THE LOST BOYS Ali Louis Bourzgui and Dean Maupin Photo by Matthew Murphy 2026 | MUSICAL TODAY

The Lost Boys

Schräg, seltsam, unterhaltsam

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Broadway (Palace Theatre)
von
„The Rescues“ (Musik und Liedtexte)
David Hornsby und Chris Hoch (Buch)
Regie
Michael Arden
Uraufführung
2026

Geht der Kultfilm „The Lost Boys“ auf Musical-Erfolgskurs?

Das neue Musical „The Lost Boys“ basiert auf einem 1987 erschienenen Film, der als Kultklassiker gilt, zwei Fortsetzungen hervorbrachte und Comics inspirierte. Als eine seltsame Mischung vereint das Stück allseits bekannte Schauerfilme der Universal Studios aus den 1930er Jahren im ersten und Geschichten aus Marvel-Superhelden-Comics im zweiten Akt. Zu behaupten, dass dieser Kontrast perfekt funktioniert, wäre eine Lüge, aber er ist bis zu einem gewissen Grad unterhaltsam; nach der Reaktion des Publikums bei der besuchten Vorstellung scheint das Stück sowohl die älteren als auch die jüngeren Generationen anzusprechen.

Die Handlung, ursprünglich von Jeffrey Boam, Janice Roberta Fischer und James Jeremias für den Film geschrieben und nun von David Hornsby und Chris Hoch für die Bühne adaptiert, spielt im Jahr 1987 und erzählt die Geschichte von Lucy Emerson, die nach dem Scheitern ihrer Ehe mit ihren beiden jugendlichen Söhnen Michael und Sam in die fiktive Stadt Santa Carla in Kalifornien zieht. Nachdem sie sich in ihrer neuen Umgebung eingelebt hat, findet Lucy eine Stelle im Laden von Max, der bald ein romantisches Interesse an ihr entwickelt. Unterdessen baut Michael eine Beziehung zu Star auf, einem Mädchen aus der Gegend, das er gerade kennengelernt hat. Sam wiederum trifft mit Edgar und Alan zwei Brüder in seinem Alter in einem Comicladen. Sie verraten ihm, dass sie auf Vampirjagd sind, weil die Stadt voll davon sei.

Michael findet bald heraus, dass Star die ehemalige Freundin von David ist, dem Anführer einer Rockerbande; der bietet ihm an, sich ihnen anzuschließen. Nachdem David zugestimmt und ein Ritual durchlaufen hat, fühlt sich alles seltsam an. Bald kommt er zum Schluss, dass David ein Vampir sein könnte und dass er sich gerade selbst in einen verwandelt. Glücklicherweise wird er von Sam gerettet, der sich Edgar und Alan bei ihrer Jagd angeschlossen hat, um die Vampire loszuwerden – das gelingt ihnen, indem sie sich ein Beispiel an den Comic-Helden nehmen, die sie so sehr verehren. Am Ende stellt sich heraus, dass der Anführer der Vampire nicht David, sondern Max ist, der eine eigene Familie von Nachtwesen gründen möchte. Sam und seine Freunde schaffen es aber, ihn loszuwerden, bevor er seine bösen Kräfte wirklich entfalten kann.

Abgesehen von ihrer schrägen Handlung erweist sich die Show als seltsam kurzweilig – Jen Schriever und Michael Arden haben sie brillant beleuchtet, Dane Laffrey hat spektakuläre Bühnenbilder entworfen und Marcus Maurette jede Menge Spezialeffekte. Die beeindruckenden Kostüme stammen von Ryan Park, das Luftakrobatik-Konzept von Gwyneth Larsen und Billy Mulholland.

Der einzige Schwachpunkt sind die Songs, geschrieben von der Band „The Rescues“ (Kyler England, Adrianne „AG“ Gonzalez und Gabriel Mann, die als Chor-Nerds beschrieben werden). Ihre Melodien hören sich durchweg ziemlich ähnlich an und die Liedtexte gehen in einem lauten Dröhnen unter, das durch den größtenteils gleichzeitigen Gesang mehrere Stimmen entsteht und von den Echos noch verstärkt wird, die durch die Größe des Theaters widerhallen.

Dennoch stechen in ihren Solodarbietungen Shoshana Bean als Lucy („Be Kind, Rewind“, „Wild“, „Lose Yourself“ und „Michael“), Maria Wirries als Star („Hurt a Little“, „Now, Forever“ und „War“) sowie Ali Louis Bourzgui als David ganz besonders heraus („Have to Have You“, „Time to Kill“, „Lost Boy“, „Belong to Someone“ und „The Reckoning“, um nur einige zu nennen). Abgesehen davon fesselt das große Ensemble unter der starken Regie von Michael Arden die Aufmerksamkeit und liefert vor allem in den wichtigsten Szenen eine überzeugende Leistung ab.

Insgesamt ist „The Lost Boys“ bestimmt kein schlechtes Musical und entpuppt sich als spannender, als es das Thema vermuten lässt. Aber das Stück bleibt eine seltsame Produktion, die eher durch die rundherum entworfenen technischen Designs überrascht und in den am wenigsten erwarteten Momenten am attraktivsten ist. Der Film war damals ein absoluter Hit – es gibt keinen Grund, warum das Musical nicht auch einer werden sollte.

(Übersetzung: Angela Reinhardt)

Music Supervision: Ethan Popp • Musikalische Leitung: Julie McBride • Regie: Michael Arden • Choreografie und Luft-Choreografie: Lauren Yalango-Grant und Christopher Cree Grant • Kampfregie: Sordelet Inc. • Bühne: Dane Laffrey • Kostüme: Ryan Park • Haar- und Perückendesign: David Brian Brown • Make-up-Design: Christina Grant • Aerial Design: Gwyneth Larsen und Bill Mulholland • Special-Effects-Design: Marcus Maurette • Licht: Jen Schriever und Michael Arden • Sounddesign: Adam Fisher • Electronic Music Design: Billy Jay Stein und Hiro Iida (Strange Cranium) • Dramaturgie: Jenna Clark Embrey • Mit: LJ Benet (Michael Emerson), Shoshana Bean (Lucy), Ali Louis Bourzgui (David), Benjamin Pajak (Sam Emerson), Maria Wirries (Star), Paul Alexander Nolan (Max), Jennifer Duka (Alan Frog), Miguel Gil (Edgar Frog), Brian Flores (Marko), Sean Grandillo (Dwayne), Dean Maupin (Paul) u.a.

Aufmacherfoto: Matthew Murphy

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