ubs Shalespeare in Love Andreas Philemon Schlegel Katharina Apitz Foto Udo Krause | MUSICAL TODAY

Shakespeare in Love

Liebeslust gegen Schreibblockade

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Ort
Uckermärkische Bühnen Schwedt
VON
Paddy Cunneen (Musik)
Lee Hall (Buch)
Corinna Brocher (Deutsche Fassung)
Direction
Lars Franke
World premiere
2014

„Shakespeare in Love“ ist bestens unterhaltendes Sommertheater

Zerrissen ist der junge Mann. Er möchte gern wie sein Vorbild Christopher Marlowe schreiben, berühmt sein, viel Geld verdienen. Aber zugleich spürt er eine Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit, was die ambitionierten Pläne jäh durchkreuzen könnte. Außerdem plagt ihn eine heftige Schreibblockade, nichts Geistreiches fließt ihm mehr aus der Feder. Dann taucht plötzlich Viola auf, mysteriös, mit aristokratischer Attitüde. Sie verwirrt William vollends. Daraus bastelten Marc Norman und Tom Stoppard 1998 den Film „Shakespeare in Love“: ein riesiger Erfolg, mit sieben Oscars prämiert. 2014 modellierte Autor Lee Hall im Gespann mit Komponist Paddy Cunneen aus dem Kino-Hit ein Schauspiel mit Musik, welches neun Monate das Londoner Noel Coward Theatre füllte. Die Uckermärkischen Bühnen in Schwedt zeigen das Stück jetzt als Open-Air-Produktion auf der Odertalbühne.

Die ausgeklügelte Vorlage nimmt viele Aspekte aus der Zeit des späten 16. Jahrhunderts ins Visier. Da geht es reichlich um Shakespeare selbst, samt Fakten und Fiktionen, dann um die oft skurrilen Umstände der damaligen Theaterwelt in London, schließlich um höfische Gepflogenheiten, die von den Autoren süffig parodiert werden. Queen Elizabeth I beispielsweise wird auf einem monströsen Podest durch die Szenerie gezogen und Lord Wessex kommt als eitler Fatzke daher, borniert bis in die Zehenspitzen. Ein richtiges Musical mixt sich daraus nicht, denn Paddy Cunneen grundiert die Geschichte musikalisch eher sparsam im Renaissance-Idiom. Es gibt keinen Song, dafür ein paar Schreit-Tänze in der authentisch wirkenden Choreografie von Katarzyna Kluczna oder chorische Einwürfe. Tom van Hasselt leitet die Konserven-Einspielung mit klarem Blick auf die intendierten Klänge.

Gesprochen wird einerseits wie bei Shakespeare und manchmal auch mit Originaltext, inklusive schlüpfriger Anspielungen, dann wieder in heutigem Tonfall. Das sorgt für Esprit und gute Laune. Flottes Tempo und pointierte Dialoge entfachen ein Feuerwerk mit großem Unterhaltungseffekt. Lars Franke führt Regie und drückt gehörig auf die Tube, um die zahllosen Intrigen, Korruptionen, Verwicklungen und sogar tödlichen Verwechslungen in emotionale Wallung zu schubsen. Das gelingt ihm vorzüglich und fast drei Stunden lang. Ein besonderer Pluspunkt der Produktion ist die Ausstattung von Frauke Bischinger. Sie kleidet die Akteure in zeitgemäße Outfits mit leichtem Hang zur farblichen Zuspitzung und schuf einen halbrunden Raum, der an das Globe Theatre erinnert: genügend Platz für den häufigen Trubel des Augenblicks. Eine kleine Drehbühne nutzt der Regisseur für rasante Orts- und Requisitenwechsel, köstlich etwa im Schlussteil, wenn das zu kollektiver Ohnmacht treibende Geschehen hinter dem Vorhang ebenso gezeigt wird wie das eigentliche Drama davor, konkret „Romeo und Julia“.

Um 1600 blieb Frauen die Schauspielerei per Dekret untersagt. Viola macht es trotzdem, löst einen Skandal aus, findet aber bei der Queen überraschend Gnade. Immer wieder schwingt die Frage auf, was denn nun vom Meister persönlich stammt und was möglicherweise geklaut sein könnte, ohne finale Antworten zu liefern. Das Stück entwirft ein gewitztes Sittengemälde und das leidenschaftliche Ensemble wühlt sich in Bestform durch die Affären und Amouren, die meisten in gleich mehreren Rollen, von Lars Franke souverän navigiert. Andreas Philemon Schlegel ist der ewig gehetzte, prall vitale William Shakespeare, David Alonso sein ebenfalls agiler Künstler-Konkurrent und Freund zugleich, Marlowe. Dennis Weissert gefällt als schmierig ordinärer Wessex, Antonia Schwingel zieht als Amme sämtliche Register weiblicher Finesse und Daniel Richard Bogacki als Burbage bringt mit betörender Stimme famos dosierte Ironie ein. Die Viola von Katharina Apitz präsentiert sich als emanzipierte Frau, die weiß, was sie will. Auch die übrigen Mitwirkenden stehen in dieser Inszenierung prickelnd unter Strom. Das Publikum hat viel Plaisir an diesem Sommertheater und applaudiert am Ende lauthals.


Musikalische Leitung: Tom van Hasselt • Regie: Lars Franke • Choreografie: Katarzyna Kluczna • Ausstattung: Frauke Bischinger • Dramaturgie: Benjamin Zock • Mit: Andreas Philemon Schlegel (Will Shakespeare), Katharina Apitz (Viola de Lesseps), Antonia Schwingel (Amme/Queen Elizabeth I/Molly), Benjamin Schaup (Sir Robert de Lesseps/Tilney/Nol), Dennis Weissert (Wessex/Ned Alleyn/Robin), David Alonso (Christopher Marlowe/Wabash/Scherge), Uwe Schmiedel (Henslowe) u.a. • Musik vom Band

Aufmacherfoto: Udo Krause

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