
„3 Musketiere“ in der Nikolaikirche macht vieles richtig und tut keinem weh
Freibergs Nikolaikirche ist mal wieder zum Musicalpalast geworden, diesmal mit „3 Musketiere“ der Bolland-Brüder. Die Brüder Rob und Ferdi, die in den 1980ern für Falco komponierten, hatten das Stück für die damalige Stage Entertainment entwickelt. Seit 2003 ist es vor allem in den Niederlanden und Deutschland zu erleben, gerne auf Freilichtbühnen. In Sachsen haben die Landesbühnen für den Sommer in Rathen eine Inszenierung angekündigt. So ist das Werk auch gut in Freiberg spielbar.
Musicalproduktionen in der Nikolaikirche haben inzwischen Tradition. Bühnenaufbau, Orchesterposition, Licht und Ton sind erprobt. Auch dieses Mal besteht die Dekoration aus zwei fahrbaren Treppen, die sich unterschiedlich zusammensetzen lassen und mit wenigen Accessoires zum Schaubudentheater, Thronsaal, Schmugglerschiff und zur Kutsche werden, einen Kerker und einen Klosterturm darstellen und immer wieder schnell verschwinden, um Freifläche für Chortableaus oder wirkungsvoll choreografierte Fechtszenen zu schaffen.
Einige für das Musicalfach spezifisch ausgebildete Darsteller gehören zum Ensemble, andere Sängerinnen aus dem Solo- oder Chorensemble haben inzwischen einige Routine im Fach. Weitere Protagonisten engagiert man zielgerichtet für die Produktionen, die en suite in der profanierten Kirche gegenüber des Freibergers Theaters gespielt werden.
So war Yannik Gräf, Darsteller des d’Artagnan, bereits als Cliff Bradshaw, als Vampirjäger van Helsing in „Dracula“, Pascha in „Doktor Schiwago“ oder als böser Widersacher Anastasius in der „Päpstin“ zu erleben. Anna Burger, hier die listenreiche Lady de Winter, überzeugte als Sally Bowles, Dracula- und Schiwago-Geliebte sowie als Päpstin. Der Darsteller des Richelieu wiederum, Alexander Donesch, war als Conférencier, Dracula, Schiwago und als vertrauter Beschützer der „Päpstin“ zu erleben. Paola Alcocer setzt hier als Königin Anna einen gesanglichen Akzent abseits der Musicaltechnik der langen Extremtöne.
Auch Regisseur und Choreograf Manfred Ohnoutka ist nicht neu, hat er doch schon „Die Päpstin“ hier in Szene gesetzt. Diese Konstanz führt dazu, dass im Premierenpublikum eine ganze Reihe von begeisterten Fans zu sehen – und beim Applaus zu hören – ist. Sie bekommen genau das, was sie erwarten: eine ergreifende Story mit Liebe, Hass und Eifersucht, mit tragischen Akzenten, aber gutem Ende. Mantel-und-Degen-Romantik, wie man sie auf dem Theater realisieren kann. Dabei werden die Figuren so geradlinig wie möglich erzählt. Mögliche Irritationen – etwa, dass Lady de Winter vielleicht selbst Opfer und eine missbrauchte Liebende sein könnte – werden konsequent vermieden.
Ausstatter Lukas Wassmann hat ein paar schöne Effekte mit dem Möglichen gebaut, sei es die Bootsfahrt über den Kanal mit Sturm und Untergang, die wilde Kutschfahrt der Musketiere nach Paris mit vorbeiziehenden Bäumen der durchrasten Chaussee oder den hohen Klosterturm, von dem sich schlussendlich die mörderische Lady in den verdienten Tod stürzt. Seine Kostüme finden einen schönen Kompromiss zwischen den Erwartungen, einem augenzwinkernden Blick darauf und den vermutlich begrenzten Ressourcen des kleinen Theaters in Mittelsachsen.
Die „3 Musketiere“ in Freiberg sind eine sehens- und hörenswerte Musicalproduktion, die die vorhandenen Möglichkeiten ausschöpft, um erwartungsgerecht zu unterhalten, ohne überraschend anders zu sein.
Musikalische Leitung: Jacob Bass • Regie und Choreografie: Manfred Ohnoutka • Fecht-Choreografie: Tamas Mester • Ausstattung: Lukas Wassmann • Choreinstudierung: Andrea Alessandrini und Dana Asnate Eicke-Kļava • Mit: Frank Unger (Conférencier), Stefanie Metzler (Schauspielerin), Yannik Gräf (D’Artagnan), Anna Burger (Milady), Michaela Bär (Constance), Stefan Bleiberschnig (Athos), Gregor Roskwitalski (Porthos), Fabian Vogt (Aramis), Alexander Donesch (Kardinal Richelieu), Jakob Mitterrutzner (König Ludwig), Paola Alcocer (Königin Anna), Tamas Mester (Rochefort), Emery Escher (Herzog von Buckingham), Markus Gille (James) u.a.
Aufmacherfoto: Albrecht Holländer




