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Tina – The Tina Turner Musical

Simply the Best

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FBM Entertainment (Theater 11 Zürich)
von
Katori Hall, Frank Ketelaar und Kees Prins (Buch)
Nicholas Skilbeck (Zusätzliche Musik)
Regie
Phyllida Lloyd
Uraufführung
2018

„Tina“ überzeugt mit emotionaler Tiefe, starker Besetzung und einer Show der Superlative

Mit dem Tina-Turner-Musical erreicht eine international erfolgreiche Produktion erstmals die Schweiz und kehrt damit an den Ort zurück, der für die US-amerikanische Sängerin zur Wahlheimat wurde. Die von ihr autorisierte Show erzählt ihren Weg von den schwierigen Anfängen zur globalen Ikone. Turners Biografie und die größten Songs werden zu einem runden und stimmigen Ganzen verwoben: ein Vorzeigebeispiel eines wirklich gelungenen Jukebox-Musicals.

Im Zentrum steht Jochebel Ohene MacCarthy in der Titelrolle. Ihre herausragende Leistung ist der Titelfigur würdig. Sie vereint gesangliche Präzision, körperliche Ausdauer und darstellerischen Ausdruck zu einer außergewöhnlich eindringlichen Interpretation und prägt den Abend. Selbst in anspruchsvollsten Choreografien bleibt ihre Stimme kraftvoll – und in den Konzertszenen findet sie scheinbar mühelos auch noch die Energie, mit dem Publikum zu kokettieren. Chapeau!

Die Inszenierung von Phyllida Lloyd setzt auf eine differenzierte, unheroische Erzählweise. Tina Turner erscheint nicht als überhöhte Legende, sondern als vielschichtige Persönlichkeit mit Brüchen, Verletzlichkeit und bemerkenswerter Widerstandskraft. Auch Ike Turner, verkörpert von Caleb Roberts, zeigt sich ambivalent: als kontrollierender, manipulativer und gewalttätiger Partner, zugleich jedoch mit Facetten, die seine Entwicklung zumindest nachvollziehbar machen. Diese Balance verleiht der Produktion erzählerische und emotionale Glaubwürdigkeit und beide Protagonisten erfüllen diesen schauspielerisch hohen Anspruch hervorragend.

Auch die Nebenrollen sind sorgfältig besetzt: Claude East begeistert als Gran Georgeanna mit samtigem Timbre, Samuel Sarpong-Broni überzeugt als Raymond Hill in seinem Song „Let’s Stay Together“, während Caleb Roberts insbesondere in ruhigeren Passagen wie „Be Tender with Me Baby“ gesanglich glänzt. Matt Dempsey (Terry Britten), Isaac Elder (Roger Davies) und Loren Anderson (Alline Bullock) setzen starke komödiantische Akzente. Insgesamt bewegt sich die Qualität des gesamten Ensembles auf sehr hohem Niveau.

Die Ausstattung von Mark Thompson strukturiert die Handlung klar entlang der verschiedenen Lebensphasen. Die Kostüme und Perücken verdeutlichen zudem den sozialen und künstlerischen Aufstieg dieser charismatischen Frau. Besonders eindrücklich sind die zahlreichen, raffiniert auf offener Bühne vollzogenen Kostümwechsel von Jochebel Ohene MacCarthy, die vermutlich dem hohen Rhythmus der Inszenierung geschuldet sind.

Bruno Poets Lichtdesign und die Projektionen von Jeff Sugg übernehmen eine eigenständige dramaturgische Funktion. Sie bewegen sich zwischen visueller Illustration der Geschehnisse, psychedelischen Farbkompositionen und konzertanter Ästhetik und dominieren das Bühnenbild auf eindrückliche Weise. Anthony van Laasts Choreografie ist durchgehend präsent und passt sich stilistisch den jeweiligen Jahrzehnten an. In den Konzertszenen entfaltet sie enorme Energie, während sie in ruhigeren Momenten die Erzählung auf vielfältige und kreative Weise unterstützt und strukturiert.

Die musikalische Umsetzung unter Nicholas Skilbecks Supervision wird von einer Live-Band getragen, die zunächst im Hintergrund bleibt und erst im Finale sichtbar in das Bühnengeschehen integriert wird. Dieser Moment verstärkt die Transformation vom biografischen Musical hin zu einem konzertanten Erlebnis und lanciert einen fulminanten Abschluss, den das Publikum feiert.

Insgesamt überzeugt die Produktion durch die hervorragende Besetzung und eine äußerst gelungene Balance zwischen berührendem Theater und Konzertfeeling. Dadurch entsteht eine Show, die nicht nur musikalisch begeistert, sondern auch emotional berührt. „Tina“ ist weit mehr als ein Hit-Feuerwerk: es ist eine Hommage an eine bemerkenswerte Frau, die Musikgeschichte schrieb und die auch über ihren Tod hinaus in ihrer Wahlheimat Schweiz große Beliebtheit genießt. Entsprechend frenetisch ist der Schlussapplaus. 


Music Supervision: Nicholas Skilbeck • Musikalische Leitung: Sarah Burrell • Regie: Phyllida Lloyd • Choreografie: Anthony Van Laast • Kampfregie: Kate Waters • Ausstattung: Mark Thompson • Projektionen: Jeff Sugg • Licht: Bruno Poet • Sounddesign: Nevin Steinberg • Haar-, Perücken- und Make-up-Design: Campbell Young • Mit: Jochebel Ohene MacCarthy (Tina Turner), Caleb Roberts (Ike Turner), Matt Dempsey (Phil Spector/Terry Britten), William Beckerleg (Erwin Bach), Rushand Chambers (Richard Bullock), Claude East (Gran Georgeanna (GG)), Isaac Elder (Roger Davies), Loren Anderson (Alline Bullock/Ikette), Letitia Hector (Zelma Bullock), Samuel Sarpong-Broni (Raymond Hill), Gemma Sutton (Rhonda Graam), Morgan Broome (Lorraine), D’Mia Lindsay-Walker/Alana Robinson/Jayme-Lee Zanoncello (Ikettes), Noel Samuels (Craig), Ashlee Irish (Ronnie), Richard Taylor Woods (Carpenter/Martyn Ware), Lauren Allan (Toni), Chizaram Ochuba-Okafor (Young Anna Mae Bullock), Mariah Martinez (Young Alline Bullock/Craig) u.a.

Aufmacherfoto: Johan Persson

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