2026 05 RUDOLF Boehmlaender S6A9049 | MUSICAL TODAY

Rudolf – Der letzte Kuss

Du bist meine Welt

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Venue
Festspielhaus Neuschwanstein (Füssen)
by
Frank Wildhorn (Musik)
Jack Murphy (Buch und Liedtexte)
Christian Struppeck (Buch-Adaption)
Wolfgang Adenberg (Neue deutsche Übersetzung)
Direction
Alex Balga
World premiere
2006

Mit „Rudolf“ reißt der Wiener Kaiserhof das Publikum am Forggensee von den Sitzen

In seiner Premierenansprache nennt Bayerns Kunstminister Markus Blume die neue Produktion „Rudolf – Der letzte Kuss“ scherzhaft den nächsten Teil des „Füssener Rings“. Nach „Ludwig²“ und „Elisabeth“ ist im Schatten des weltberühmten Schlosses nun der dritte königliche Musicalabend im Festspielhaus Neuschwanstein zu erleben.

Bereits im Vorfeld hatte die angekündigte Kooperation mit den Vereinigten Bühnen Wien hohe Erwartungen geweckt. Dass die große emotionale Kraft der Musik den gesamten Abend trägt, ist dabei in erster Linie das Verdienst von Regisseur Alex Balga und Choreograf Jonathan Huor. Statt das Werk zwanghaft zu modernisieren, vertrauen sie konsequent auf die Stärke der Geschichte und ihrer Figuren. Sie legen den Fokus auf die inneren Konflikte der Charaktere, auf die Brüche zwischen höfischer Fassade und persönlicher Verzweiflung. Dabei gelingt eine fein austarierte Balance zwischen repräsentativer Etikette und emotionaler Intimität.

Besonders eindrucksvoll ist auch die Nutzung der riesigen Füssener Bühne, die selten zuvor so variabel, fantasievoll und atmosphärisch dicht bespielt wurde. Morgan Large schafft monumentale Räume, kalte Perspektiven und beklemmende Bildwelten – eine permanente Bedrohung innerhalb dieser höfischen Welt ist deutlich spürbar. Die prachtvollen Kostüme von Aleksandra Kica sind dabei nie nur dekorativ, sondern zeigen deutlich die sozialen Zwänge und Machtstrukturen der Zeit.

Zusammen entfalten diese Elemente die große musikalische Opulenz von Frank Wildhorns Komposition. Man setzt auf große Gefühle, starke Bilder und eine klassische Hingabe an das emotionale Erzählen – zusätzlich getragen von der hervorragend gelungenen, intelligenten Buch-Neufassung (Adaption: Christian Struppeck / neue Übersetzung: Wolfgang Adenberg). Dass die Geschichte um Kronprinz Rudolf nun ihren Weg nach Füssen gefunden hat, erscheint folgerichtig: Wie die Legende um Ludwig II. lebt auch die Tragödie von Mayerling von Sehnsucht, innerer Zerrissenheit und dem Scheitern eines Menschen an den Erwartungen seiner Zeit.

Im Zentrum des Abends steht ein herausragender Oedo Kuipers als Rudolf. Mit enormer Bühnenpräsenz und beeindruckender stimmlicher Intensität zeichnet er das Bild eines zutiefst verletzlichen Menschen, der zwischen Pflicht, Freiheitsdrang und Selbstzerstörung zunehmend zerrieben wird. Vor allem in den stilleren Momenten entwickelt Kuipers eine betörende Spannung. Seine Darstellung wirkt dabei nie überhöht oder zu pathetisch, sondern bleibt jederzeit glaubwürdig und vor allem menschlich.

Doch wäre es ungerecht, den Erfolg dieser Premiere allein an ihm festzumachen. Das gesamte Ensemble bewegt sich auf äußerst hohem Niveau. Katia Bischoff überzeugt als Mary Vetsera mit großer Emotionalität und glaubhafter Verletzlichkeit – gerade in den gemeinsamen Szenen mit Kuipers entsteht eine berührende Mischung aus Nähe, Hoffnung und Tragik. Felix Martin verleiht Kaiser Franz Joseph jene kühle Autorität und Strenge, die man von der historischen Vorlage zu kennen glaubt. Barbara Obermeier setzt als Marie Gräfin Larisch markante Akzente, während Lucius Wolter (Eduard Graf Taaffe) dem politischen Umfeld die notwendige Kälte und Schärfe verleiht.

Eine besondere Stärke des Abends liegt hier in der Handschrift von Jonathan Huor, der einmal mehr vermag, selbst kleinen Rollen eine „Seele“ einzuhauchen: Diese Produktion nimmt ihre Figuren ernst und versteckt deren Tragik nie hinter Ironie oder Distanz. Dementsprechend geschlossen agiert das Ensemble im Vertrauen auf die unmittelbare Wirkung der Geschichte. Es entsteht eine emotionale Wucht, der sich kaum jemand entziehen kann, und die konsequente Fortsetzung der Füssener Linie großer emotionaler Erzählungen. Ein intensiver und bejubelter Premierenabend – auch für Komponist Frank Wildhorn, der eigens zur Premiere angereist ist.


Musikalische Leitung: Koen Schoots • Regie: Alex Balga • Choreografie: Jonathan Huor • Bühne: Morgan Large • Kostüme: Aleksandra Kica • Haar- und Make-up-Design: Daniela Skala • Licht: Michael Grundner • Mit: Oedo Kuipers (Kronprinz Rudolf), Katia Bischoff (Mary Baronesse Vetsera), Felix Martin (Kaiser Franz Joseph), Kristine Emde (Kronprinzessin Stephanie), Lucius Wolter (Eduard Graf Taffee), Barbara Obermeier (Marie Gräfin Larisch), André Bauer (Moritz Szeps), Matthias Trattner (Wiligut), Christoph Apfelbeck (Graf Gyula Andrássy), Rinus Render (Graf István Károlyi), Christian Sattler (Heinrich Vogelsang), Arvid Assarsson (Edward Prince of Wales), Jakob Pinter (Kaiser Wilhelm II.), Robert D. Marx (Graf von Braganza), Thijs Kobes (Johann Loschek), Kristin Backes (Mizzi Kaspar), Liam Bonafede (Kleiner Rudolf) u.a. • Bohemian Symphony Orchestra Prag

Aufmacherfoto: Michael Böhmländer

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