Water for Elephants

Zirkus meets Broadway

oRT
Broadway (Imperial Theatre)
von
PigPen Theatre Co. (Musik)
Rick Elice (Buch)
Regie
Jessica Stone & Ryan Emmons
Uraufführung
2024

„Water for Elephants“ bringt das Publikum zum Staunen

Trotz des merkwürdigen Titels – er beruht auf der Tatsache, dass Elefanten täglich bis zu 300 Liter Wasser trinken – entpuppt sich „Water for Elephants“ als willkommener Neuzugang zur aktuellen Broadway-Spielzeit und als ein überraschend unterhaltsames Musical. Im Mittelpunkt des Stücks, das in den 1930er Jahren spielt und auf einem 2006 erschienenen Liebesroman von Sara Gruen basiert (bei uns erschienen als „Wasser für die Elefanten“), steht Jacob Jankowski. Zu Beginn ist er im hohen Alter zu sehen und erinnert sich an die Zeit, als er ein mittelloser Student war und Tierarzt werden wollte.

Als Jacobs Vater ihm mitteilt, dass er seine letzten Studienjahre nicht mehr finanzieren kann, beschließt der 20-Jährige, seine Familie zu verlassen und sein Glück anderswo zu suchen. Als er an einem Bahngleis entlangwandert, klettert er in den Waggon eines vorbeifahrenden Zuges und wird prompt von einer Gruppe von Arbeitern umringt, deren Wanderzirkus den Benzini-Brüdern gehört, den Rivalen der Ringling-Brüder. Ein alter Mann namens Camel hält seine Begleiter davon ab, Jacob wieder aus dem Zug zu werfen, und schlägt ihm vor, sich ihnen doch anzuschließen. Als Zirkusdirektor August, ein harter und brutaler Mann, davon erfährt, stellt er ihn ein: Jacob soll sich um die diversen Tiere kümmern, die ein wichtiger Bestandteil der Auftritte sind, vor allem um Elefantin Rosie, die er gerade für seine Frau Marlena gekauft hat, den Star der allabendlichen Aufführung. Es dauert nicht lange, bis Jacob sich in Marlena verliebt, die seine Zuneigung erwidert – vor allem nach einem Streit mit August, der misstrauisch geworden ist und sie körperlich angreift.

Irgendwann reagieren die Zirkusleute endlich auf Augusts brutales Verhalten ihnen gegenüber und befreien die Tiere, was zu einer Massenpanik führt. Elefantin Rosie, die ebenfalls unter seiner Strenge gelitten hatte, nimmt einen Pflock in ihren Rüssel, stößt ihn August in den Kopf und tötet ihn. Es folgt Chaos und der Zirkus wird geschlossen. Jacob und Marlena arbeiten dann für die Ringling-Brüder, sie beschließen zu heiraten und verbringen den Rest ihres Lebens zusammen.

„Water for Elephants“ ist eine hybride Inszenierung, die den glitzernden Charme des Broadway mit Zirkusakrobatik vermischt. Die enge Mischung aus beidem ergibt eine kurzweilige Show, die immer wieder Staunen und Bewunderung auslöst: Einige Mitglieder des großen Ensembles erweisen sich als außergewöhnliche Artisten – vor allem die beiden Luftakrobatinnen Alexandra Gaelle Royer und Rachael Boyd machen Eindruck und versetzen hoch über der Bühne das Publikum in Staunen.

Das ganze Ensemble ist hervorragend, so überzeugen die Porträts von Gregg Edelman als älterer Jacob und Grant Gustin als sein jüngeres Ich, ebenso Paul Alexander Nolan als August in einer Rolle, in der er gleichzeitig sympathisch und unsympathisch sein muss. Ausgezeichnet spielen auch Joe de Paul als Walter, der Clown, Stan Brown als Camel und Isabelle McCalla, die bereits in „Shucked“ und „The Prom“ zu sehen war, als verführerische Marlena.

Zum guten Eindruck trägt auch die Optik der Aufführung bei, so die farbenfrohen Kostüme von David Israel Reynoso, die Bühnenbilder von Takeshi Kata, die von Ray Wetmore und JR Goodman sowie Camille Labarre gebauten Puppen, außerdem die beeindruckende Choreografie von Shana Carroll und Jesse Robb, und natürlich die solide Regie von Jessica Stone.

Die Songs der Musikgruppe PigPen Theatre Co. (dahinter verbergen sich Alex Falberg, Arya Shahi, Ben Ferguson, Curtis Gillen, Dan Weschler, Matt Nuernberger und Ryan Melia) sind dabei das Tüpfelchen auf dem i. In manchen Momenten erinnern sie an den Jazzstil der 1930er Jahre und setzten damit immer wieder Glanzlichter in ihren eingängigen und absolut erfreulichen Nummern. All diese Elemente tragen dazu bei, „Water for Elephants“ zu einer durch und durch unterhaltsamen Musicalproduktion zu machen, unerwartet und ein wenig unorthodox.

(Übersetzung: Angela Reinhardt)


Musikalische Leitung: Elizabeth Doran • Choreografie: Shana Carroll, Jesse Robb und Paige Parkhill • Zirkusdesign: Shana Carroll • Bühne: Takeshi Kata • Kostüme: David Israel Reynoso • Licht: Bradley King • Sounddesign: Walter Trarbach • Projektionen: David Bengali • Puppendesign: Ray Wetmore, JR Goodman und Camille Labarre • Kampfregie: Cha Ramos • Mit: Grant Gustin (Jacob Jankowski), Isabelle McCalla (Marlena), Gregg Edelman (Mr. Jankowski), Paul Alexander Nolan (August), Stan Brown (Camel), Joe de Paul (Walter), Sara Gettelfinger (Barbara), Wade McCollum (Wade) u.a.

Aufmacherfoto: Matthew Murphy

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