Maennerbeschaffungsmassnahmen c Kammertheater Karlsruhe 4 komprimiert | MUSICAL TODAY

Männerbeschaffungsmaßnahmen

Schafft die Männer ran

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Venue
Kammertheater Karlsruhe
by
Dietmar Loeffler (Buch)
Direction
Dietmar Loeffler
World premiere
2006

Ein Liederabend über den Frust mit dem vermeintlich „starken Geschlecht“

„Definieren Sie Ihre weibliche Ausstrahlung durch die Kraft des Gesanges neu“ – so lautet das Versprechen des Coaching-Workshops, den wir mit „Männerbeschaffungsmaßnahmen“ betreten, einem seit 20 Jahren gern gespielten Liederabend. Sein Erfinder Dietmar Loeffler hat ihn schon öfters quer durch die Republik inszeniert, nun auch im Karlsruher Kammertheater, wo sich die nervöse Diplompsychologin Christiane und ihr hilfsbereiter Pianist Franz in einem nüchternen Seminarraum einfinden. Auf dessen vielen leeren Stühlen landen schließlich genau vier Teilnehmerinnen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Sie singen von Frust, Lust, ihren Träumen und Enttäuschungen. Vor allem von Männern, mit Songs von James Brown bis Nina Hagen, von Rosenstolz bis zu den Weather Girls, von Falco bis zu Volksliedern. Die Musik ist ein Kessel Buntes aus wahrhaft sämtlichen Stilrichtungen, wobei manche einfach die Stimmung heben oder Mut machen sollen und andere tatsächlich bittere Einblicke gewähren.

Pharmareferentin Sabine zum Beispiel sucht eigentlich nur das ganz normale Glück, krallt sich aber scheinbar in jeder Beziehung so fest, dass die Männer bald wieder flüchten. Meike Kircher verleiht dem Mauerblümchen erstaunliches Selbstbewusstsein und beeindruckt bis hin zu einem träumerischen „Somewhere over the Rainbow“ immer wieder mit einer großen, leicht geführten Stimme. Total empfindlich auf so viel Anschmiegsamkeit reagiert die taffe Scheidungsanwältin Angela, Feministin in Nadelstreifen und derart zynisch, dass man sich nach den Wunden fragt, die dazu geführt haben. „Das einzig wirksame Anti-Aging-Mittel ist der Sprung vom Balkon“, ätzt sie und es bleibt nicht ihre einzige Stutenbissigkeit; Anne Rathsfeld porträtiert eine elegante, einsame Frau, bei der man sehr bedauert, dass der Abend nicht allzu weit unter die Oberfläche seiner Charaktere schaut.

Die junge Laura definiert sich über ihr Punker-Outfit und eine raue, heftige Stimme, mit der sie Songs wie „Ich will keine Schokolade – ich will lieber einen Mann“ anstimmt. Ihre Meinungen, ob gesungen oder gesprochen, brechen meistens wild aus ihr heraus – Alice Hanimyan spielt eine rebellische junge Frau, die im Teenager-Trotz stecken geblieben ist. Chantal, die Stewardess auf Stöckelabsätzen, ist mit Tommaso Cacciapuoti besetzt und schäkert gleich am Anfang über ihre tiefe Stimme. Das trans* Party-Girl („I feel good“, röhrt sie gleich zu Anfang) ist auf der Suche nach einem reichen Mann und zieht gern Dinge aus – leider noch ein angedeuteter, unvollendeter Charakter, aus dem man mit einer subtileren Regie viel mehr hätte machen können.

Als Kursleiterin verzweifelt Susanne Pollmeier manchmal an den Damen, regt aber doch viele Geständnisse und einige Pointen an. In den Dialogen geht es um Dating-Apps und die Benachteiligung von Frauen, um banale Eifersucht, Einsamkeit, Selbstoptimierung. Einmal strömen alle ins Parkett hinaus und flirten mit dem Publikum, einmal spiegeln sie sich eitel und fast selbstzerfleischend in der vierten Wand. In einige der Songs hat der Autor lakonische Einwürfe der anderen Frauen hineinkomponiert, andere wiederum werden im Takt oder in der Stimmung verändert.

Im zweiten Teil hebt der Abend endlich ein wenig ab – die Klischees sind weg, die Gespräche werden ehrlich, die Musik spricht ganz alleine, etwa mit dem Chanson „Die Einsamkeit“ von Barbara oder dem Liebeslied „Bis ans Ende der Welt“ von Udo Lindenberg. Am Ende sind die völlig unterschiedlichen Frauen Freundinnen geworden. Und man bedauert umso mehr so viel verschenktes Potenzial, das man aus den Dialogen und Songs herausholen könnte – mit einem Zögern, einer brechenden Stimme, vielsagenden Pausen. Sind wir Frauen wirklich so einfach gestrickt? Oder nur, wenn uns ein Mann porträtiert?


Musikalische Leitung und Regie: Dietmar Loeffler • Kostüme: Mihaela Schönfelder • Mit: Susanne Pollmeier (Christiane Pschorauer), Anne Rathsfeld (Angela Richter-Steppelbeck), Meike Kircher (Sabine Kurzmeier), Alice Hanimyan (Laura Peiskow), Tommaso Cacciapuoti (Chantal Lübke), Markus Herzer (Franz Finkwerder)

Aufmacherfoto: Kammertheater Karlsruhe

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