Carl Philip von Maldeghem hat mit seiner halbszenischen Einrichtung alles richtig gemacht und begeistert mit dieser Produktion sowohl Monty-Python-Fans als auch das klassische Opernpublikum.
Musikalische Leitung: Tobias Meichsner • Halbszenische Einrichtung und Raum: Carl Philip von Maldeghem • Kostüme: Hanna Viktoria Saßen • Musikalische Einstudierung: Wolfgang Götz • Choreinstudierung: Mario El Fakih • Dramaturgie: Andreas Fladvad-Geier • Mit: Maximilian Schmiedl (Evangelist und Erzähler), Luke Sinclair (Brian, Tenor), Laura Incko (Judith, Sopran), Jana Kurucová (Mandy, Mezzosopran), Daniele Macciantelli (Schwanzus Longus, Bass), Marco Dott (Mrs. Betty Parkinson/Hirte/Julius Cäsar u.a.) • Chor des Salzburger Landestheaters • Mozarteumorchester Salzburg • Stefan Janauschek (Dudelsack), BRIAN’s Band
Aufmacherfoto: SLT/Christian Krautzberger




