WBALT Tour 22 | MUSICAL TODAY

Wenn Bühne auf Leben trifft

Hauptdarsteller im eigenen Leben

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Manfred Hertlein Entertainment GmbH (Capitol Theater)
von
Elisabeth Köstner (Buch)
Regie
Elisabeth Köstner
Uraufführung
2026

„That’s Entertainment“ – „Wenn Bühne auf Leben trifft“

Derzeit touren Lisa Habermann und Jan Ammann gemeinsam mit ihrem Programm „Wenn Bühne auf Leben trifft“ durch Deutschland. Die Schnittstellen von Bühne und Privatleben sinnvoll zu integrieren, scheint die gemeinsame Lebensaufgabe des Künstlerpaares zu sein. Davon erzählt dieser besondere Abend, der weit mehr ist als ein Musical-Highlight-Konzert oder Fan-Event.

Während der Show treten die beiden hinter den kunstvoll inszenierten Figuren „Lisa“ und „Jan“ zurück. So kann das Paar Habermann-Ammann das eigene Privatleben schützen. Im Zeitalter der Digitalisierung und der oft überproportionalen Gewichtung der Sozialen Medien, die oft alles andere als sozial sind, wird dies immer schwieriger. Augenzwinkernd nimmt die Show (Un-)Social-Media immer wieder direkt und indirekt auf die Schippe. Außerdem wird aufgezeigt, dass Künstlerpersönlichkeiten – und damit Menschen des öffentlichen Lebens – letztlich nichts anderes sind, als eben genau das: nämlich Menschen mit Schwächen, mit Konflikten, mit Ängsten und vor allem mit Würde.

Unter der feinen Regie Elisabeth Köstners entsteht beim Publikum der Eindruck, hinter die Kulissen des Künstlerlebens zu blicken und ganz nah an die Persönlichkeiten heranzurücken. Spätestens als die beiden sich auf die Rampe setzen, um Zuschauerfragen aus der „Wahrheits-Box“ zu beantworten, wirken Lisa Habermann und Jan Ammann besonders nahbar, authentisch und ihren kunstvoll gestalteten Rollen ein wenig entrückt. Grundsätzlich scheint die vierte Wand an diesem Abend nicht zu bestehen: Die direkte Ansprache als Kunstgriff trägt den Abend, sodass der Zuschauer durchgehend das Gefühl hat, Teil der Show zu sein.

Die Geschichte von Jan und Lisa bewegt immer wieder die Frage „Was wäre gewesen, wenn …?“. Schließlich kommen beide zu dem Schluss, im eigenen Leben angekommen zu sein. Gleichzeitig regt ihre gemeinsame Geschichte den Zuschauer an, fern jedes Fankults im eigenen Leben zu forschen und herauszufinden, was es auch bei sich selbst Gutes gibt. Dazu werden verschiedene Spielarten wie das der „Stillen Post“ genutzt, bei der auch wildfremde aufeinander zugehen bzw. näher rücken.

Getragen wird der Abend außerdem durch viel Witz und Selbstironie sowie hervorragenden Live-Gesang. Ein Best-of wird hier jedoch nicht abgehandelt. Die Setlist folgt einer klaren Linie, die das eine oder andere Fan-Herz vielleicht enttäuschen mag. Auch wenn Ammanns Paraderolle des Grafen von Krolock immer wieder mit ihm durchzugehen scheint, stimmt er letztlich nicht ein einziges Stück aus „Tanz der Vampire“ an. Eher geht es um die Songs, die Lisa Habermann und Jan Ammann ein Leben lang bereits begleiten und schließlich auch zueinander führten.

Lisa Habermann stellt mit ihrer Interpretation von „Das Farbenspiel des Winds“ aus „Pocahontas“ die emotionale Tragkraft ihres klaren Soprans unter Beweis. Mit „Run to the Hills“ von Iron Maiden kokettiert Jan Ammann mit rockigen Tönen. Ihre Duette wie „Ich weiß nicht, wer du bist“ aus „Robin Hood“, „Jetzt“ aus „Doktor Schiwago“ und „Lass’ mich dich nicht lieben“ aus „Dracula“ erzählen, wie die Grenzen zwischen ihren Figuren und ihren persönlichen Geschichten immer wieder zu verschwimmen scheinen.

Am Keyboard begleitet Marcos Padotzke die Soli und Duette in deutlich reduzierten Arrangements. Elisabeth Köstners Inszenierung verbindet Musik, persönliche Geschichten und humorvolle Begegnungen zu einem unterhaltsamen Ganzen. Jan Ammann und Lisa Habermann erzählen ihre eigene Geschichte nach Drehbuch mit der klaren Message, dass alles gut sein darf, so, wie es ist.


Musikalische Leitung und Piano: Marcos Padotzke • Regie: Elisabeth Köstner • Mit: Lisa Habermann, Jan Ammann

Aufmacherfoto: Melanie Renker

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