David Hunter as Adam Maitland David Fynn as Beetlejuice and Chelsea Halfpenny as Barbara Maitland Johan Persson | MUSICAL TODAY

Beetlejuice

Anarchischer Bio-Exorzist

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Venue
West End (Prince Edward Theatre)
by
Eddie Perfect (Musik und Liedtexte)
Scott Brown und Anthony King (Buch)
Direction
Alex Timbers
World premiere
2018

„Beetlejuice“ ist ein exzentrisches Musical über den Tod

Zur Aufführungshistorie des im Jahr 2018 uraufgeführten Werkes „Beetlejuice“ gehören – nicht zuletzt wegen einer Unterbrechung aufgrund der Pandemie – u.a. sage und schreibe drei Produktionen am Broadway sowie mehrere Tourneen durch die USA. Dabei hat sich das Stück eine treue Fangemeinde erarbeitet, die nicht zuletzt mit ihrer Social-Media-Präsenz dafür gesorgt hat, dass auch das West End der Musicaladaption von Tim Burtons schräger Horror-Filmkomödie aus dem Jahr 1988 mit großer Spannung entgegenfieberte.

Bei dem Stück handelt es nicht wirklich um eine Adaption des Filmes, denn im Grunde genommen wird auf der Bühne eine gänzlich andere Geschichte erzählt. Die Idee des Filmes, wo das frisch verstorbene Ehepaar Barbara und Adam Maitland aufgrund bürokratischer Hindernisse im Jenseits als Geister in seinem ehemaligen Wohnhaus feststeckt, wurde im Rahmen der Überarbeitung für die Bühne vollständig verworfen. Im Musical ist der „Bio-Exorzist“ Beetlejuice oder Betelgeuse, wie er tatsächlich heißt, im Gegensatz zum Film omnipräsent und fungiert auch als Erzähler, wobei er regelmäßig die vierte Wand durchbricht. Das Musical erzählt von den Versuchen des hinterlistigen Dämons, im ersten Schritt wieder sichtbar für Lebende zu werden und im zweiten Schritt schließlich eine vollständige Wiederbelebung zu erlangen. Hierfür benötigt er die Unterstützung von Lydia, die durch den Verlust ihrer Mutter tief traumatisiert ist und eine Todessehnsucht entwickelt hat, um wieder eine Verbindung zu ihr aufzubauen. Zudem fühlt sie sich von ihrem Vater Charles vernachlässigt, der sich bereits mit der Lebensberaterin Delia tröstet.

Regisseur Alex Timbers bringt eine einfallsreiche und energiegeladene Inszenierung auf die Bühne, die nur so vor Exzentrik strotzt und sich dem anarchischen Geist der Filmvorlage verpflichtet fühlt. Dabei sind ihm Rasanz und Spektakel stets wichtiger als Subtilität und Entwicklung, was sicherlich nicht jedermanns Geschmack treffen wird. Zudem ist das vor allem im zweiten Akt überaus konfuse Buch von Scott Brown und Anthony King sichtlich darum bemüht, das sehr amerikanische Musical an den britischen Markt anzupassen. Einige Gags sind gelungen wie der, bei dem Betelgeuse beim Anblick eines Jugendlichen im Publikum anmerkt, dass „Matilda“ wohl ausverkauft war; andere sind leider nur stumpf und rüpelhaft wie die Kommentare zu „Paddington“, dem aktuellen Erfolgshit im West End. Letztlich bleibt die Geschichte ziemlich albern und, was im Falle einer Musicalkomödie am schwersten wiegt, auch ziemlich unlustig. Das Bühnenbild von David Korins indes ist äußerst fantasievoll und schafft eine zum Stück passende, cartoonhafte Welt.

David Fynn in der Titelrolle gibt mit fesselnder Hingabe den quirlig-irren Wirbelwind, kann damit aber auch nicht die fehlende Tiefe seiner Figur wettmachen. Emotionaler Mittelpunkt der Geschichte ist die Figur der todtraurigen Lydia, die von der amerikanischen Darstellerin Hannah Nordberg bei ihrem West-End-Debüt mit gesanglich und darstellerisch beeindruckender Präzision und Sicherheit gegeben wird. Ebenso überzeugend präsentieren sich Chelsea Halfpenny und David Hunter in den Rollen der bürgerlich-naiven Maitlands, die sehr an Brad und Janet aus der „Rocky Horror Show“ erinnern. Auch Aimie Atkinson weiß als die mit toxischer Positivität ausgestattete Delia mit hinreißenden Momenten zu glänzen.

Die Partitur von Komponist und Songtexter Eddie Perfect ist musikalisch vielfältig und funktioniert hinsichtlich der Charakterisierung der Figuren und der szenischen Umsetzung außerordentlich gut, nur leider bleibt kein einziger Song im Gedächtnis haften. „Beetlejuice“ mag sicherlich das richtige West-End-Musical für eine bestimmte Zielgruppe sein, die sich von überbordendem Klamauk und einer beeindruckenden Gothic-Optik angesprochen fühlt. Für einen breiten Publikumserfolg außerhalb der Halloween-Season erscheint dieses Werk jedoch zu speziell und letztlich auch zu inhaltsleer.


Music Supervision: Kris Kukul • Musikalische Leitung: Jim Henson • Regie: Alex Timbers • Choreografie: Connor Gallagher • Bühne: David Korins • Kostüme: William Ivey Long • Haar- und Perücken-Design: Charles G. Laponte • Make-up-Design: Joe Dulude II • Projektionen: Peter Nigrini • Puppendesign: Michael Curry • Spezial-Effekte: Jeremy Chernick • Magie- und Illusions-Design: Michael Weber • Licht: Kenneth Posner • Sounddesign: Peter Hylenski • Mit: David Fynn (Beetlejuice), Hannah Nordberg (Lydia Deetz), David Hunter (Adam Maitland), Chelsea Halfpenny (Barbara Maitland), Alasdair Harvey (Charles Deetz), Aimie Atkinson (Delia Deetz), Chasity Crisp (Juno/Maxine Dean), Richard Frame (Otho), Irvine Iqbal (Maxie Deane), Rachel MacDougall (Girl Scout), Vanessa Aurora Sierra (Miss Argentina)

Aufmacherfoto: Johan Persson

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