
„Mamma Mia!“ verbindet Disco-Glanz, Dialektwitz und große Emotionen
Die aktuelle Zürcher Inszenierung von „Mamma Mia!“ in der MAAG Halle erinnert stark an die erfolgreiche Produktion bei den Thunerseespielen 2018. Dominik Flaschka führt Regie, Jonathan Huor choreografiert, Stephan Prattes gestaltet das Bühnenbild, Kathrin Baumberger entwirft die Kostüme – fast alle zentralen kreativen Köpfe sind dieselben und auch im Ensemble sieht man zahlreiche vertraute Gesichter. Gleichzeitig steht mit Sandra Studer als Donna ein neuer Publikumsmagnet auf der Bühne. Die Produktion besticht durch Tempo, Spielfreude und ein Ensemble, das das Publikum von Anfang an mitreißt.
Die Geschichte um Donna, ihre Tochter Sophie und die drei potenziellen Väter lebt von emotionaler Direktheit und den zeitlosen ABBA-Songs. Roman Riklins Übersetzung der Songtexte ins Schweizerdeutsche verleiht Musik und Inszenierung zusätzliche Emotionalität und Nähe, die verschiedenen Schweizer Dialekte der drei Väter sorgen für pointierten Humor. Dass die beliebtesten Mundarten gewählt wurden, ist sicher kein Zufall.
Flaschkas Regie setzt auf Unterhaltung, Rhythmus und Energie. Sein Konzept geht sichtlich auf: Das Publikum zeigt keine Spur von schweizerischer Zurückhaltung und feiert von den ersten Songs an begeistert mit. Auffällig ist die Akustik: Gerade im ersten Akt ist die hervorragend spielende Liveband unter Leitung von Anja Fischer stellenweise zu dominant. Nach der Pause scheint die Balance deutlich besser austariert.
Im Zentrum des Abends steht Sandra Studer als Donna. Spätestens seit sie den letztjährigen ESC in Basel moderiert hat, ist sie auch beim jüngeren Publikum schweizweit bekannt. Authentizität, Bühnenpräsenz und ihre warme, klare Stimme machen sie zur Sympathieträgerin. Judith von Orelli überzeugt als Sophie mit toller Stimme und großer Spielfreude. Gigi Moto als Rosie und Patricia Hodell als Tanya bilden gemeinsam mit Studer ein äußerst energiegeladenes Dynamo-Trio. Die drei Damen bringen so viel Energie auf die Bühne, dass es nur so Funken sprüht! Moto und Hodell erreichen in ihren Soli eine unterhaltungstechnische Höchstleistung.
Auch die männlichen Hauptrollen sind hervorragend besetzt. Nathanael Schaer, der in Thun noch Harry spielte, überzeugt nun als Sam mit besonderer Stimmfarbe und sehr starken Solo-Momenten. Eric Hättenschwiler verkörpert Bill mit viel Charme und komödiantischem Talent, während Diego Valsecchi als Harry mit frischen gesanglichen und komödiantischen Akzenten begeistert.
Eine der wenigen Schwächen zeigt sich beim Bühnenbild von Stephan Prattes. Die Containerlandschaft im Hintergrund, Donnas Taverne in der Mitte und die Bar links sind eine direkte Übertragung der groß dimensionierten Thunersee-Produktion auf die deutlich kleinere Bühne der MAAG Halle. Dadurch entsteht ein überladenes Gesamtbild, etwas mehr Luft hätte gutgetan. Umso besser funktioniert die Choreografie von Jonathan Huor. Die Tanzszenen verleihen den Songs zusätzliche Dynamik, bleiben präzise und unterstützen den Spielfluss wirkungsvoll. Ein besonderes Highlight ist auch hier wieder das „Schwimmflossenballett“.
Das Lichtdesign von Christian Joller ist funktional, setzt mit den kleinen Rundlampen und den farbigen LED-Elementen aber stimmige Akzente. Besonders gelungen sind Kathrin Baumbergers Kostüme, die sommerliche Leichtigkeit mit modernem Glamour verbinden. Vor allem in Sophies Albtraumszene gibt es überzeichnete Extravaganzen mit glitzernden Outfits zu sehen, die aus der Garderobe von Lady Gaga stammen könnten.
Diese Zürcher „Mamma Mia!“-Produktion macht das Erfolgsstück authentisch schweizerisch. Die Mundartfassung verleiht der Geschichte zusätzliche Nähe und Emotionalität. Ein hervorragend aufgelegtes Ensemble und eine charismatische sowie authentische Sandra Studer sorgen für einen Abend voller Herz, Humor und musikalischer Energie, der das Publikum immer wieder zu Begeisterungsstürmen hinreißt.
Music Supervision: Jörg Hilger • Musikalische Leitung: Anja Fischer • Regie: Dominik Flaschka • Choreografie: Jonathan Huor • Bühne: Stephan Prattes • Kostüme: Kathrin Baumberger • Maske: Katja Jequier • Licht: Christian Joller • Sounddesign: Jögs Andrighetto • Mit: Sandra Studer (Donna), Judith von Orelli (Sophie), Patricia Hodell (Tanya), Gigi Moto (Rosie), Nathanael Schaer (Sam), Eric Hättenschwiler (Bill), Diego Valsecchi (Harry), Adrian Burri (Sky), Tiziana Lockridge (Ali), Mareen Beutler (Lisa), Rico Salathe (Chili), Sven Geiger (Eddie), Fabbio Romano (Pfarrer) u.a.
Aufmacherfoto: René Tanner




