Rabenhof Pension Schoeller Sz 1263 | MUSICAL TODAY

Pension Schöller – Das Musical

Willkommen in der Anstalt!

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Venue
Rabenhof Theater
by
Fabian Pfleger (Buch nach der Posse von Wilhelm Jacoby und Carl Laufs (1890))
Kyrre Kvam (Arrangements nach Motiven von Fred Raymond)
Direction
Ruth Brauer-Kvam
UraufführunG
2026

Die „Pension Schöller“ stellt mit Witz und Wiener Schmäh alte Fragen neu

Was ist verrückt und was normal? Ist jeder, der vermeintlich nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht, ein Kandidat für die Nervenheilanstalt? Ist jener der Normale, der sich mit kleineren und größeren Betrügereien durchs Leben schlägt? Und bedeutet „ver-rückt“ tatsächlich, völlig neben der Spur zu sein? Das Theaterstück „Pension Schöller“ stellt Fragen, deren Antworten offenbar zeitlos sind – sonst ließe sich sein ungebrochener Erfolg kaum erklären. Die Posse von Wilhelm Jakoby und Carl Laufs wurde 1890 uraufgeführt und seither auf deutschsprachigen Bühnen rauf und runter gespielt, verfilmt, als Musical adaptiert und immer wieder neu bearbeitet.

Das Rabenhof Theater residiert in einem typischen Wiener Gemeindebau im dritten Bezirk. Sein engagierter Intendant Thomas Gratzer setzt bei der Programmierung des Spielplans auf eine bunte Mischung aus Revuen, Lesungen, Politsatiren und Musicals – kurz: auf urbanes, zeitgenössisches Volkstheater. Der Erfolg und zahlreiche Auszeichnungen geben ihm recht. Auch in die „Pension Schöller“ strömt das Publikum nur so.

Der Stoff wurde von Fabian Pfleger adaptiert: Im Zentrum steht der mäßig erfolgreiche Musiker Anton, der das Rabenhof Theater kaufen möchte, um dort einen Jazzclub zu eröffnen. Um an das nötige Geld zu kommen, betrügt er seit Jahren seine wohlhabende Tante Ruth: Er gibt vor, eine erfolgreiche Ausbildung zum Psychologen absolviert zu haben, lässt sich ein angebliches Studium finanzieren und plant nun sogar den Aufbau einer Nervenheilanstalt. Womit Anton nicht gerechnet hat: Tante Ruth taucht plötzlich auf und möchte sich persönlich ein Bild von ihrer Investition machen. Kurzerhand bringt er sie in die Pension Schöller, wo sich eine Gruppe sympathischer, höchst skurriler Gestalten zusammenfindet. Für Ruth steht rasch fest, dass der von einer Opernkarriere träumende Heinrich Schöller, sein Neffe Leo, bei dem der Buchstabe L stets als N über die Lippen kommt, die Schundroman-Autorin Helene sowie Abenteurer Balduin nur verrückt sein können. Nach einer ausgelassenen Nacht erkennt die smarte Tante zwar den Betrug, lässt aber letztlich fünfe gerade sein.

Auf der engen Bühne des Theaters versteht man, mit wenigen Requisiten auszukommen – zumal ein Großteil des Platzes von drei Musikern samt Equipment beansprucht wird. Diese „Pension Schöller“ versteht sich als Musical, allerdings vermisst man die entsprechend große Anzahl von Musiknummern. Die Musiker Kyrre Kvam, Lukas Knöfler und Orges Toce geben ihr Bestes bei dem gelungenen Mix aus Jazz, Pop und 50er-Jahre-Songs, doch die Tonanlage erweist sich als zu wuchtig, die Texte gehen in der Lautstärke unter. Erst gegen Ende kommt durch flotte Tanzszenen echtes Musical-Feeling auf.

Regisseurin Ruth Brauer-Kvam weiß genau, wie viel Wiener Schmäh das Publikum an diesem Ort erwartet. Darf man heute noch über einen jungen Mann mit Sprachstörung lachen? Man tut es – allerdings nicht über ihn, sondern mit ihm. Rührend und präzise marschiert Sebastian Wendelin als Leo durch seine Monologe und erntet für Ausdruckskraft und stimmliche Präsenz zahlreiche Lacher.

Caroline Frank (Helene von Malzpichler) bleibt stellenweise in einer Dagmar-Koller-Parodie stecken, verleiht der überzeichneten Möchtegern-Bestsellerautorin jedoch viel Pepp und sorgt für ordentlich Tempo auf der Bühne. Ebenfalls schön überdreht tobt Gerhard Kasal als Weltreisender Balduin durch die Szenen. Doris Hindinger überzeugt als alles andere als fade und biedere Tante Ruth. Florian Carove gibt einen liebenswerten Pensionswirt Schöller und nimmt dabei hörbar Anleihen bei Theo Lingen. Robert Slivovsky trägt als Anton den größten Gesangsanteil und weiß seine Stimme gut einzusetzen – leider gehen die originellen Texte dabei nahezu vollständig unter.

Das Premierenpublikum ist begeistert. Ein wenig nachdenklich verlässt man nach der Vorstellung das Theater, geht durch die winterlichen Straßen Wiens und stellt die Frage: Was ist normal?


Musikalische Leitung: Kyrre Kvam • Regie: Ruth Brauer-Kvam • Choreografie: Lukas Strasser • Bühne: Michaela Mandel • Kostüme: Alfred Mayerhofer • Licht: Friedrich Rom • Sounddesign: Maximilian Antoniadis • Mit: Robert Slivovsky (Anton Lenzmeier), Florian Carove (Professor Heinrich Schöller), Caroline Frank (Helene von Malzpichler), Sebastian Wendelin (Leo Schöller), Gerhard Kasal (Balduin Bernhardi), Doris Hindinger (Ruth Lenzmeier) • Band: Kyrre Kvam, Lukas Knöfler, Orges Toce

Aufmacherfoto: Rita Newman

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