Marc Pickering Claire Marie Hall AT JPF Mia Jerome James Spence LL CP in Thespians Photos by Mark Senior | MUSICAL TODAY

Thespians – Greece the Musical (But Not That One)

Götter, Gags und Größenwahn

qi addons for elementor placeholder | MUSICAL TODAY
oRT
Mischief & JPT Productions (Home Manchester)
von
Ed Zanders (Musik)
Jan Eichberg und Felix Rothenhäusler (Buch)
Jonathan Sayer und Ed Zanders (Liedtexte)
Regie
Robyn Grant
Uraufführung
2026

„Thespians“ verbindet die mythische Geburt des antiken Theaters mit typisch britischem Humor

Mischief, das Comedy-Kollektiv hinter dem Welterfolg „The Play That Goes Wrong“, sorgte letztes Jahr für Aufsehen, als sie die Entwicklung ihres ersten Musicals ankündigten. Das Ergebnis – das kurzweilige „Thespians“ – wurde nun auf einer UK-Tour erstmals dem Publikum vorgestellt. Bereits der Untertitel „Greece the Musical (But Not That One)“ macht deutlich, welche Art von Humor man in dieser Show zu erwarten hat.

Im Zentrum der Handlung steht Thespis, der 534 v. Chr. mit seiner Schwester und seinen Freunden auf der griechischen Insel Ikaria lebt. Thespis, den James Spence als charismatischen, aber zugleich egozentrischen Helden anlegt, hat große Träume: Er möchte seine Heimat verlassen und in Athen groß durchstarten. Als die Tyrannin – exaltiert und mit sichtlichem Vergnügen an der Schurkenrolle von Rhys Taylor verkörpert – einen Gebetswettstreit ausruft, um das Volk von den Folgen einer Dürre abzulenken, sieht Thespis seine Chance gekommen. Er entwickelt eine neue Art von Gebet, bei der er selbst in die Rolle des Dionysos schlüpft: die mythische Geburtsstunde des antiken Theaters.

Unter Führung der weisen Melampus, die durch Mia Jeromes ebenso warme wie bestimmte Darstellung zum heimlichen Star der Show wird, machen sich die Bewohner Ikarias auf den Weg nach Athen. Dort wird ihre Theaterdarbietung zu einem großen Erfolg, erregt jedoch das Missfallen der eifersüchtigen Tyrannin. Sie beschließt daraufhin, Zwietracht unter der Theatertruppe zu säen, was ihr durch die Starallüren des zunehmend eingebildeten Thespis recht leichtfällt.

Vor dem Happy End durchlaufen alle Figuren eine klare charakterliche Entwicklung: Thespis’ Schwester Poly, die Claire-Marie Hall mit erfrischender Bodenständigkeit gibt, findet den Mut, ihre Ambitionen als Autorin zu verfolgen, während Atlas (einfühlsam von Luke Latchman gespielt) sich traut, seinem besten Freund Thespis seine Gefühle zu gestehen. Adonis schließlich – der durch Marc Pickerings slapstick-lastige Darstellung den typischen, schablonenhaft-grotesken Mischief-Figuren am nächsten kommt – legt seine selbstgefällige Fassade ab.

Komplettiert wird das gut harmonierende Ensemble durch Matt Cavendish und Allie Dart, die gemeinsam als Erzähler bzw. kleiner griechischer Chor fungieren. Mit perfektem komödiantischem Timing kommentieren sie die Handlung und tragen wesentlich dazu bei, die Show zusammenzuhalten. Im Athener Gebetswettstreit verkörpern sie beispielsweise Thespis’ Konkurrenten und treiben dem Publikum mit einem Feuerwerk verschiedener Musikparodien Tränen in die Augen.

Dies ist einer der Momente, in denen die Produktion das volle Potenzial des Musicalformats ausschöpft. In anderen Szenen wirken die Songs von Ed Zanders und Jonathan Sayer bisweilen wie eine Ergänzung der Szene, ohne sie dramaturgisch entscheidend voranzubringen. Zu den Ausnahmen zählen die Darbietung der Theatertruppe sowie Melampus’ Show-Nummer „Old Man Tango“, mit der sie nach ihrer alten Liebe sucht. Dieser von „Chicago“ inspirierte Song besitzt echtes Hitpotenzial und sticht (insbesondere durch seinen beißenden Humor) aus dem restlichen Score heraus.

Gerade im Vergleich zum ähnlich gelagerten „Something Rotten!“ fällt auf, wie selten der Score die Möglichkeiten einer Musicalparodie nutzt. So entsteht ein Bruch zwischen den Mischief-typischen, brachialen Comedy-Sequenzen und der ernst gemeinten Coming-of-Age-Geschichte. Diese Diskrepanz können weder Sayers dicht geschriebenes Buch noch die klar auf eine Parodie des antiken Griechenlands (ironisch-vielseitiges Bühnenbild: Jasmine Swan) fokussierte Inszenierung von Robyn Grant gänzlich lösen. „Thespians“ ist damit ein solide gebautes Stück, dem eine stärkere Fokussierung gutgetan hätte. Seine komödiantischen Glanzszenen zeigen jedoch bereits, welches Potenzial in diesem ersten Mischief-Musical steckt.


Musikalische Leitung: Ben Smith • Regie: Robyn Grant • Choreografie: Melody Sinclair-Marsh • Ausstattung: Jasmine Swan • Licht: David Howe • Sounddesign: Nick Lodge • Mit: Matt Cavendish (Bard), Allie Dart (Rhapsodes), Claire-Marie Hall (Poly), Mia Jerome (Melampus), Luke Latchman (Atlas), Marc Pickering (Adonis), James Spence (Thespis), Rhys Taylor (The Tyrant), Josh Patel-Foster, Ashley Tucker, Curtis Patrick (Greek Chorus Line)

Aufmacherfoto: Mark Senior

Spielorte

Archiv