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Sunset Boulevard

System Hollywood

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Venue
Badisches Staatstheater Karlsruhe
by
Andrew Lloyd Webber (Music)
Don Black und Christopher Hampton (Buch und Liedtexte)
Michael Kunze (Deutsche Fassung)
Direction
Tobias Ribitzki
World premiere
1993

Vasiliki Roussi begeistert als Norma Desmond

Billy Wilders Film „Sunset Boulevard“ (dt. „Boulevard der Dämmerung“) bildete die Vorlage für Andrew Lloyd Webbers gleichnamiges, 1993 uraufgeführtes Musical. Wilder holte für den Film 1950 den fast vergessenen Stummfilmstar Gloria Swanson zurück auf die Leinwand. Sie spielte mit Norma Desmond quasi sich selbst: eine alternde Diva, die vom großen Comeback träumt und sich immer mehr in ihren Erinnerungen verliert – Swanson wurde dafür für den Oscar nominiert.

Lloyd Webber, Don Black und Christopher Hampton machten daraus ein fesselndes Musical, das den Zauber und die Hektik des Nachkriegs-Hollywood der morbiden Atmosphäre im Hause Desmond gegenüberstellt. Gleichzeitig schufen sie mit Norma Desmond eine der interessantesten Frauenfiguren der jüngeren Musicalgeschichte. Allein in London übernahmen nach Patti LuPone Stars wie Betty Buckley, Elaine Paige, Petula Clark und Rita Moreno die Rolle; Glenn Close gilt für viele bis heute als ultimative Verkörperung der Partie.

Das Badische Staatstheater, bislang eher als Musical-abstinent bekannt, holt sich für die Karlsruher Erstaufführung mit Vasiliki Roussi eine hervorragende Besetzung ans Haus. Obwohl fast ein wenig zu jung, identifiziert sie sich derart mit der gealterten Diva, dass keine Wünsche offenbleiben – ihre großen Songs wie „Nur ein Blick“ sind schon jetzt ein Highlight der neuen Spielzeit. Dabei gelingt es ihr, hinter dem exzentrischen, manipulierenden Stummfilmstar einen verletzlichen, bedauernswerten Charakter erkennen zu lassen. Filippo Strocchi übernimmt die Rolle des Joe Gillis und überzeugt vor allem darstellerisch. Auch der ikonische Titelsong „Sunset Boulevard“ ist in seiner Interpretation vom Feinsten, doch die langen, rezitativischen Passagen bereiten ihm Mühe. Hier ist Strocchis Gesang nicht immer ganz im Rhythmus, wodurch seine Musik zuweilen etwas avantgardistisch klingt.

Analog zu Norma Desmond ist auch Max von Mayerling etwas jung besetzt, aber Ben Connor, der bereits als Harry Frommermann in „Comedian Harmonists“ auffiel, macht aus der Rolle ein echtes Kabinettstückchen und sein Song „Kein Star wird jemals größer sein“ hinterlässt starken Eindruck. Für Betty Schaefer, die vierte im Bunde der Protagonisten, bietet das Staatstheater eine überraschende Besetzung auf: Irina Simmes ist die neue jugendlich-dramatische Sopranistin des Hauses und wird im Laufe der Spielzeit Elsa im „Lohengrin“ und Arabella singen. Doch auch im Musicalgenre fühlt sie sich hörbar wohl. Die vielen kleinen Partien sind beim hervorragend präparierten Badischen Staatsopernchor in den besten Händen, herausheben darf man Dylan Glenn als Artie Green und Wei Liu als Manfred.

Andreas Kowalewitz bewährt sich als versierter Musicaldirigent (man spielt die 2016 uraufgeführte „Symphonic Version“), die überzeugende Inszenierung besorgte Tobias Ribitzki in Zusammenarbeit mit Ausstatter Stefan Rieckhoff. Darin verbindet sich eine kluge Personenführung mit einem eigentlich einfachen Bühnenaufbau, der aber durch raffinierte Projektionen und ein exzellentes Lichtdesign (Stefan Woinke) großen Eindruck hinterlässt. Daneben muss unbedingt auch das ausgewogene Sounddesign erwähnt werden, bekanntlich ein oft zu hörender Kritikpunkt.


Musikalische Leitung: Andreas Kowalewitz • Regie: Tobias Ribitzki • Ausstattung: Stefan Rieckhoff • Licht: Stefan Woinke • Chorleitung: Ulrich Wagner • Dramaturgie: Stephanie Twiehaus • Mit: Vasiliki Roussi (Norma Desmond), Filippo Strocchi (Joe Gillis), Irina Simmes (Betty Schaefer), Ben Connor (Max von Mayerling), Luiz Molz (Cecil B. DeMille), Dylan Glenn (Artie Green), André Post (Sheldrake), Wei Liu (Manfred/1. Schuldeneintreiber) u.a. • Badischer Staatsopernchor • Badische Staatskapelle

Aufmacherfoto: Felix Grünschloß/Badisches Staatstheater Karlsruhe

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