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9 Presse Horrorladen cMartin Foerster | MUSICAL TODAY

Der kleine Horrorladen

Seymour, Audrey und wir im Elbsandsteingebirge

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Venue
Landesbühnen Sachsen (Felsenbühnen Festspiele)
by
Alan Menken (Musik)
Howard Ashman (Buch und Liedtexte)
Michael Kunze (Deutsche Fassung)
Direction
Manuel Schöbel
World premiere
1982

Auf der Felsenbühne wächst die kannibalische Pflanze Audrey II

Bei den Felsenbühnen Festspielen – so heißt seit einigen Jahren die Open-Air-Saison der Landesbühnen Sachsen in „Europas schönstem Naturtheater“ – spielt das sächsische Reisetheater mit Sitz in Radebeul gerne Stücke, die mit dem Schauspiel- und Musiktheaterensemble besetzt werden können. Das gilt auch für „Der kleine Horrorladen“, den die Schauspieler bzw. Sänger an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zur Premiere bringen. Der Vorzug ist klar: Man spielt ohne urlaubsbedingte Pausen bis in den September.

Für das Bühnenbild hat Ralph Zeger den Orchesterpavillon – die Band unter Uwe Zimmermann sitzt hinter Glasscheiben – mit bunten Graffitis besprühen lassen. Ein paar Mülltonnen und Verkaufstresen lassen sich über die Bühne rollen. Auf der rechten Seite ist die steril-weiße Zahnarztpraxis, darüber das Radiostudio für die Interviews mit dem neuen Superstar, dem Pflanzen-Nerd Seymour aus Mushniks Blumenladen in der Skid Row. Der Clou des Bildes ist aber Audrey II! Die Pflanze, die aus dem Blumentopf auf Zimmergröße anwächst und den gesamten, aus der Versenkung auftauchenden Laden füllt, überwuchert schließlich den Spielort im Bühnenhintergrund, direkt vor der rückseitigen Felsenwand. Ihre Tentakel klettern sogar an der Rampe unmittelbar vor dem Publikum empor.

Barbara B. Blaschke hat charakterisierende Kostüme erfunden, am besuchten ersten Premierentag ist das Schauspiel-Ensemble darin gekleidet. Oliver Natterer als Seymour trägt einen sich vervollständigenden roten Samtanzug. Alexander Wulke ist im karierten Dreiteiler als Mr. Mushnik mehr ein polternder Übervater als ein fieser Geschäftemacher und Ausbeuter. Audrey, Ladengehilfin mit kleinbürgerlichen Träumen und Seymours Traumfrau, ist in ein blaues Kleidchen mit Spitzenkragen gekleidet. Franziska Till gibt ihr liebenswertes Profil. In fast allen anderen Rollen ist Matthias Avemarg zu erleben. Meist schrill und etwas überkandidelt gekleidet, trägt er als motorradfahrender, sadistischer Zahnarzt zunächst rockiges Leder und Elvis-Tolle, dann lackglänzendes Weiß, wenn er unter einem Kosmonauten-Helm am Lachgas verreckt. Im rosa Frack mit grünem Hemd und rotem Schlips tritt die menschliche Inkarnation der kannibalischen Pflanze auf, der Dominik Tippelt Stimme und Figur leiht.

Manuel Schöbel inszeniert die Geschichte als bunte Unterhaltungsshow, führt Figuren skriptgerecht, hängt dabei aber dem Elend und der Verkommenheit der Skid Row ein musikalisch mitreißendes Mäntelchen über. Dafür haben die Autoren die Rockschwestern Chrystal, Ronnette und Chiffon eingeführt, die in beiden Besetzungen von Angelika Erlacher, Catherin de los Santos und Nicki Burton gesungen und getanzt werden. Dem weiten Bühnenraum geschuldet, wird das Trio mit drei Studentinnen der Theaterakademie Sachsen und Mitgliedern der Tanzcompagnie der Landesbühnen vervielfältigt. Mit Frisuren à la Tina Turner und kurzen Röcken im Karo-Muster illustriert Till Nau die Musik mit bühnenfüllenden Choreografien.

Wie das Musical versucht auch die Inszenierung den Spagat zwischen einer humorvollen, augenzwinkernden Geschichte mit kuriosen Typen und flotter Musik einerseits und der dahinterstehenden harten Sozialkritik am blutsaugenden, menschenverschlingenden Kapitalismus andererseits: „Sie versprechen Dir Liebe und Geld … doch sie woll’n dafür Blut! Gib’s ihnen nicht!“ Seymour ist naiv und gutgläubig, er verfängt sich immer mehr und immer tiefer in den Fängen der Pflanze. Als er versucht, Widerstand zu leisten, ist es zu spät und er bereits machtlos ausgeliefert. Die Metapher ist dem Stück eingeschrieben. Die Frage, was sie das den Zuschauer angeht, muss der sich selber stellen. Kann, wird sie auch im Sommertheater verstanden werden?


Musikalische Leitung: Uwe Zimmermann • Regie: Manuel Schöbel • Choreografie: Till Nau • Bühne: Ralph Zeger • Kostüme: Barbara B. Blaschke • Dramaturgie: Johannes Frohnsdorf • Mit: Oliver Natterer (Seymour), Franziska Till (Audrey), Alexander Wulke (Mr. Mushnik), Matthias Avemarg (Dr. Orin Scrivello), Angelika Erlacher (Crystal), Catherin de los Santos (Ronnette), Nicki Burton (Chiffon), Calum MacAskill (Pflanze/Figurenspieler), Dominik Tippelt (Die Pflanze), Johanna Teske, Lucia-Marie Kubowski, Emilia Bieling (Drei Tänzerinnen) • Tanzcompagnie der Landesbühnen Sachsen

Aufmacherfoto: Martin Förster

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