Szene 4 c Sommernachtskomoedie RosenburgJenni Koller | MUSICAL TODAY

Sugar – Manche mögen’s heiß

Manche mögen’s (sehr) heiß

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Venue
Sommernachtskomödie Rosenburg
by
Jule Styne (Music)
Peter Stone (Buch)
Bob Merrill (Liedtexte)
Klaus Seiffert (Deutsche Fassung)
Direction
Marcus Ganser
World premiere
1972

„Sugar“ ist mehr Sommerkomödie als Musical, aber gelungen

„Sugar – Manche mögen’s heiß“ ist das erste Musical der Sommernachtskomödie Rosenburg (der Name ist natürlich Programm). Der Titel lässt es schon vermuten: Es handelt sich nicht um die Neufassung des Billy-Wilder-Komödienklassikers, die 2022 unter „Some Like It Hot“ knapp 500 Mal am Broadway lief, es aber noch nicht nach Europa schaffte. Nur die Plakatsujets dieses Updates sind auf der Rosenburg zu sehen, das Buch ist das von Peter Stone aus dem Jahre 1972, das erst unter „Sugar“, später im West End und bei einer US-Tour unter dem Filmtitel lief. In Österreich war diese selten gespielte Show letztmals 2009 in den Wiener Kammerspielen zu sehen.

Der Songkatalog von „Sugar“ hat sich über die Jahre immer wieder geändert, auf der Rosenburg regiert jedenfalls die große Axt. Von den ursprünglichen zwölf Songs von Jule Styne und Bob Merrill überlebten gerade mal fünf (nicht so das durchaus eingängige Titellied), dazu kommen dafür die aus dem Film bekannten „I Wanna Be Loved By You“ und „Runnin’ Wild“. Zeitweise dauert das Warten zwischen den Musiknummern gar lange und führt auch dazu, dass der erste Akt bereits nach 55 Minuten vorbei ist.

Soweit zur Buchhaltung. Doch so, wie das Publikum den bekannten Schlussgag belacht, ist der Film hier eher unbekannt, mehr Handlung und weniger Musik stören somit niemanden. Bei fast 40 Grad Außentemperatur flattern die Fächer im Publikum – es ist auch für die Darsteller, die teilweise mit Mikroaussetzern zu kämpfen haben, wohl ein Überlebenskampf.

Vielleicht auch wegen ihrer Biografien, die eher wenig Musicalerfahrung aufwiesen, müssen beide Leads auf ihre Soli verzichten, lassen in puncto Comedy aber keine Wünsche offen. Daniel Keberle in der Jack-Lemmon-Rolle als Jerry/Daphne hat die meisten Komödienelemente abzuliefern und tut das auch vorzüglich, nicht zuletzt deswegen, weil er in Frauenkleidern wirklich einem deutschen Filmklamauk der 50er-Jahre entlaufen scheint. Okan Cömert als Joe/Josephine hat ruhigere Momente und bringt ab und zu eine menschliche Wärme in seine Rollengestaltung, die über das übliche Kieksen und Giggeln hinausgeht.

Man kann darüber streiten, ob der erste Akt wirklich (ziemlich unvermittelt) mit einem Song eines Nebendarstellers enden sollte, doch Johannes Terne als liebestoller Seniorenlüstling Osgood Fielding bringt eine Eleganz und Geschmeidigkeit auf die Bühne, die aus einer potenziellen Witzfigur eine mehrdimensionale Person machen. Mit knapp 22 Jahren und noch in ihrer Ausbildung ist Lola Witzmann mit Abstand das Cast-Küken und es fehlt ihr in der Hauptrolle (noch) etwas an Star Quality. Doch die Rolle der Sugar Kane ist im Schatten von Marilyn Monroe ohnehin nur sehr schwer zu spielen, das war in den Kammerspielen damals nicht anders.

Regisseur und Bühnenbildner Marcus Ganser – ein Komödien-, wenn auch vielleicht kein Musicalroutinier – macht aus den Möglichkeiten und Einschränkungen der Rundbühne (siehe etwa Chichester oder Circle in the Square) das Beste, einige Auftritte fallen durchaus originell aus und die Minimum-Ausstattung spielt keine Rolle. Ähnliches gilt für Kathleen Bauers Choreografie, deren Arbeit mit der kleinen Cast (Mehrfachrollen sind die Regel, nicht die Ausnahme) Appetit auf eine Aufführung mit größerem Orchester als einer Vier-Frauen-Band macht.

„Sugar“ war nie ein Meisterwerk des Bühnenmusicals, warf wie etwa „Singin’ in The Rain“ oder „Gigi“ natürlich auch immer die Frage auf, ob perfekte Filme nach einer Bühnenfassung verlangen und was diese einbringen kann. Das Publikum auf der Rosenburg hat mit solchen Genrediskussionen zu Recht nichts am Hut und erlebt trotz der tropischen Temperaturen eine mehr als nur gute Zeit. Vielleicht bleibt der Abstecher ins Musicalfach für diese Bühne ja kein einmaliger … 


Musikalische Leitung: Béla Fischer Jr. • Regie und Bühne: Marcus Ganser • Choreografie: Kathleen Bauer • Kostüme: Ágnes Hamvas • Maske: Gerda Fischer • Licht: Andrea Wezdenka und Tom Barcal • Sounddesign: Florian Frech • Mit: Okan Cömert (Joe (Josephine)), Daniel Keberle (Jerry (Daphne)), Lola Witzmann (Sugar Kane), Adriana Zartl (Sweet Sue u.a.), Raphael Nicholas (Bienstock u.a.), Johannes Terne (Osgood Fielding u.a.), Bernhard Majcen (Gamaschen-Palazzo u.a.), Marie-Luise Plekat (Rosella u.a.), Veronika Rivo (Olga u.a.), Johannes Schneidler (Zahnstocher-Charlie u.a.), Clemens Wendelin Lhotka (Zugbegleiter u.a.)

Aufmacherfoto: Sommernachtskomödie Rosenburg/Jenni Koller

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