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Monty Python’s Spamalot

Der Heilige Gral liegt in Augsburg-Oberhausen

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Staatstheater Augsburg (Sommerbühne am Gaswerk)
von
John Du Prez und Eric Idle (Musik)
Eric Idle (Buch und Liedtexte)
Daniel Große Boymann (Deutsche Fassung)
Regie
Anna Weber
Uraufführung
2005

„Spamalot“ im Gaswerk macht die Notlösung zum Volltreffer

Die Entstehungsgeschichte dieser Produktion hätte Monty Python vermutlich gefallen: Wenige Monate vor der Premiere verliert das Staatstheater Augsburg urplötzlich seine Spielstätte am Roten Tor, muss innerhalb kürzester Zeit einen neuen Spielort errichten, Bühnenbild, Technik und Infrastruktur umorganisieren – um passenderweise ein Sommermusical auf die Bühne zu bringen, das von absurden Wendungen, unwahrscheinlichen Lösungen und der Suche nach dem Heiligen Gral erzählt. Natürlich hätte die historische Freilichtbühne bestens zu König Artus und seinen Rittern gepasst. Umso überraschender, wie stimmig sich „Spamalot“ auch auf einer Schotterfläche mitten im zum Theaterstandort gepimpten, ehemaligen Gaswerk-Areal Augsburg-Oberhausen entfaltet.

Regisseurin Anna Weber beweist ein bemerkenswertes Gespür für den Kosmos der britischen Kultkomiker und legt großen Wert auf Detailarbeit. Dabei vertraut sie stilsicher auf die Vorlage, ohne ins Museale abzurutschen. Komik wird nie behauptet, sondern präzise herausgearbeitet, die deutsche Fassung bewahrt weitgehend den Geist von Monty Python und aktualisiert lediglich behutsam einzelne Stellen. Den größten eigenen Akzent setzt sie mit einem neuen Ritter namens „Frauenquote“, der in leuchtendem Gelb erscheint und bei den Herren der Tafelrunde so gar nicht willkommen ist. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Dass bei einem so textlastigen Musical die Pointen stimmen und das Timing sitzt, ist vor allem ein Erfolg des großen Ensembles aus Opernchor, Ballett und Statisterie. Die musikalischen Nummern entfalten ihre Wirkung dadurch umso stärker – nicht zuletzt der Gassenhauer „Always Look on the Bright Side of Life“, der längst kulturelles Allgemeingut geworden ist.

Großen Anteil am Erfolg haben auch die fantasievollen Kostüme von Laura Kirst. Bunt, plakativ und herrlich überzeichnet erschaffen sie genau jene skurrile Welt, die dieses Stück benötigt. Das ursprünglich für die Bühne am Roten Tor entwickelte Bühnenbild von Sina Manthey fügt sich erstaunlich selbstverständlich in die neue Umgebung ein, während Marco Vitales Lichtdesign auch der puristischen Spielfläche Atmosphäre verleiht. Helena Sturm choreografiert die zahlreichen Tanznummern abwechslungsreich und voller Witz.

Unter der Leitung von Sebastiaan van Yperen entfalten die Augsburger Philharmoniker gekonnt und spielfreudig den schwungvollen Ballroom-Sound von John Du Prez und Eric Idle. Erwähnenswert ist auch die ausgezeichnete Tonqualität zwischen dem neben der Bühne platzierten Orchester und den Darstellern. Getragen wird die starke Gesamtwirkung vom überzeugenden Solistenensemble mit einer herausragenden Katja Berg als „Fee aus dem See“, die mit komödiantischer Finesse und beeindruckender Stimmvariabilität einmal mehr ihren Rang als eine der führenden deutschsprachigen Musicaldarstellerinnen beweist. Patrick L. Schmitz überzeugt als König Artus mit starker Bühnenpräsenz, ausgefeilter Körpersprache und gesanglicher Souveränität. Marina Lötschert macht insbesondere aus ihrem Lancelot eine Paraderolle und sorgt mit großer Spielfreude für zahlreiche komödiantische Höhepunkte. Johan Vandamme sorgt als Patsy mit dem legendären Kokosnuss-Geklapper aus der Filmvorlage dafür, dass dessen berühmtester Running Gag auch mehr als fünf Jahrzehnte nach seiner Entstehung erstaunlich frisch und urkomisch funktioniert.

Unterstützt vom starken Ensemble der Theaterakademie August Everding gerät die Suche nach dem Heiligen Gral so zur kurzweiligen Reise. Und wer dabei glaubt, diesen irgendwo in Avalon oder Camelot zu finden, denkt zu kompliziert – Besucher der kommenden Vorstellungen sollten ihren Sitzplatz jedenfalls sicherheitshalber mit Bedacht wählen. Und wenn ausgerechnet ein Stück über das Scheitern heroischer Missionen zum Beweis wird, dass manchmal doch alles gut ausgeht, hat man im Augsburger Freilichtsommer 2026 den perfekten Beweis dafür erbracht.


Musikalische Leitung: Sebastiaan van Yperen • Regie: Anna Weber • Choreografie und Stuntcoaching: Helena Sturm • Bühne: Sina Manthey • Kostüme: Laura Kirst • Licht: Marco Vitale • Choreinstudierung: Katsiaryna Ihnatsyeva-Cadek • Dramaturgie: Tamara Jasmin Quick • Mit: Patrick L. Schmitz (König Artus), Katja Berg (Die Fee aus dem See), Florian Gerteis (Sir Robin/Bruder Maynard u.a.), Marina Lötschert (Sir Lancelot u.a.), Johan Vandamme (Patsy u.a.), Hannes Staffler (Sir Galahad/Der Schwarze Ritter u.a.), Mehdi Salim (Sir Bedevere u.a.), Stephanie Marin (Historiker/Herbert/Der Noch-Nicht-Tote Fred u.a.) u.a. • Ballett Augsburg • Opernchor und Statisterie des Staatstheaters Augsburg • Augsburger Philharmoniker

Aufmacherfoto: Jan-Pieter Fuhr

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