Xander Pang Light and Cast of Death Note The Musical. Credit Manuel Harlan | MUSICAL TODAY

Death Note – The Musical

Macht über Leben und Tod

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Venue
Barbican
by
Frank Wildhorn (Musik)
Ivan Menchell (Buch)
Jack Murphy und Morgan Reilly (Liedtexte)
Direction
Stephen Whitson
World premiere
2015

Frank Wildhorn verwandelt den Kultmanga „Death Note“ in ein rasantes Rockmusical

Der Manga „Death Note“ (2003) von Tsugumi Ōba und Takeshi Obata genießt heute Kultstatus. Auf eine Anime-Serie und mehrere Filme folgte eine Musicalfassung mit Songs von Frank Wildhorn und Jack Murphy, die erstmals 2015 in Japan gezeigt wurde und diesen Sommer in London zu sehen war. Wie in der Vorlage steht im Zentrum der Handlung der Schüler Light Yagami, dem das Notizbuch eines Shinigamis (ein japanischer Todesgott) in die Hände fällt. Die Person, deren Name in dieses „Death Note“ geschrieben wird, stirbt – sogar Todesart und Todeszeitpunkt lassen sich beeinflussen.

Nach anfänglichen Zweifeln probiert Light das Notizbuch aus und stellt fest, dass es tatsächlich funktioniert. Light beschließt, mithilfe des Death Note Verbrecher umzubringen und eine neue Welt ohne Kriminalität zu schaffen. Während die einen Kira – wie die Öffentlichkeit den mysteriösen Verbrechermörder nennt – als gottgleichen Helden verehren, versucht die Polizei ihn zu fassen. Unterstützt wird sie vom ebenso geheimnisvollen Meisterdetektiv L. Es entbrennt ein hochspannendes Katz-und-Mausspiel, in dessen Verlauf die Sympathien zwischen den beiden gleichsam obsessiven Kontrahenten hin- und herwechseln – ein moralisches Dilemma.

Buchautor Ivan Menchell gelingt es hervorragend, die Vorlage zu verdichten, wobei das Tempo bisweilen sehr hoch ist und den Zuschauenden ebenso wie den Protagonisten keine Verschnaufpause gönnt. Ob derart viele Nebenhandlungsstränge notwendig sind, bleibt fraglich. Viele Momente sind eindeutig Fanservice, was bei einem solchen Musical jedoch zu erwarten ist. Gut gelungen ist es den Autoren hingegen, das zentrale Thema – die Frage, was eigentlich gerecht ist und was Recht und Gerechtigkeit unterscheidet – durch den ganzen Abend zu ziehen. Bereits der Eröffnungssong fragt pointiert „Where Is the Justice?“ und verdeutlicht, dass das Musical nicht nur spannende Unterhaltung bietet, sondern auch zum Nachdenken anregt.

Frank Wildhorns Score ist erstaunlich vielfältig und setzt neben seinen typischen Powerballaden (etwa „We All Need a Hero“) auf treibende Rocksounds, in die sich auch mal Rap-Elemente und klassischere Passagen mischen. Die musikalische Leitung des zehnköpfigen Orchesters hat Katy Richardson inne.

Xander Pang brilliert als Light, der den ersten Akt in weiten Teilen trägt. Erfreulicherweise lässt der zweite Akt den anderen Figuren mehr Raum zur Entfaltung. Insbesondere der von Colin Ryan mit teils urkomischer Trockenheit gespielte L erweist sich als würdiger Gegner für Light. Ihre gemeinsamen Szenen zählen zu den Highlights der Show (und hätten ruhig noch zahlreicher sein können).

Die Rolle der Kira-Verehrerin Misa ist im Musical stärker profiliert als in anderen Versionen des Stoffes: Statt lediglich als Sidekick oder Comic Relief zu fungieren, besitzt das von Stephanie Zaharis mit ebenso viel Wärme wie Humor gespielte Popsternchen gerade musikalisch größere Eigenständigkeit. Komplettiert wird das Ensemble von Telly Leung, der den Todesgott Ryuk mit mephistophelischer Freude gibt, sowie Grace Mouat. Ihre Todesgöttin Rem wird zur tragischen Figur und erhält mit der kraftvollen Ballade „When Love Comes“ einen der bewegendsten Songs des Abends.

Stephen Whitson inszeniert das Musical mit hohem Tempo, zu dem auch die Choreografie von Fabian Aloise sowie Jon Bausors kubistisch-modulares Bühnenbild beitragen, das mit fließenden Bewegungen zwischen den Schauplätzen wechselt. Erfreulich unaufgeregt sind die Kostüme von Sachiko Nakahara, die japanische und britische Elemente kombinieren und lediglich bei den Shinigamis ausgefallener gestaltet sind. Die rastlos-stylische Anlage der Produktion, die einen wuchtigen Rock-Score mit düsterer Anime-Ästhetik verschmilzt, ist dabei nicht nur hinsichtlich des zu erwartenden Zielpublikums klug gewählt, sondern spiegelt den inhaltlichen Kern des Stoffes überzeugend wider.


Music Supervision: Jason Howland • Musikalische Leitung: Katy Richardson • Regie: Stephen Whitson • Choreografie: Fabian Aloise • Bühne: Jon Bausor • Kostüme: Sachiko Nakahara • Haare, Perücken und Make-up: Alice Dawson Whale for Campbell Young Associates • Videodesign: Akhila Krishnan • Illusionen: Paul Kieve • Licht: Jen Schriever • Sounddesign: Peter Hylenski • Mit: Xander Pang (Light), Colin Ryan (L), Stephanie Zaharis (Misa), Telly Leung (Ryuk), Grace Mouat (Rem), Paolo Montalban (Soichiro), Chloe Saracco (Gelus (Jerasu)), Elsie Buckley (Sayu) u.a.

Aufmacherfoto: Manuel Harlan

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