TMF1044 | MUSICAL TODAY

Mel Brooks’ Frankenstein Junior

Götzenburg wird Horrorschloss

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Venue
Burgfestspiele Jagsthausen
by
Mel Brooks (Musik und Liedtexte)
Mel Brooks und Thomas Meehan (Buch)
„Puttin’ on the Ritz“ von Irving Berlin
Frank Thannhäuser und Iris Schumacher (Deutsche Fassung)
Direction
Denis Fischer
World premiere
2007

Das respektlos-alberne Mel-Brooks-Musical „Frankenstein Junior“

In dieser Woche, am 28. Juni, feiert der Komiker und Filmregisseur Mel Brooks seinen 100. Geburtstag – vielleicht haben die traditionsreichen Burgfestspiele an der Jagst deshalb „Frankenstein Junior“ aufs Programm gesetzt. Oder weil die Grusel-Parodie auch in einem alten, verwinkelten Schloss spielt und die imposante Kulisse der Götzenburg so gut zum Thema passt.

Wenige Jahre nach seinem Superhit „The Producers“ beglückte Brooks den Broadway erneut und verquirlte Horrorfilm-Klischees mit Musical-Klischees zu einer sehr lustigen, grenzwertig albernen Unterhaltung. Auch in „Frankenstein Junior“, einer Adaption seines eigenen Schwarzweiß-Films aus dem Jahr 1974, brettert der Komiker mit seinem respektlosen Humor mitten in jene Fettnäpfchen, die heutzutage mit viel Achtsamkeit beseitigt oder mit Warnungen versehen werden. Die gebrauchsfertige, mitunter operettenlastige Musik schrieb der Komiker selbst, beim Buch half ihm Thomas Meehan. Der Kultfilm von 1974 ist heute leider vergessen, zumindest aber erinnert man sich an Marty Feldman als glubsch-äugiges, gebeugtes Faktotum Igor mit einem wandernden Buckel.

Die sehr lustigen Dialoge des Musicals stammen größtenteils aus dem Film, Frank Thannhäuser und Iris Schumacher haben das Ganze mit trefflichen Pointen übersetzt. Erzählt wird die Geschichte von Mary Shelleys gleichnamigem Horrorklassiker, nur dass hier so einiges schief geht. So distanziert sich der Gelehrte Dr. Frederick Frankenstein ganz entschieden von seinem Vorfahren, der ein Monster zusammengebaut hat – nur um im ererbten Schloss schließlich genau dasselbe zu machen. Karsten Oliver Wöllm singt und spielt den weltgewandten, etwas empfindlichen und heimlich Broadway-affinen Professor ganz herrlich: Sein Fronkenstiehn (so möge er bitte ausgesprochen werden) hat Sinn für Pose, mit großer Geste empfindet er einfach jede Szene seines Lebens als Auftritt.

Mit wenig Ausstattung und dafür viel Humor inszeniert Denis Fischer, Titeldarsteller aus der letztjährigen Produktion von „Jesus Christ Superstar“, den Abend. Manfred Kaderk hat ein paar drehbare Elemente entworfen, die wahlweise den Wald oder das Gruselschloss andeuten (und „andeuten“ darf man hier sehr wörtlich nehmen). Das großartige Ensemble aus Profis und Laiendarstellern ersetzt in origineller Weise die drehbare Bücherwand, hinter der es ins Geheimlabor geht, wie auch dessen Gerätschaften und elektrische Schalter. Zwei Tänzerinnen agieren im frechen Tennisdress als vielseitig einsetzbare Kutschpferde, die turbulente Kutschfahrt mit der neuen Assistentin Inga wie auch die ominösen Menschenversuche finden ohne große Umstände auf einem Podest statt.

Mit Lina Hoppe ist die jodelnde Klischee-Blondine Inga trefflich besetzt, sie wandelt sich vom Dummchen zu Frankensteins treuer Gefährtin. Stimmlich bleiben ein paar Wünsche offen, genau wie bei Bernadette Hug als nervöser Fass-mich-nicht-an-Verlobter des Professors, die seufzend den körperlichen Vorzügen des riesigen Monsters erliegt. Lakonisch und mit viel Verständnis für all die Verrückten spielt Frank Roder den buckligen Igor, während Marianna McAven als Haushälterin Frau Blücher im Gothic-Stil ein Ereignis aus jedem ihrer Auftritte macht – als hätte Wednesday Addams endlich den perfekten Job gefunden.

In der undankbaren Rolle des Monsters grunzt Sebastian Volk ganz nach Klischee, schnappt nach Belohnungen wie einem Hundilein und überrascht am Schluss nicht nur mit seiner Steppnummer, sondern mit vollendeten Manieren. Rouven Honnefs holzbeiniger Inspector erinnert an „Die Piraten von Penzance“, während Fabio Piana in seinem Kurzauftritt das Pathos des einsamen Eremiten bis zum Rande der Tränen auslebt. Der Chor überzeugt mit mehrstimmiger A-cappella-Kunst bei „Grüß Gott in Transsilvanien“ und streut an unerwarteten Stellen schwäbische Brüllerpointen ein. Felix Meyerle leitet schmissig die Band. Warum es als Zugabe „Hounds of Love“ von Kate Bush gibt, weiß der Himmel, aber es fetzt.


Musikalische Leitung: Felix Meyerle • Regie: Denis Fischer • Choreografie: Nina Kurzeja • Bühne: Manfred Kaderk • Kostüme: Claudia Flasche • Licht: Franz Pfleger, Felix Bachmann, Andreas Schick, Florian Halter • Sounddesign: Lobo Bauer • Mit: Karsten Oliver Wöllm (Dr. Frederick Frankenstein), Sebastian Volk (Das Monster), Frank Roder (Igor), Lina Hoppe (Inga), Bernadette Hug (Elizabeth Benning), Marianna McAven (Frau Blücher), Rouven Honnef (Inspector Hans Kemp), Fabio Piana (Ein Eremit), Immanuel Grau (Ludwig), Aurora Bonetti, Sophie Gisbertz, Immanuel Grau (Tanz)

Aufmacherfoto: Tobias Metz

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