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Nix gibt’s! Die große Renten-Revue

Steppen gegen Altersarmut

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Venue
glanz&krawall & Theater Thikwa
by
Sarah Taylor Ellis und Jana Sotzko (Musik)
Dennis Depta, Marielle Sterra und Ensemble (Buch und Liedtexte)
Direction
Marielle Sterra
World premiere
2026

„Nix Gibt’s“ als große Renten-Revue

Das Thema ist emotional aufgeladen, wird kontrovers diskutiert, weckt vor allem Ängste und wenig Hoffnung: Wie geht es weiter mit der Rente, müssen wir irgendwann bis mindestens 70 malochen und dann mit spärlicher Alimentierung über die Runden kommen? Ein Horror-Szenario – und wohl kaum Stoff für Unterhaltung. Die spartenübergreifende Theatergruppe „glanz&krawall“ probiert es trotzdem und platziert in Kooperation mit dem kleinen Berliner Theater Thikwa einen beachtlichen, künstlerisch ambitionierten Erfolg. „Nix gibt’s“ lautet der Titel einer Revue über die Kalamitäten der deutschen Altersvorsorge.

Manches Ungemach droht: Armut, Wohnungsverlust, Pflegenotstand, mangelhafte medizinische Versorgung. Trübe Perspektiven und dann noch das bleiche Gespenst vom demografischen Wandel. Dennis Depta und Marielle Sterra schnitzten mit dem gesamten Ensemble aus der düsteren Realität ein flottes Stück mit gewitzten Texten, das an politische Revuen von Erwin Piscator aus der Weimarer Republik erinnert. Auch damals ging es inhaltlich um heiße Eisen, die mit Schmiss und Amüsement aufbereitet wurden.

Musikalisch sind in „Nix gibt’s“ Sarah Taylor Ellis und Jana Sotzko. Beide leiten zugleich die prächtig aufgedrehte Combo, sind für den beschwingt heiteren Beigeschmack verantwortlich und fahren eine herrliche Parade eingängiger Songs wie „Der längste Urlaub“, „Willkommen in der gRV“ oder „Der letzte Vorhang“ auf, die dem Publikum auf Anhieb gefallen. Aus den gelungenen Zutaten entsteht ein Musical mit knappen Dialogen und rasantem Tempo.

Bemerkenswert, wie gut die leichte Muse für diesen eigentlich todernsten Plot passt. Da wird nichts banalisiert oder krachledern auf die Schippe genommen, sondern klug bedacht ein Spagat zwischen Ruhegeld und ausgelassenem Rhythmus vollzogen. Choreograf Christian Schwaan schöpft in seinen Bewegungsabläufen aus dem Vollen. Regisseurin Marielle Sterra zurrt alle Fäden auf den Punkt, garantiert Spaß, Spannung ohne seichte Sauce und lässt das leidenschaftlich agierende Ensemble virtuos durch die Handlung spazieren, garniert mit Stepptanz, Wortakrobatik, Magie, Agitprop und Aerobic. So locker und spaßig ist die gesetzliche Rentenversicherung in den 137 Jahren ihrer Existenz noch nie auf dem Prüfstand gelandet.

Bühnenbild (Raissa Kankelfitz) und Kostüme (Hsuan Huang) sorgen üppig für Gold und Glitzer, um das Stück in Schwung zu bringen. Selbst eine Show-Treppe gehört dazu, obwohl diese im Verlauf teilweise demontiert wird und assoziativ in den Abgrund führt. Die Akteure treten mit ihren Vornamen in wechselnden Rollen auf. Eine wahre Wonne, was sie auf die Beine stellen: Ismail Arslantürk, Rudina Bejtuli, Sarah Taylor Ellis, Yasmina Hempel, Lisa Heinrici, Chrissi Hilkens, Manuela Langkowski, Jasmin Lutze, Vincent Martinez, Christian Schwaan, Jana Sotzko und Christian Wollert werfen sich mit praller Verve ins Geschehen.

Der Titel „Nix gibt’s“ führt in die Irre, denn „glanz&krawall“ und das Theater Thikwa kredenzen viel, samt Publikumsbeteiligung – eine Revue mit Tiefgang und enormem Vergnügen.


Musikalische Leitung: Sarah Taylor Ellis und Jana Sotzko • Konzept und Künstlerische Leitung: Dennis Depta und Marielle Sterra (glanz&krawall) • Regie: Marielle Sterra • Choreografie: Christian Schwaan • Bühne: Raissa Kankelfitz • Kostüme: Hsuan Huang • Licht: Josef Maaß • Sounddesign: Benjamin Graf • Dramaturgie: Dennis Depta • Mit: Ismail Arslantürk, Rudina Bejtuli, Sarah Taylor Ellis, Yasmina Hempel, Lisa Heinrici, Chrissi Hilkens, Manuela Langkowski, Jasmin Lutze, Vincent Martinez, Christian Schwaan, Jana Sotzko, Christian Wollert

Aufmacherfoto: Peter van Heesen/peter@vanheesen.de

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