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5Y2A0242 | MUSICAL TODAY

Tischlein, deck dich!

Einfach gut

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Venue
Brüder Grimm Festspiele Hanau
by
Marian Lux (Musik)
Wolfgang Adenberg (Buch und Liedtexte)
Tristan Braun (Dialogfassung)
Direction
Tristan Braun
World premiere
2026

„Tischlein, deck dich!“ ist ein schöner Spaß – und grausam zugleich

Kommt Intendant Frank-Lorenz Engel vor Beginn der Show auf die Bühne, so hat das im regulären Spielbetrieb meist nichts Gutes zu bedeuten. In der besuchten Vorstellung des neuen Musicals „Tischlein, deck dich!“, kaum mehr als eine Woche nach der Uraufführung, muss Andreas Bieber den Bürgermeister Björn Schneider mit gebrochenem Fuß spielen, Josefine Rau als dessen Tochter Katharina fehlt krankheitsbedingt.

Gleich vorweg: Einspringerin Antonia Wortberg macht ihre Sache hervorragend. Und Andreas Bieber? Der baut seinen „Klumpfuß“ (Bühnenzitat) gleich in die Handlung mit ein und tanzt zudem „wie normal“ durch die Gegend. Er ist es auch, der die Inszenierung von Tristan Braun anführt. Voll und ganz ein guter und liebevoller Bürgermeister von Grimmweiler, tut er alles für seine Mitbürgerinnen und Mitbürger. Selbst als sie ihn abwählen, findet er wieder Kraft und Mut, seine Stadt zu retten. Komponist Marian Lux hat Bieber zudem besonders starke Nummern auf den Leib geschrieben, die im Ohr hängen bleiben und für viel Applaus sorgen. Die Songs sind auf der einen Seite familienfreundlich, dabei aber niemals banal. Im Gegenteil: Große melodische Bögen, emotionale Balladen, starke Ensemblenummern und ein passender Underscore zeichnen die gesamte Show aus.

Der betrügerische Kneipenwirt von Grimmweiler heißt Alfons Knickel, gespielt von Tim Al-Windawe.

Er verdünnt das Bier, verkauft Essensreste erneut und verspricht dem Volk, da er Bürgermeister werden will, das Blaue vom Himmel. Am Ende stellt sich heraus, dass er für das Sterben aller Tiere im Ort verantwortlich war. Doch der Weg bis zu dieser Erkenntnis ist weit und so erstaunt es nicht, dass seine einst schäbigen Räume auf einmal in Weiß und Gold mit viel Prunk erscheinen. Die Anspielungen auf die Veränderungen im Weißen Haus sind unverkennbar (Bühne: Tilmann von Blomberg), ebenso wie solche auf die NS-Zeit und der allgegenwärtige spürbare Rechtsruck. Al-Windawe stellt sich seiner Rolle mit der gebotenen Ernsthaftigkeit und wird so zum Gegenspieler. Gleichwohl gelingt es auch ihm, die Aufführung für Kinder spannend auszugestalten, indem er den Bösen glaubhaft darstellt.

Ihm zur Seite steht die ebenfalls böse Hexe Dabra Caprana, der Sophia Euskirchen fies und ekelig Leben einhaucht. Nachdem sie der Wirt in ihrem Heim besucht, das an ein Cabaret aus den 1920er Jahren erinnert, verfällt er ihr und das Unheil beginnt. Sie sorgt mit viel Liste dafür, dass sich die Menschen aus dem Dorf nach und nach vom Guten abwenden. Auch sie bekommt einen starken Pop-Song, der verführerisch und verrucht klingt.

Zum Glück gibt es die weise Magierin Gundik, der Antje Eckermann magisches Leben einhaucht.

Gundik war einst die Lehrmeisterin der bösen Hexe, die jedoch vergaß, ihr Herz sprechen zu lassen. Durch sie kommen das berühmte Tischlein, der Esel und der Knüppel zum Einsatz, die am Ende dafür sorgen, dass alles wieder gut wird.

Nicht unerwähnt bleiben sollen Tim Taucher und Charlotte Katzer (als Kinder des Bürgermeisters Schneider) und Sebastian Prange (der Sohn des Wirts). Sie führen das weitere Ensemble mit sehr viel Spielfreude und Energie an und leisten auch gesanglich beste Arbeit. Wie das gesamte Team sind sie stets präsent und achten darauf, immer wieder auch die Kinder im Publikum anzuspielen.

Kurz: Das Buch Wolfgang Adenberg und alles, was daraus entstanden ist, garantieren beste Unterhaltung für Groß und Klein. Gar nicht so einfach – und einfach gut gelungen.


Musikalische Leitung: Dominik Franke • Regie: Tristan Braun • Choreografie: David Hartland • Bühne: Tilmann von Blomberg • Kostüme: Anke Küper und Kerstin Laackmann • Maske: Wiebke Quenzel • Mit: Andreas Bieber (Björn Schneider), Tim Al-Windawe (Alfons Knickel), Sophia Euskirchen (Dabra Caprana), Annette Potempa (Thekla Knickel), Sebastian Prange (Tim Knickel), Antonia Wortberg (Katharina Schneider), Charlotte Katzer (Elisabeth Schneider), Tim Taucher (Philipp Schneider), Antje Eckermann (Gundik/Eva Christensen), Jonas Blahowetz (Hugo Czerwinski u.a.), Svea Harder (Luisa Higgs u.a.), Verena Bonnkirch (Olivia Block u.a.), Timo Stacey (Marco Mazza/Knüppel)

Aufmacherfoto: Brüder Grimm Festspiele Hanau/Hendrik Nix

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