
„Titaníque“ ist eine gnadenlose Parodie mit großen Songs
Nach einer rekordverdächtigen dreijährigen Laufzeit am Off-Broadway kommt „Titaníque“ für voraussichtlich 16 Wochen an den Broadway. Die mitreißende Parodie beruht auf dem Filmklassiker von James Cameron aus dem Jahr 1997, in dem bekanntlich Leonardo DiCaprio und Kate Winslet als junges Liebespaar Jack und Rose beim Untergang der Titanic im Jahr 1912 um ihr Überleben kämpfen. Die Musicalversion wurde von Tye Blue, Marla Mindelle und Constantine Rousouli gemeinsam entwickelt; präsentiert und moderiert wird sie von Céline Dion, deren Song „My Heart Will Go On“ zur glorreichen Hymne des Films wurde.
Tatsächlich ist es nicht wirklich Céline Dion, sondern Marla Mindelle, die die Diva verkörpert und ihr so die Gelegenheit gibt, berühmte Hits wie „Beauty and the Beast“, „If You Asked Me To“, „Tell Him“, „Because You Loved Me“, „Where Does My Heart Beat Now“, „All By Myself“ und natürlich „My Heart Will Go On“ zu singen. Auch Hitparaden-Nummern aus dem Repertoire anderer Sängerinnen und Sänger sind dabei, wie „I’m Alive“, „River Deep – Mountain High“, „I Surrender“ und „I Drove All Night“, wodurch die Musik vielfältiger wird und mehr Persönlichkeit erhält.
Die Show folgt zwar der ursprünglich von Cameron entworfenen Handlung, schlägt aber jede Sekunde kurvenreiche und urkomische Haken. So werden praktisch alle Szenen zu perfekten Gelegenheiten für die Darstellenden, ihr ganzes Können in skurrilen, komödiantischen Momenten zu entfalten, die die wortspielerische Ankündigung „Jack & Rose’s Story Isn’t Done, It’s Dion …“ belegen. Das allein ist ein Hinweis darauf, dass dieses Musical sich seinem Sujet auf eine spezielle Weise nähert, ähnlich wie „Spamalot“, Eric Idles ganz persönliche Vision von „Camelot“, die vor vielen Jahren hier zu sehen war.
Céline gibt vor, den Untergang des Schiffes überlebt zu haben, und erzählt uns die Geschichte von Jack, einem armen Künstler auf der Suche nach einer besseren Zukunft, und Rose, der Verlobten des wohlhabenden Cal. Sie gehen an Bord der Titanic, um nach New York City zu fahren. Es dauert nicht lange, bis Rose sich in Jack verliebt und zum Bedauern ihrer Mutter Ruth erkennt, dass Cal nicht der Mann ist, mit dem sie ihr Leben verbringen möchte. Als das Schiff den Eisberg rammt, springen Rose und Jack in ein Rettungsboot, während Cal sie wütend verfolgt und mit seiner Pistole töten will. Doch in einer raffinierten Verkehrung des Drehbuchs erzählt Céline, dass das Schiff nicht gesunken ist und Jack und Rose wieder an Bord gebracht wurden, um ihr Ziel zu erreichen und ihr Leben gemeinsam zu verbringen.
Die geistreiche Mär wird durch die Darstellenden bereichert, die mal höchst merkwürdige, mal urkomische Figuren verkörpern, wie etwa Constantine Rousouli als Jack und Melissa Barrera als Rose, die ständig auf der Bühne sind und in den Hauptrollen brillieren. Ebenso Frankie Grande als Victor Garber, wie der Kapitän des Schiffs hier heißt, Layton Williams als Seemann und Eisberg, Jim Parsons als Ruth DeWitt Bukater, Roses Mutter, John Riddle als Cal Hockley sowie Deborah Cox als „Unsinkable Molly Brown“, die alle in ihren jeweiligen Rollen großartig sind. Unterstützt werden sie zeitweise von Kyle Freeman, Sara Gallo, Brad Greer, Polanco Jones, Jr., Tess Marshall und Kristina Leopold in einer Vielzahl von Nebenrollen, die den Fortgang des Geschehens ungemein bereichern.
Alle visuellen Zutaten der Inszenierung – insbesondere die verrückten Kostüme von Alejo Vietti, die ansprechenden Bühnenbilder von Gabriel Hainer Evansohn und Grace Laubacher sowie die funkelnde Lichtgestaltung von Paige Seber – steigern noch den Eindruck des spritzigen, lebhaften Humors der Show.
Ellenore Scotts Choreografie und Tye Blues unerhört witzige Regie machen die gesamte Aufführung zu einer absolut mitreißenden und vergnüglichen Produktion, die wahrscheinlich länger als geplant am Broadway bleiben sollte.
(Übersetzung: Angela Reinhardt)Music Supervision: Nicholas James Connell • Musikalische Leitung: Geoffrey Ko • Regie: Tye Blue • Choreografie: Ellenore Scott • Bühne: Gabriel Hainer Evansohn & Grace Laubacher for Iron Bloom • Kostüme: Alejo Vietti • Haar- und Perückendesign: Charles G. LaPointe • Licht: Paige Seber • Sounddesign: Lawrence Schober • Mit: Marla Mindelle (Céline Dion), Jim Parsons (Ruth DeWitt Bukater), Deborah Cox (Unsinkable Molly Brown), Melissa Barrera (Rose DeWitt Bukater), Frankie Grande (Victor Garber/Luigi), John Riddle (Cal Hockley), Constantine Rousouli (Jack Dawson), Layton Williams (The Seaman/Iceberg) u.a.
Aufmacherfoto: Evan Zimmerman for MurphyMade




