
Ein sehr komischer Ausflug in die „Goldene Ära“ des Broadway
Schon der Name „Schmigadoon!“ erinnert an einen Broadway-Klassiker: „Brigadoon“, das Musical von Frederick Loewe und Alan Jay Lerner aus dem Jahr 1947, in dem zwei amerikanische Touristen über ein geheimnisvolles Dorf in Schottland stolpern, das nur alle 100 Jahre für einen Tag sichtbar wird.
Als Hommage an die Musicals dieser goldenen Ära ließ sich Cinco Paul, der die Geschichte ursprünglich für eine TV-Serie schrieb und auch die Lieder komponierte, von einer Vielzahl bekannter Musicals wie „The Sound of Music“, „Oklahoma!“, „Carousel“ oder „The Music Man“ inspirieren. Das Ergebnis ist derart ausgelassen und gut zusammengestellt, dass man die offensichtlichen Originalquellen dieses außerordentlich kurzweiligen Musicals, in dessen Mittelpunkt eine entzückende, einfache Geschichte steht, nur erahnen kann.
Die beiden Ärzte Josh Skinner und Melissa Gimble arbeiten in einem New Yorker Krankenhaus und sind seit drei Jahren ein Paar, aber Melissa hat die entstandene Monotonie langsam satt. Sie schlägt einen Ausflug in den Wald weit außerhalb der Stadt vor. Zu ihrer Überraschung stoßen sie auf eine Brücke, die sie zu einem kleinen Dorf auf dem Land führt, das aus der Zeit um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert stammt und sich seitdem nicht verändert hat. Die Menschen des Dorfes sind so gekleidet wie damals, sie tanzen und singen ständig, als wären sie in einem Musical, und scheinen vom Fortschritt, der anderswo gemacht wurde, gar nichts zu wissen.
Schließlich findet Josh in Emma eine neue Partnerin, die ihr Leben mit ihm in New York verbringen möchte, während Melissa zunächst vom Karussell-Ausrufer Danny bezaubert ist, der versehentlich ums Leben kommt, und dann vom örtlichen Arzt, der eine Krankenschwester sucht; sie zieht die Möglichkeit in Betracht, im Dorf zu bleiben. Am Ende erkennen beide doch noch, dass sie füreinander bestimmt sind, und beschließen, dorthin zurückzukehren, woher sie gekommen sind – während die Bewohner von Schmigadoon ihnen ein glückliches, gemeinsames Leben wünschen und dabei „How We Change“ singen.
Alles in dieser überschwänglichen Inszenierung steht im Dienste der Handlung und bezaubert das Publikum. Die Musicalnummern, choreografiert von Regisseur Christopher Gattelli, dienen als nachdrücklicher Beweis dafür, dass das Singen und Tanzen nach der alten Schule noch immer eine wunderbare Art ist, ein Musical zu genießen – insbesondere, wenn wie hier das Bühnenbild (Scott Pask) schlicht und doch ein Augenschmaus ist.
Was den Abend jedoch zu einer wirklich mitreißenden Produktion macht, ist sein Ensemble aus sehr lustigen Komikern, die ihre Rollen voller Lebensfreude und Charme spielen. Neben Alex Brightman als Josh und Sara Chase als Melissa, beide äußerst verführerisch, erobert auch McKenzie Kurtz die Bühne, über deren Porträt von Betsy – geprägt durch ein urkomisches Lachen während der gesamten Show – das Publikum sich kugelt. Ana Gasteyer will als raue, kreischende Mildred Layton die Stadt kontrollieren, Maulik Pancholy spielt ihren sanftmütigen Ehemann Reverend Layton, der zwischendurch gesteht, dass er schwul ist. Brad Oscar ist als der autoritäre Bürgermeister, der ebenfalls seine eigene Neigung zu Männern offenbart, Ann Harada seine süße Frau, die viel besser klingt, als es rollentechnisch den Anschein macht.
Zu diesen wiederkehrenden Momenten großen Vergnügens trägt auch Isabelle McCalla als Lehrerin Emma bei, deren kleiner Bruder Carson (von dem sie schließlich verrät, dass er ihr Sohn ist) mit großem Talent vom jungen Ayaan Diop gespielt wird; außerdem Max Clayton als Danny, dessen charakterstarke Darstellung an John Raitt in „Carousel“ erinnert, Nathan Lucrezio als Vater von Betsy und wütender Farmer sowie Ivan Hernandez als altmodischer Doc, der lieber auf Reisen geht, als seine Patienten zu retten. Sie alle machen aus diesem urkomischen Musical eine entzückende Show, die noch Monate oder gar jahrelang zu sehen sein sollte.
(Übersetzung: Angela Reinhardt)Music Supervision: David Chase • Musikalische Leitung: Steven Malone • Regie und Choreografie: Christopher Gattelli • Bühne: Scott Pask • Kostüme: Linda Cho • Haar- und Perückendesign: Tom Watson • Make-up-Design: Ashley Ryan • Licht: Donald Holder • Sounddesign: Walter Trarbach • Mit: Alex Brightman (Josh Skinner), Sara Chase (Melissa Gimble), Ana Gasteyer (Mildred Layton), Ann Harada (Florence Menlove), Ayaan Diop (Carson), Brad Oscar (Mayor Menlove), Isabelle McCalla (Emma Tate), Ivan Hernandez (Doc), Maulik Pancholy (The Reverend Layton/Leprechaun), Max Clayton (Danny Bailey), McKenzie Kurtz (Betsy) u.a.
Aufmacherfoto: Matthew Murphy and Evan Zimmerman




