020 Edit A Mirrored Monet Pamela Raith Photography | MUSICAL TODAY

A Mirrored Monet – The Musical

Impressionistische Vignetten

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Charing Cross Theatre
von
Carmel Owen (Musik, Buch und Liedtexte)
Regie
Christian Durham
Uraufführung
2023

„A Mirrored Monet“ entfaltet das Leben des berühmten Malers in episodischen Bildern 

Gedämpfte Gewehrschüsse, Bombeneinschläge sowie das leise Ticken einer Uhr bilden die Klangkulisse, die das Publikum zu Beginn von „A Mirrored Monet“ erwartet. Nach einer erfolgreichen Produktion beim Edinburgh Fringe Festival 2023 ist das Monet-Musical von Carmel Owen aktuell im Londoner Charing Cross Theatre zu erleben. Der Aufbau des Musicals folgt dem bekannten Muster eines Künstler-Biopics und ist weniger eine kritische Auseinandersetzung als vielmehr eine Liebeserklärung an den französischen Impressionisten.

Das Stück zeigt Claude Monet als alten Mann, der, abgeschottet auf seinem Landsitz Giverny während des Ersten Weltkriegs, sein Leben in episodischen Erinnerungen Revue passieren lässt. Dabei verschränkt das Musical zwei Handlungsstränge: zum einen Monets schwieriges Privatleben und seine Beziehung zu seiner Muse und ersten Frau Camille, zum anderen den Kampf der impressionistischen Maler um Anerkennung in der französischen Kunstszene. Die Aussage des Stücks, dass künstlerischer Erfolg oft durch Opfer im privaten Bereich bezahlt werden muss, ist recht erwartbar, ergibt sich jedoch schlüssig aus dem Handlungsverlauf.

Am Anfang braucht Owens fragmentarisches Buch zwar etwas, um in Fahrt zu kommen und einen roten Faden erkennbar werden zu lassen. Spätestens ab der Mitte des ersten Aktes finden sich jedoch zunehmend liebevoll gestaltete Vignetten, die eine gute Balance aus Humor und Sentimentalität halten. Während das Buch in seiner Episodenhaftigkeit bisweilen einen impressionistischen Duktus annimmt, verzichtet Owen in ihrer Musik bewusst darauf, Monets Maltechnik durch Anklänge an Ravel oder Debussy nachzuzeichnen (wie es Sondheim in „Sunday in the Park with George“ so brillant gelingt, das sich als Vergleichswerk unweigerlich aufdrängt).

Stattdessen setzt Owen in ihrer Partitur auf viele heiter-leichte Nummern, etwa ein „Plein Air“-Ensemble, in dem Monet mit seinen Malerkollegen Auguste Renoir (Sam Peggs) und Frédéric Bazille (Ritesh Manugula) im Wald von Fontainebleau über die Vorzüge der Freiluftmalerei streitet. Auch das bissige „London“, in dem Monet und Camille die Qualitäten des Londoner Nebels ganz unterschiedlich bewerten, gehört zu den stärksten Momenten der Show. Neil Metcalfes farbenreiche Orchestration für eine achtköpfige Band (Musikalische Leitung: Michael Webborn) verstärkt die Wirkung der Partitur spürbar.

Getragen wird das Musical von Jeff Shankley und Dean John-Wilson, die Monet in unterschiedlichen Lebensaltern verkörpern. John-Wilson nimmt man durch sein energetisch-exaltiertes Spiel die Passion und den Übermut des jungen Monets sofort ab. Der vielfach als Erzähler fungierende Shankley liefert dagegen eine geerdete, aber nicht minder aufwühlende Performance, mit der er die resignative Verdrossenheit des alternden Malers eindrucksvoll umsetzt. Aus dem homogenen Ensemble sticht zudem Brooke Bazarian als Camille hervor. Sie bietet mit ebenso viel Natürlichkeit wie emotionaler Ehrlichkeit einen guten Kontrast zu den beiden Monets – und stellt mit der Powerballade „There Are No Stars“ ihre kraftvolle Stimme glänzend unter Beweis.

Das Bühnenbild von Libby Todd ist bewusst reduziert gestaltet, um die vielen Orts- und Zeitwechsel ohne Brüche umsetzen zu können. Durch atmosphärische Videoprojektionen (Matt Powell) werden die weißen Leinwände, die das Atelier auf der Bühne dominieren, zunehmend mit impressionistischen Meisterwerken gefüllt, die gerade im Finale eine transzendente Aura entfalten. Christian Durham gelingt es in seiner kontrollierten Inszenierung, den Figuren ausreichend Raum zur Entwicklung zu lassen und durch genügend Bewegung gleichzeitig Längen zu umgehen. Insgesamt ist „A Mirrored Monet“ ein stimmungsvolles kleines Musical, das zwar weniger durch innovative Dramaturgie oder eine revolutionäre Aussage besticht, dafür aber mit vielen berührenden musikalischen Momenten aufwartet und zum Schwelgen in Monets Bildern einlädt.


Musikalische Leitung: Michael Webborn • Regie: Christian Durham • Bewegungsregie: Heather Douglas • Ausstattung: Libby Todd • Videodesign: Matt Powell • Licht: Jodie Underwood • Sounddesign: Andy Johnson • Mit: Jeff Shankley (Monet), Dean John-Wilson (Young Monet), Brooke Bazarian (Camille), John Addison (Leroy), Natalie Day (Blanche/Suzanne), Ritesh Manugula (Bazille), Sam Peggs (Renoir), Aaron Pryce-Lewis (Manet/Durand-Ruel), Steven Serlin (Marquis)

Aufmacherfoto: Pamela Raith Photography

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