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The Addams Family

Kultur-Clash im Central Park

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Volkstheater Rostock
von
Andrew Lippa (Musik und Liedtexte)
Marshall Brickman und Rick Elice (Buch)
Anja Hauptmann (Deutsche Fassung)
Regie
Marco Krämer-Eis
Uraufführung
2009

„The Addams Family“ beim Volkstheatersommer

Abgedreht schrille Familie mit morbiden Gelüsten trifft auf stocklangweilige Spießbürger mit Geld: perfekter Stoff für den knalligen Clash unterschiedlicher Kulturen. So geschehen in der langlebigen Cartoon-Reihe für die Wochenzeitung „The New Yorker“, später als TV-Serie in Endlosschleife fortgesetzt und 2009 in Musical-Gestalt neu erwacht. Marshall Brickman und Rick Elice haben den gigantischen Erfolg von Charles Addams für die Bühne adaptiert, Andrew Lippa neben Liedtexten auch eine swingende Musik hinzugefügt, um „The Addams Family“ von Chicago über den Broadway in die Welt zu schicken. Zurzeit spielt das Volkstheater Rostock in der Werfthalle 207 diesen Musical-Hit in der sehr geschmeidigen Übersetzung von Anja Hauptmann und erntet dafür tosenden Zuspruch.

Gomez und Morticia hausen mit ihrem gänzlich missratenen Nachwuchs Wednesday und Pugsley irgendwo im Central Park und treiben dort ihre sinistren Spektakel, von Grusel bis Folter, unterstützt von Onkel Fester und der verhuschten Großmutter. Ein Reich der Finsternis mit hemmungsloser Erotik und Einfällen, die fast bis zum Exitus führen. Ausgerechnet in dieses makabre Setting platzt der schüchterne Lucas samt Vater und Mutter Beinicke – und das nur, weil Wednesday, die Queen der Diabolik, den Provinz-Sprössling heiß und innig liebt. Eine Konstellation, die zwangsläufig auf Chaos-Kurs zusteuert. Allerdings entdecken die penibel-altmodischen Beinickes plötzlich eine längst vergrabene Wildheit ihrer frühen Jugend, die hinter Biedermeier-Fassaden verschwand. Daraus entwickeln die Autoren ein Feuerwerk von Kapriolen, Situationskomik und schräg-schrulligen Typen.

Ausstatter Lukas Pirmin Wassmann greift dabei tief in die Kiste sämtlicher Klischees, um den Spaß optisch auf die Spitze zu treiben, mit verwegenen Dekors, extravagantem Outfit und Masken wie aus dem Schauer-Bilderbuch. Beste Voraussetzungen für Regisseur Marco Krämer-Eis, der aus dem Vollen schöpft, die Handlung stets vorantreibt, den prasselnden Witz mit Genuss auskostet und der Komik jeden denkbaren Raum öffnet, ohne ins Plumpe zu rutschen. Er begleitet das stimmig besetzte Ensemble durch sämtliche Untiefen und Fallhöhen des Plots und demonstriert mit Ausrufezeichen: Hier geht es weniger um Schock als um pures, explosives Amüsement. Choreografin Selly Meier garniert den knackigen Rabatz kurz vor der totalen Katastrophe mit ebenso hibbeligen Bewegungen, die für rasantes Tempo und Augenweiden sorgen.

Danyil Ilkiv als Dirigent bringt die Norddeutsche Philharmonie auf Broadway-Aggregat. Andrew Lippas süffige Partitur enthält Calypso, Tango, Flamenco oder Pop und das Orchester verleiht dem Sound festen Biss mit beschwingt locker-leichter Grundierung. Was ist normal, fragt das Stück. Unmissverständlich: Die hausbackenen Beinickes gewiss nicht. Aus dieser Erkenntnis speist der Regisseur seine Inszenierung, die sich konsequent auf Ironie, Groteske und Karikatur ausrichtet. Grzegorz Sobczak (Gomez), Martha-Luise Urbanek (Morticia), Kirsten Scott (Wednesday), Frank Buchwald (Fester), Agostina Migoni (Pugsley), Tobias Völklein (Lucas), Jana Stelley (Alice Beinicke), Steffen Schreier (Mal Beinicke) sowie Angela Schlabinger (Grandma) drehen mit starken Rollenprofilen, exaltierten Gesten und greller Mimik diese Schraube beherzt auf den Siedepunkt – zum größten Vergnügen des Publikums.


Musikalische Leitung: Danyil Ilkiv • Regie: Marco Krämer-Eis • Choreografie: Selly Meier • Ausstattung: Lukas Pirmin Wassmann • Choreinstudierung: Csaba Grünfelder • Dramaturgie: Stephan Knies • Mit: Grzegorz Sobczak (Gomez), Martha-Luise Urbanek (Morticia), Kirsten Scott (Wednesday), Frank Buchwald (Uncle Fester), Agostina Migoni (Pugsley), Tobias Völklein (Lucas), Steffen Schreier (Mal Beinicke), Jana Stelley (Alice Beinicke), Angela Schlabinger (Grandma), Jiwoong Shin (Lurch) • Opernchor und Tanzcompagnie des Volkstheaters • Norddeutsche Philharmonie Rostock

Aufmacherfoto: Thomas Ulrich

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