JTB Percy Jackson 04 DRUCK | MUSICAL TODAY

Percy Jackson – The Lightning Thief

Götter, Halbgötter – oder doch total normal?

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Venue
Junges Theater Bonn & Theater Bonn
by
Rob Rokicki (Musik und Liedtexte)
Joe Tracz (Buch)
Sina Schütte und Luisa Neumann (Deutsche Fassung)
Direction
Bernard Niemeyer
UraufführunG
2014

„Percy Jackson“ zwischen Mythos, Adoleszenz und Selbstfindung

Die deutschsprachige Erstaufführung von „Percy Jackson – The Lightning Thief“ ist das neue Kooperationsprojekt des Jungen Theaters Bonn (JTB) und des Theaters Bonn. Es erzählt die Geschichte von Percy, geplagt mit Legasthenie und ADHS. Als er erneut der Schule verwiesen wird, nimmt seine alleinerziehende Mutter es gelassen, sein Freund Grover steht ihm zur Seite. Im „Camp Halfblood“ erfährt Percy schließlich, dass er der Sohn des Poseidon ist. Ihm wird unterstellt, den Herrscherblitz von Zeus gestohlen zu haben. Grover entpuppt sich ebenfalls als Halbgott, er und Annabeth stehen Percy zur Seite, um seine Unschuld zu beweisen. Gemeinsam begeben sie sich auf ein Abenteuer, das sie in die Unterwelt des Hades führt: nach Los Angeles.

20 Nachwuchstalente spielen im Wechsel einer A- und B-Besetzung und werden von den drei Profis Axel Becker, Thomas Kahle und Isabella Gonzalez in den Rollen der Eltern bzw. Götter unterstützt. Mit leidenschaftlichem Gesang und Spiel beherrscht Ahmed El Kholy als Percy die A-Premiere und führt mit nahezu durchgehender Bühnenpräsenz das gut aufeinander eingespielte Ensemble an. Eliana Craciun besticht als Annabeth mit wunderschöner, glockenklarer Kopfstimme. Heimlicher Star der Show ist Martin Wald, dessen Rolle des Grover bereits buchbedingt die meisten humorigen Momente zu verzeichnen hat. Wald spielt diese gekonnt und mit viel Energie und Freude auf den Punkt genau aus.

Szenenfotos teils mit der alternierenden Besetzung

Bernard Niemeyers Regie lässt entsprechend dem Buch die Erwachsenen-Figuren, die meist Gottheiten darstellen, skurril bis absurd wirken. Die überspitzt gezeichneten Charaktere machen es den Teenagern nicht leicht, ihre eigene Identität zu finden. Die Kostüme von Katharina Savvides unterstreichen die Absurdität der dysfunktionalen Charaktere, die der jüngeren Generation weismachen wollen, mit ihr stimme etwas nicht: Die jugendlichen Halbgötter treten in moderner Alltagskleidung auf und wirken damit im Gegensatz zu den erwachsenen Figuren sehr natürlich. Die Auftritte der Götter dagegen wirken meist abgehoben – sei es durch zerzauste Perücken, viel zu schrille Hawaii-Hemden oder Schlaghosen im Animal-Print. Ein absolutes Highlight ist das Kostüm des Zentauren Chiron: Urkomisch zieht Axel Becker einen Pferdehintern auf Rollen hinter sich her.

Mit ihrer kraftvollen Körpersprache zeigt Choreografin Larissa Fühner, dass die scheinbar nicht normgerechten Jugendlichen weniger Mankos als vielmehr persönliche Stärken aufzuweisen haben. Was zunächst wie ein Ausbruch aus der jeweiligen Choreografie wirkt, zeichnet sich schließlich als eigenständiges Solo aus.

Das Bühnenbild von Mara Lena Schönborn spielt der Zeitlosigkeit der griechischen Mythen zu, denn wie heißt es im Text: „Die Götter existieren, auch wenn wir nicht mehr an sie glauben.“ Kantige Bauten bilden Durchgänge, Tore und mehrere Spielebenen. Einige bewegliche Elemente und ein Wechsel der Beleuchtung lassen rasch verschiedene Spielorte entstehen. Zweidimensionale Requisiten wie ein Bus, Bäume des Waldes und ein Traktor wirken wie flüchtige Begleiter auf dem Trip in die Unterwelt.

Der einzige echte Wermutstropfen der Inszenierung ist die fehlende Live-Musik: Bei dem rockigen Score hätte sie der emotionalen Wirkung der Adoleszenz-Geschichte gutgetan. Tatsächlich ist der Ton während der Premiere noch nicht so weit austariert, dass man den Text durchgehend verstehen könnte. Wem die „Percy Jackson“-Romane als Hintergrund fehlen, der muss sich inhaltlich einiges selbst erschließen – was jedoch auch dem lückenhaften Buch von Joe Tracz zuzuschreiben ist. Die Übersetzung von Sina Schütte und Luisa Neumann wirkt zudem nach dem „Jetzt reim dich schon“-Prinzip zwischenzeitlich etwas staksig.

Die Kernbotschaft kommt dennoch beim Publikum an: Mach dich frei von den Konventionen vorheriger Generationen, die nicht erklären können, wie ein Heranwachsen in der heutigen Zeit tatsächlich gut gelingen kann. Finde es also selbst heraus!


Musikalische Leitung: Ekaterina Klewitz • Regie: Bernard Niemeyer • Choreografie: Larissa Fühner • Bühne: Mara Lena Schönborn • Kostüme: Katharina Savvides • Mit: Ahmed El Kholy (Percy Jackson), Eliana Craciun (Annabeth Chase), Martin Wald (Grover Underwood), Albert Teves (Luke Castellan), Soraya-Nikita Krajewski (Clarisse La Rue), Greta Fußhöller (Katie Gardner), Emilia Paereli (Silena Beauregard), Gustav Hellmann (Lee Fletcher), Emma Maschke (Lou Ellen Blackstone), Leandro Siantis (Charly Beckendorf), Axel Becker (Mr. Brunner/Chiron/Poseidon/Hades u.a.), Thomas Kahle (Mr. D./Ares u.a.), Isabella Gonzalez (Percys Mutter u.a.)

Aufmacherfoto: Matthias Jung/Junges Theater Bonn

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