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Der Graf von Monte Christo

Ambitioniertes Spektakel

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Venue
Theater Plauen-Zwickau
by
Frank Wildhorn (Musik)
Jack Murphy (Buch und Liedtexte)
Kevin Schroeder (Deutsche Fassung)
Direction
Manfred Ohnoutka
World premiere
2009

„Der Graf von Monte Christo“ auf der Parkbühne

Im Plauener Stadtpark gibt es anderthalb Stunden Musik, Komödianten, Essen und Trinken, bevor das Sommertheater-Event startet. Eine gewaltige Zeltkonstruktion überdacht Bühne und Zuschauerraum. Das Orchester spielt hinter der Bühne, der Ton kommt über Lautsprecher. Erst beim Applaus werden die Clara-Schumann-Philharmoniker und ihr Dirigent Michael Nündel für das Publikum sichtbar. Ihr Sound ist gut ausgesteuert, die Tempi passen, Chor und Solisten auf der Bühne agieren trotz der räumlichen Distanz sicher. Es ist beeindruckend, wie sich die auf Musical spezialisierten Gäste und das im klassischen Repertoire-Betrieb bewährte Theaterensemble mischen.

Jannik Harneit, seit 2019 freischaffend als Musicaldarsteller unterwegs, verkörpert die Titelrolle überzeugend. Spiel und Gesang sind routiniert, die Fechtszenen frappierend genau, die Figurenzeichnung klar. Seine Partnerin, die geliebte Mercédès, wird von Christina Maria Gass gestaltet. Sie hat in Plauen/Zwickau Mozart gesungen, das italienische Fach bedient und mit der Antonia in „Hoffmanns Erzählungen“ beeindruckt. Wie sie mit der völlig anderen Stimmführung einer Musicalrolle spielt, das ist erstaunlich. Dabei ist ihr Spiel – anfangs verliebt und glücklich mit dem jungen Edmond Dantès, gebrochen durch seinen angeblichen Tod, verbittert an der Seite des ungeliebten Ehemanns, kämpferisch für das Leben ihres Sohnes und um die verlorene Liebe – sehr gut nachvollziehbar. Auch Natalia Willot als Valentine, Tochter eines der Schurken, meistert den Spagat zwischen Musical und klassischer Oper. Ihr Lied und der beherzte Auftritt bleiben im Gedächtnis. Piratenkapitänin Luisa Vampa (Karen Helbing) ist hörbar im Musicalsound zuhause. Mit André Gass, Nikolaus Nitzsche und Gabriel Wernick liegen die drei Bösewichte im Aufgabenbereich von Plauen-Zwickauer-Solisten. Erst räumen sie Dantès aus dem Weg, um ein gutes Leben zu führen, bis sie seine Rache als Graf von Monte Christo trifft.

Frank Wildhorn hat aus Dumas’ Geschichte ein eingängiges Musical gebaut. Die Story wird auf die Herz-Schmerz-Geschichte alles überwindender Liebe konzentriert. Große Songs lassen die Solisten brillieren. Die Entwicklungen des inhaftierten Dantès zum unbesiegbaren Rächer sowie die seiner verlassenen Braut zur verbitterten Frau gehen so schnell, dass sie mehr behauptet als wirklich dargestellt werden. Rasante Fechtszenen, hier von Fabian Broermann einstudiert, der auch den Piratenfreund Jacopo spielt, geben der Geschichte Drive und zusätzlichen Schauwert.

Christopher Melching hat praktikabel mehrfach zu bespielende Orte auf die Seiten und ins Zentrum der breit ausladenden Bühne gebaut. Seine Kostüme, insbesondere die der Massenszenen mit Seeleuten, Piraten, Volk, Karnevals- und Feiergesellschaft, bedienen erwartete Klischees. Bei Hauptfiguren sind sie oftmals historisch treffend, pointiert charakterisierend und sehenswert.

Die Inszenierung von Manfred Ohnoutka arrangiert die Geschichte geschickt in die möglichen Spielorte. Sergei Vanaev verteilt das Ballett des Theaters, in merkwürdig bonbonfarbenen Barock-Outfits, und die Volksmassen rhythmisch bewegt auf der Bühne und schafft so stimmungsvoll choreografierte Bilder. Die bunte Mischung aus etabliertem Opernchor und Tanzcompagnie, eifrigem Extrachor und bemühten Statisten wird zu einer Einheit geführt, in der die Einzelleistung zur Nebensache wird. So bedient die Inszenierung das Genre, gibt der Geschichte zwar keine Tiefe, aber stimmungsvolle Optik, und reißt das Publikum mit, das sich zum Sommertheater gerne unterhalten lässt, ohne allzu tief zu hinterfragen. Großer begeisterter Premierenapplaus.


Musikalische Leitung: Michael Nündel • Regie: Manfred Ohnoutka • Choreografie: Sergei Vanaev • Kampfchoreografie: Fabian Broermann • Ausstattung: Christopher Melching • Choreinstudierung: Michael Konstantin • Dramaturgie: Josias Ray und Christina Schmidt • Mit: Jannik Harneit (Edmond Dantès/Graf von Monte Christo), Christina Maria Gass (Mercédès), André Gass (Fernand Mondego/Graf von Morcerf), Nikolaus Nitzsche (Gérard von Villefort), Gabriel Wernick (Baron Danglars), Marian Hadraba (Abbé Faria), Tobias Gerisch (Albert von Morcerf), Natalia Willot (Valentine), Karen Helbing (Luisa Vampa), Andrey Valiguras (Morrel), Fabian Broermann (Jacopo) • Opernchor, Extrachor, Ballett und Statisterie des Theaters Plauen-Zwickau • Clara-Schumann-Philharmoniker Plauen-Zwickau

Aufmacherfoto: André Leischner

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