Pre general COMPANY CreditPhoto Magali Dougados 02 | MUSICAL TODAY

Company

Liebesflüstern im Großstadt-Dschungel

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oRT
Grand Théâtre de Genève
von
Stephen Sondheim (Musik und Liedtexte)
George Furth (Buch)
Stéphane Laporte (Französische Dialoge)
Regie
James Bonas
Uraufführung
1970

Sondheim vom Besten mit „Company“

Musicals von Stephen Sondheim sind fast immer gegen den Mainstream-Strich gebürstet, selten gefällig und hatten es in Mitteleuropa lange schwer, Fuß zu fassen. Das ändert sich langsam, in Deutschland und auch im frankophonen Sprachraum. „Company“, 1970 mit Erfolg von Star-Regisseur Harold Prince am Broadway aus der Taufe gehoben, kam im vergangenen Jahr erstmals in der Opéra de Massy auf eine französische Bühne. Mit einer begeisternden Aufführung, die das Publikum entsprechend goutiert, gastiert diese Koproduktion mehrerer Opernhäuser nun im Bâtiment des Forces Motrices, dem aufgehübschten Ausweichquartier des Grand Théâtre de Genève.

Buchautor George Furth lieferte die Vorlage: elf Episoden, Einblicke in einen urbanen, wohlsituierten Freundeskreis mit Menschen zwischen 30 und 40, erprobt in Beziehungsfragen, in unterschiedlichen Konstellationen liiert. Bis auf Robert, der bindungstechnisch ziemlich unentschlossen agiert. An seinem 35. Geburtstag wird er während einer Überraschungsparty von der gesamten Clique zu mehr Entscheidungsfreude gedrängt. Doch es klappt irgendwie nicht recht mit dem Liebesflüstern im Großstadt-Dschungel, mal ein Flirt vielleicht, ansonsten bestenfalls ein bisschen Heirat. Sondheim entwickelte daraus ein modernes Musical mit Witz und Hintersinn, nie seicht, aber enorm unterhaltsam, wie die Inszenierung von James Bonas eindrucksvoll unterstreicht.

Das Musical rückt die konventionelle Ehe keineswegs als Nonplusultra ins Zentrum, sondern offenbart hinter den auf Solidität geputzten Fassaden manche Risse. Da zeigen sich verborgene, unartikulierte Wünsche, das Knistern schlecht kompensierter Desillusionierung, sublimierte Neurosen und heimliche Süchte. Ohne diese leicht toxische Gemengelage satirisch zuzuspitzen, führt die Regie sämtliche Protagonisten sensibel und stringent auf das rutschige Parkett aus zerplatzten Hoffnungen, Lügen und fragwürdiger Kompromisse, die sich mit dem Status Quo notdürftig zufriedengeben. Bonas gönnt den Dialogen ein gemächliches Tempo und schafft Platz für Situationskomik.

Loïc Suberville ist Robert: ein nicht mehr ganz junger Mann ohne klare Orientierung, zerrissen zwischen hohem Anspruch und davon reduzierter Wirklichkeit, suchend, weniger erwachsen als wankelmütig. Die anderen, seine Freunde, reden zu, spornen an, liefern Tipps mit moralischem Beigeschmack und sind selbst verheddert im Labyrinth teilweise bereits abgestandener und offenbar ausgereizter Partnerschaften. Kleine Alltagsgeschichten reihen sich zur höchst amüsanten Kette aus gepflegter Langeweile, Besserwissereien, ersehnten Aufbrüchen und abgestorbener Fantasie. Die Regie gönnt den erstklassigen Protagonisten einige Freiräume, um die inneren und äußeren Zustände markant auszuloten, zu vitalisieren sowie konturscharfe Charaktere zu gestalten. Die im englischen Original gesungenen Songs befeuern das, liefern Kommentare und tiefere Einsichten in die Gefühle.

Dirigent Larry Blank, Broadway-Experte mit drei Tony-Nominierungen, und das Orchestre de la Suisse Romande gehen erfreulich sorgfältig und sehr kompetent mit den delikaten Songs um, verleihen ihnen frischen Pepp, flotte Dynamik und Eleganz, besonders in „You Could Drive a Person Crazy“, „The Ladies Who Lunch“ und gipfelnd im formidablen Show-Stopper „Side By Side“.

Die Inszenierung holt den Plot unaufgesetzt ins heutige New York. Das Stück antizipierte spätere Erfolgsserien wie „Sex in the City“ oder „Desperate Housewives“. Metropolen-Flair verkünden die Kostüme von Nathalie Pallandre und das rasant wandelbare Bühnenbild von Barbara de Limburg: Augenweide mit Farbeffekten, garniert mit Video-Sequenzen von Anouar Brissel. Bis ins kleinste Detail passt in dieser fein gedrechselten Produktion alles perfekt zusammen, zum Beispiel Ewan Jones’ Hingucker-Choreografie mit viel Esprit und Bewegung. Jeanne Jerosme (Amy), Jasmine Roy (Joanne), Neïma Naouri (Marta), Marion Preïté (Sarah), Sinan Bertrand (Paul), Camille Mesnard (Susan) und die übrigen Akteure zeigen Sondheim vom Besten. Am Ende prasselt tosender Applaus durch die Spielstätte.


Musikalische Leitung: Larry Blank • Regie: James Bonas • Choreografie: Ewan Jones • Bühne: Barbara de Limburg • Kostüme: Nathalie Pallandre • Licht: Christophe Chaupin • Videodesign: Anouar Brissel • Sounddesign: Unisson Design • Mit: Loïc Suberville (Robert), Jasmine Roy (Joanne), Jeanne Jerosme (Amy), Neïma Naouri (Marta), Mélanie Paiement (April), Eva Gentili (Jenny), Scott Emerson (Larry), Sinan Bertrand (Paul), Arnaud Masclet (Harry), Joseph De Cange (Peter), Nathan Desnyder (David), Marion Preïté (Sarah), Camille Mesnard (Susan), Myriana Hatchi (Kathy) • Orchestre de la Suisse Romande

Aufmacherfoto: Magali Dougados

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